Protestcamp Weißekreuzplatz: offener Brief des Flüchtlingsrates an OB Stefan Schostock

Angesichts der Räumungsforderungen der CDU-Ratsfraktion und der rechtspopulistischen Partei „Die Hannoveraner“ gegen das Protestcamp auf dem Weißekreuzplatz, erwartet der Flüchtlingsrat Niedersachsen, dass sich Oberbürgermeister Stefan Schostock nicht der Stimmungsmache beugt, sondern vielmehr sich weiter für einen Dialog und eine politische Lösung einsetzt und somit auch den weiteren Bestand des Protestcamps ermöglicht, damit die sudanesischen Flüchtlinge ihren berechtigten Protest nach wie vor sichtbar äußern können. Das heißt eben auch, dass es den Menschen auf dem Camp ermöglicht werden muss, das Camp winterfest zu machen.

Der Flüchtlingsrat hat daher am 31.10.2014 einen offenen Brief an den hannoverschen Oberbürgermeister verschickt (siehe hier).

Die Ereignisse rund um das Protest-Camp seit der Pressemitteilung der sudanesischen Flüchtlinge vom 16.10.2014 haben die UnterstützerInnen in einer Email vom 30.10.2014 zusammengefasst und zur Solidarität mit den protestierenden Flüchtlingen aufgerufen (siehe hier).

Das Antira Plenum Hannover hat einen Brief an die Oberbürgermeister und die Ratsfraktionen entworfen, der von Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen unterstützt werden soll (siehe hier).

Dokumentation der Medienberichterstattung:
HAZ, 25.10.2014 hier
NDR-Fernsehen, Hallo Niedersachsen vom 28.10.2014  hier
SAT 1 Regionalfernsehen vom 28.10.2014 hier
HAZ, 28.10.2014 hier
HAZ, 29.10.2014 hier

Benefizkonzert für Protestcamp
Die Benefizkonzertreihe unter dem Motto „Jazz wird’s Zeit“ » Den ganzen Beitrag lesen…

Rd.Erlass des MK Niedersachsen „Förderung von Bildungserfolg und Teilhabe von Schülerinnen und Schülern nicht-deutscher Herkunftssprache“

Kurzbemerkungen zum RdErl. d. MK. v.1.7.2014 – 25 – 81 625 – VORIS 22410

Der neue Runderlass ersetzt den RdErl v.21.07.2005 „Integration und Förderung von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache“, auf dem er auch weitgehend basiert. Unterschiede sind letztendlich in einigen Details und einer leicht veränderten Akzentuierung zu erkennen.

Eine auffällige Veränderung des neuen Erlasses stellt die besondere Betonung der Mehrsprachigkeit als wichtige Ressource der zugewanderten jungen Menschen dar. Darüber hinaus wird die gewachsene sprachlich-kulturelle Vielfalt der Schüler- und Elternschaft als eine große Chance für Schule und Gesellschaft herausgestellt.

Erfreulich ist die Klarstellung, dass die Nichtbeherrschung der deutschen Sprache keinen Verweigerungsgrund für die Annahme in eine Schule darstellen darf. Damit ist die jeweilige Schule gefordert, eine angemessene Beschulung in der Schule (Regelklasse eventuell mit Sprachfördermaßnahmen oder Sprachlernklassen) sicherzustellen oder gemeinsam eine der Schülerin/dem Schüler angemessene Schule in Wohnortnähe zu finden. Ein Ablehnen der Schulaufnahme ohne weitergehende Beratung und Unterstützung der SchülerInnen und ihrer Eltern, wie es bisher häufig zu beobachten war,  soll damit ausgeschlossen werden.

Verbesserungen sind m.E. bei der Neuregelung der individuelle Lernentwicklung und Leistungsbewertung zu konstatieren. Waren Entwicklung unbd Bewertung im Vorgängererlass für die Primarstufe einerseits sowie für die Sekundarstufe I und II andererseits unterschiedlich geregelt, so gelten die neuen Regelungen für die Schulstufen grundsätzlich. Dazu wird jetzt konkretisiert, wie äußeren Bedingungen für mündliche und schriftliche Leistungsfeststellungen für SchülerInnen mit fehlenden bzw. begrenzten Deutschkenntnissen verändert werden können, so dass die individuelle Benachteiligung reduziert wird: z.B. durch zusätzliche Bearbeitungszeit, Verwendung spezieller Arbeitsmittel oder alternativer Präsentation von Aufgaben und Ergebnissen.

Die Strukturen der Fördermaßnahmen in den Schulen des Primarbereiches und des Sekundarbereichs I sowie des Sekundarvbereichs II sind weitgehend beibehalten worden. Danach bleiben die Sprachlernklassen (SLK), die in den letzten Jahren in Niedersachsen quantitativ stark zugenommen haben, ein wenn nicht gar das zentrale Instrument der Sprachförderung (Primar und Sekundarbereich I). Neu bezüglich der Sprachlernklassen ist, das bei der Ermittlung der Schülerhöchstzahlen pro Klasse SchülerInnen, die nicht in ihrer Herkunftssprache nicht alphabetisiert sind oder keine bzw. eine sehr beschränkte Grundbildung besitzen, doppelt zählen. Dieses gilt auch für SchülerInnen im Sekundarbereich I mit Alphabetisierungsbedarf in deutscher Sprache. Trotz dieser punktuelle Verbesserungen bleibt die große Heterogenität der Sprachlernklassen (Unterschiede im Alter und den schulischen Vorbedingungen) bestehen.

Auch die Maßnahmen im Rahmen der Förderkurse „Deutsch als Zweitsprache“ und des „Förderunterrichts“ sind grundsätzlich beibehalten worden. Neu ist lediglich der Passus, dass der zusätzliche „Förderunterricht“ für neu zugewanderte SchülerInnen ohne jegliche Deutschkenntnisse (die nicht in SLKen sind und an keinem Förderkurs teilnehmen) auf mindestens fünf Wochenstunden festgelegt ist.

Die Förderung im Rahmen besonderer Sprachförderkonzepte ist weiter geöffnet worden. Im Vorgängererlass war der Erhalt von zusätzlichen Lehrerstunden im Rahmen eines individuellen Förderkonzeptes nur möglich, wenn mehr als 20 Prozent der SchülerInnen in einem Jahrgang besondere Lernerschwernisse aufgewiesen haben. Nun können besondere Sprachkonzepte inkl. zusätzlicher Lehrerstunden durch die Landesschulbehörde genehmigt werden, wenn die Schule entweder

-einen hohen Anteil von neu zugewanderten Schülerinen ohne oder mit geringer Grundbildung oder

-einen hohen Anteil von SchülerInnen mit Förderbedarf in Deutsch als Zweitsprache oder

-einen hohen Anteil von SchülerInnen aus bildungsbenachteiligten Familien

aufweist.

Auch bei den Fördermaßnahmen in den Schulen des Sekundarbereichs II sind nur punktuelle Veränderungen zu konstatieren. Dies gilt insbesondere für die berufsbildenden Schulen. Dabei ist hier ist ein besonderes Defizit – auch im Vergleich zu den allgemeinbildenden Schulen – an angemessenen Maßnahmen festzustellen. Vielfach ist eine angemessen Beschulung von jungen Flüchtlingen in den Berufsschulen nur auf das individuelle Engagement des Schulpersonals zurückzuführen. Vor allem konnte mit dem Erlass nicht die Problematik der über 18-Jährigen gelöst werden. Positive Beispiele wie das sogenannte Bayerische Modell, das die Schulpflicht von jungen Flüchtlingen auf 21 Jahre, in begründeten Ausnahmefälle sogar auf 25 Jahre ausweitet, wurden leider nicht aufgenommen.

Insgesamt zeigt der neue Erlass des Kultusministeriums das gewachsene Interesse an der schwierigen Bildungssituation von neu zugewanderten jungen Menschen und den Versuch die vorhandenen Förderinstrumente zu verbessern. Dies ist punktuell auch gelungen. Jedoch wurde m.E. die Chance vertan, umfassendere Lösungen für besondere Defizite zu entwickeln.

Rderl d. MK. (pdf)

p.s. der Runderlass ist ständig auf dieser homepage auch unter Infomaterial – Erlasse des niedersächs. Ministeriums/BMI-Anordnungen zu finden

PRO ASYL und Deutsche Bischofskonferenz fordern Öffnung der Grenzen und Seenotrettung

aus: Neue Osnabrücker Zeitung 27.10.2014

Osnabrück. Vor der Syrien-Konferenz der Bundesregierung an diesem Dienstag hat Pro Asyl die Öffnung der Grenzen Europas und die Einrichtung einer europäischen Seenotrettung im Mittelmeer gefordert.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion verlangte Geschäftsführer Günter Burkhardt, Deutschland und die anderen EU-Staaten müssten endlich die EU-Grenzen für Flüchtlinge aus Syrien öffnen. In den Erstaufnahmestaaten Libanon, Jordanien und der Türkei sinke die Bereitschaft, weitere syrische Flüchtlinge aufzunehmen. „Wer will, dass die Grenzen der Nachbarstaaten offen bleiben, muss seine eigenen Grenzen ebenfalls öffnen“, sagte Burkhardt. Eine höhere finanzielle Unterstützung sei dringend, reiche aber nicht aus.

Der Pro-Asyl-Geschäftsführer erklärte, wegen fehlender legaler Fluchtwege versuchten Flüchtlinge aus Syrien und anderen Krisenregionen wie zum Beispiel Eritrea, mit seeuntüchtigen Booten Europa zu erreichen. Mehr als 3000 Menschen seien in diesem Jahr im Mittelmeer ertrunken, mehr als 100000 habe die italienische Marine im Rahmen des Rettungseinsatzes Mare Nostrum aus Seenot gerettet. Ende Oktober hört Mare Nostrum auf. Die EU-Grenzagentur Frontex mit ihrer Grenzschutzaktion Triton könne Mare Nostrum nicht ersetzen, erklärte Burkhardt.

Durch diesen Wechsel befürchtet Pro Asyl eine Zunahme toter Bootsflüchtlinge im Mittelmeer. „Der Umfang ist geringer, das Rettungsgebiet kleiner“, sagte Burkhardt. Kritisch bewertete Pro Asyl die Äußerung von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) zum italienischen Rettungseinsatz. Der Minister hatte gesagt: „Mare Nostrum war als Nothilfe gedacht und hat sich als Brücke nach Europa erwiesen.“ Die Brücken für die Syrien-Flüchtlinge dürften nicht hochgezogen werden, verlangte Pro Asyl.

Auch die katholische Deutsche Bischofskonferenz rief unterdessen die EU-Staaten auf, die Seenot-Rettung nicht einzustellen. Die Frontex-Operation Triton ziele vorrangig auf Überwachung, nicht auf Rettung. „Hier muss nachgebessert werden“, sagte Hildesheims Bischof Norbert Trelle, der Vorsitzender der Migrantenkommission der Bischöfe ist. Ein Großteil der Schiffbrüchigen, die im Rahmen von Mare Nostrum gerettet worden seien, stamme aus von Krisen, Krieg und Bürgerkrieg gebeutelten Staaten wie Syrien, Eritrea und dem Sudan und brauche dringend Schutz.

Die europäischen Regierungen müssten den Anspruch einlösen, in der EU einen gemeinsamen Raum für Schutz und Solidarität zu schaffen. Die vielfach geäußerte Kritik, „Mare Nostrum“ erleichtere kriminellen und gewissenlosen Schleppern die Arbeit, kann der Bischof nicht nachvollziehen: „Selbst wenn das im Einzelfall so sein sollte: Die Alternative zur Rettung ist der Tod. Wir dürfen uns nicht in einen Wettlauf des Zynismus begeben.“

Syrische Flüchtlinge: Verhindert der Streit um die Kosten eine Verlängerung des Landesaufnahmeprogramms?

Die Hannoversche Zeitung berichtet heute in ihrem Aufmacher über Auseinandersetzungen in der Landesregierung betreffend die Frage der Übernahme von Krankenkosten für Flüchtlinge aus Syrien, die im Rahmen des Landesaufnahmeprogramms aufgenommen werden. Die bisherige Regelung ist am 30.09.2014 wegen fehlender Mittel für die Übernahme von Krankenversicherungskosten ausgelaufen, was vom Flüchtlingsrat deutlich kritisiert wurde, siehe Bericht vom 16.10.

Ab Januar 2015 soll es eine Fortsetzung des Programms geben. Die Regierungsparteien sind sich jedoch nicht einig, aus welchem Budget die Kosten aufzubringen sind. Nachfolgend der HAZ-Bericht: » Den ganzen Beitrag lesen…

Auszeichnung von amikeco e.V. und Willkommensinitiative Lüneburg: „Jede Medaille hat zwei Seiten“

Pressemitteilung von amikeco e.V. und Willkommensinitiative Lüneburg

Bundesintegrationsmedaille für Engagement in der Arbeit mit Geflüchteten in Lüneburg

„Jede Medaille hat zwei Seiten“

Am 12. November wird die Arbeit von amikeco-Willkommensinitiative im Bundeskanzlerinnenamt mit dem Integrationspreis ausgezeichnet. Gewürdigt wird damit sowohl das jahrelange Engagement des Vereins amikeco e.V. für Kinder Geflüchteter als auch das Netzwerk der Willkommensinitiative Lüneburg.

Nach der Einrichtung neuer Sammelunterkünfte im Jahr 2013 wurden gemeinsam neue Projekte ins Leben gerufen: Fahrradreparatur-Workshops, Angebote für das Erlernen der deutschen Sprache, das Anlegen eines Kulturgartens, Begleitung zu Behördengängen und Unterstützung im Asylverfahren werden kontinuierlich auf Basis von Freiwilligenarbeit durchgeführt.

Die diesjährige Auszeichnung steht unter dem Motto ‚Ausbildung‘: Danae Christodoulou ist seit mehreren Jahren für amikeco e.V. aktiv im Einsatz für die Kinder und wird die Medaille stellvertretend für die Arbeit der Initiativen in Empfang nehmen: „Wir freuen uns über die Anerkennung unserer Arbeit und hoffen, dass diese Auszeichnung uns in der Auseinandersetzung um bessere Lebensbedingungen für Geflüchtete hilft.“ Gerade für Kinder ist der Alltag in den Sammelunterkünften sehr belastend. Ein großes Thema sind auch immer wieder fehlende Schulplätze für Deutschlernklassen. Für den Schulweg müssen die Kinder und Jugendlichen im Landkreis Lüneburg im ungünstigsten Fall zwei Stunden Fähr- und Busfahrt in Kauf nehmen. Noch problematischer ist die Lage für ältere Jugendliche und Heranwachsende: Für sie gibt es keine regelhaften Bildungsangebote.

Solche Bedingungen können durch ehrenamtliches Engagement wie Hausaufgabenhilfe und Ferienaktivitäten nicht aufgefangen werden. Die Initiativen setzen daher neben der konkreten und unkomplizierten ehrenamtlichen Hilfe auch auf Verhandlungen mit den zuständigen Behörden. „Manchmal hilft es, schlechte Bedingungen ehrlich anzusprechen, auch, wenn es erst einmal unbequem ist.“ sagt Danae Christodoulou „Diese Medaille hat für uns zwei Seiten: Wir freuen uns über die Anerkennung – gleichzeitig sehen wir die schlechten Zustände vor Ort, für die die Politik verantwortlich ist!“

amikeco e.V. und die Willkommensinitiative aus Lüneburg nehmen die Auszeichnung zum Anlass, sich bei all den vielen Gruppen, Initiativen, Institutionen und Einzelpersonen zu bedanken, die unsere Arbeit uneigennützig, selbstverständlich und solidarisch unterstützen!

Weitere Informationen zu uns und Kontakte: www.amikeco.info www.willkommensinitiative.de

Nachtrag:
Die Auszeichnung der Lüneburger Vereine mit der „Integrationsmedaille“ der Bundesregierung und die Reaktionen haben auch in den Medien ein breites Echo gefunden. Nachfolgend übersende ich einen Link zum NDR-Bericht sowie den heutigen bericht in der HAZ.

NDR-Bericht

HAZ 13.11.2014: Danae hilft den Kindern bei den Hausaufgaben

Berlin/Lüneburg. Eben mal so nebenbei etwas Gutes tun, das reicht nicht für die hohe Auszeichnung, die die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung seit einigen Jahren an jeweils acht Bundesbürger verleiht. In der Ausschreibung wird gefordert, die belobigten Projekte müssten von dauerhafter Wirkung sein und in den Alltag ausstrahlen. Das trifft zu auf das „Lebenswerk“ von Danae Christodoulou – soweit man bei einer 25-jährigen Referendarin für Mathematik und Sachunterricht schon von einem Lebenswerk sprechen kann. Am Mittwoch erhielt die junge Frau aus Niedersachsen in Berlin aus der Hand von Aydan Özoguz die Integrationsmedaille der Bundesregierung.

Vor sieben Jahren fing Danae Christodoulou an, Kindern in der Lüneburger Flüchtlingsunterkunft Hausaufgabenhilfe anzubieten. 2010 gründete sie mit Freunden den Verein amikeco, das ist Esperanto für „Freundschaft“. Zusammen mit der Lüneburger Willkommensinitiative, mit der der Verein kürzlich fusioniert ist, kümmern sich nun 50 Freiwillige um die etwa 250 Flüchtlinge. Dabei widmen sich die Mitglieder von amikeco vor allem den Kindern und Jugendlichen. Denn für sie, erzählt Christodoulou, sei der Alltag in den Sammelunterkünften sehr belastend. Vor allem durch die Vermittlung der deutschen Sprache wollen die ehrenamtlichen Helfer den Kindern die Möglichkeit geben, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden und sich in sie einzubringen.

Christodoulou hat auch politische Veränderungen im Blick, bei Verhandlungen mit den zuständigen Behörden – aber auch mit dem Ziel, Änderungen in der Gesetzgebung auf Bundesebene zu erreichen. „Jugendliche bekommen, sobald sie 18 Jahre alt sind, ein eigenes Asylverfahren – und werden dann oft abgeschoben, was ihre Familien in eine unmögliche Situation bringt.“ So freut sie sich über die Verleihung der Integrationsmedaille auch deshalb, weil sie ihr Kontakt zu Politikern verschafft.

Ein bisschen stolz hat es Danae Christodoulou gemacht, als einmal ein Teenager kam und sie um Rat fragte: „Das sind dann Dinge, die sie mit ihren Eltern nicht besprechen wollen. Und es ist für mich ein schöner Vertrauensbeweis, wenn sie damit zu mir kommen.“ Dass sie als Referendarin zusammen mit ihrem ehrenamtlichen Engagement auf eine 50-Stunden-Woche kommt, macht ihr nichts aus: „Wenn ich mal gestresst bin, brauche ich nur da hinzugehen, und mir geht es wieder super.“

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We never walk alone… 1000 Dank an:…

Flüchtlingsrat bedauert Absage an Winterabschiebungsstopp für Balkanflüchtlinge

Vidikovac_Settlement-376-768x1024Vidikovac_Settlement-4721-768x1024Vidikovac_Settlement-092-1024x768Der Flüchtlingsrat Niedersachsen kritisiert die Entscheidung der Landesregierung, keinen Winterabschiebungsstopp für Balkan-Flüchtlinge zu verhängen.

Angesichts der erschreckenden desolaten Lebenssituation vieler, insbesondere armer Menschen auf dem Balkan, die ohne Strom und Wasser in Elendsbaracken am Rande der Großstädte leben und von vielfältigen Formen der Diskriminierung und Ausgrenzung betroffen sind, wäre eine generelle Aussetzung von Abschiebungen über die Wintermonate in unseren Augen ein notwendiger Akt der Humanität. Anders als die Antwort des Innenministeriums nahe legt, sind besonders Schutzbedürftige wie beispielsweise Alleinerziehende sowie ältere oder behinderte Personen von einer Abschiebung nicht prinzipiell ausgenommen. Als letzter Schritt, eine Abschiebung zu stoppen, bleibt den Betroffenen in Niedersachsen nur noch die Stellung eines Härtefallantrags. Doch Anträge an die Härtefallkommission scheitern oft schon in der Vorprüfung, da dort nicht die Verhältnisse im Herkunftsland, sondern v.a. die Integrationsleistungen in Deutschland bewertet werden.

gez. Kai Weber

Resolution zur Flüchtlingspolitik: Flüchtlingsschutz in die Mitte der Gesellschaft tragen

Doris Schröder-Köpf, Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, und Otto Dix, Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen, haben eine gemeinsame Resolution zur Flüchtlingspolitik herausgegeben, mit der sie unter Bezugnahme auf historische Erfahrungen mit Krieg und Vertreibung zur Solidarität mit Flüchtlingen aufrufen und eine menschenwürdige Unterbringung einfordern. Ein bemerkenswerter Brückenschlag!

Resolution zur Flüchtlingspolitik

NDR-Berichte über Flüchtlinge und 30 Jahre Flüchtlingsrat Niedersachsen

Eine sehr freundliche Hommage auf den Flüchtlingsrat Niedersachsen hat der NDR (Hallo Niedersachsen) anlässlich unseres 30-jährigen Geburtstags am 19.10.2014  gesendet, siehe Flüchtlingsrat – Verein mit politischer Wirkung

Der NDR, dessen engagierte Berichterstattung zu flüchtlingspolitischen Themen seit Jahren ins Auge sticht, hat in dieser Woche eine ganze Serien zum Thema veröffentlicht:

  • NDR, 12.10.2014: Zu wenig Unterkünfte für Flüchtlinge: Bericht über Schwierigkeiten der Unterbringung bei grundsätzlich positiver Grundhaltung und ohne Dramatisierung der Lage
  • NDR 13.10.2014: Syrische Flüchtlingsfamilie findet neues Zuhause: Hier geht es um das Schicksal einer syrischen Familie, die einen Flüchtlingspass (und nicht, wie es im Bericht fälschlich heißt, einen deutschen Pass) erhalten hat.
  • NDR 14.10.2014: Mit zivilem Ungehorsam gegen Flüchtlinge: Bericht über die 17. erfolgreiche Abschiebungsverhinderung durch engagierte Bürger_innen in Osnabrück
  • NDR 16.10.2014: Auf der Flucht (5): Bürgerprotest: Bericht über Bürgerproteste gegen die Unterbringung von 27 palästinensischen Flüchtlingen in Bad Eilsen. Zur Einschätzung solcher Bürgerinitiativen, deren Mitglieder oft gut situiert sind und meist nicht auf die Straße gehen, sondern mit verwaltungstechnischen und juristischen Mitteln ein vermeintliches  Ansteigen von Straftaten oder einen Verlust des Werts iher Immobilie als Argument ins Feld führen, siehe auch die sehr gute Analyse des „Göttinger Instituts für Demokratieforschung: Protest gegen eine geplante Asylunterkunft
  • NDR 18.10.2014: Harburg ermöglicht Ehrenamt für Flüchtlinge: Bericht über das bemerkenswerte Engagement des Landkreis Harburg, Flüchtlingen im Rahmen des §5 AsylbLG eine Beschäftigung zu ermöglichen. So sehr dieses Bemühen anzuerkennen ist, bleibt aus unserer Sicht die Notwendigkeit einer Verknüpfung dieser Anstrengungen mit Bemühungen um eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Sicher ist für viele Flüchtlinge die mit einem Euro als Aufwandsentschädigung unterstützte freiwillige Tätigkeit eine willkommeme Abwechslung. Vor dem Hintergrund der Verkürzung des Arbeitsverbots auf drei Monate sowie der bevorstehenden Befristung der Vorrangprüfung auf 15 Monate sind jedoch jetzt Bedingungen geschaffen, die eine Arbeitsmarktintegration auch auf dem ersten Arbeitsmarkt in einem absehbaren Zeitraum realistisch erscheinen lassen. Daher sollten alle Anstrengungen darauf verwendet werden, Qualifikationen frühzeitig festzustellen und anzuerkennen, Sprach- und Anpassungsqualifikationen zu vermitteln und gemeinsam mit den Regeldiensten eine der Qualifikation und Ausbildung angemessene Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Ausgebucht!“Grundlagenschulung zur Arbeit mit UMF“ am 22.10 2014 in Hannovere

Die durch das Projekt Weitblick im Flüchtlingsrat Niedersachsen ausgerichtete  “ Grundlagenschulung zur Arbeit mit UMF“  am Mittwoch, den 22.Oktober 2014, 10.00 bis 15.00 Uhr, im Pavillon, Hannover ist ausgebucht. Weitere Teilnahmewünsche können leider nicht mehr angenommen werden. Wir bitten um Verständnis!

Protest-Camp Weißekreuzplatz kündigt an, auch ohne Winterschutz ggf. den Winter über zu bleiben

In einer Presseerklärung kündigt das Refugee Protest Camp auf dem Weißekreuzplatz in Hannover an, auch über den Winter zu bleiben, selbst wenn es ihnen verboten wird, Öfen und besseren Witterungsschutz aufzubauen. Offensichtlich würde die Polizei es nicht zulassen, wenn das Camp, das als Versammlung angemeldet ist, winterfest gemacht würde. Gleichzeitg machen die protestierenden sudanesischen Flüchtlinge jedoch klar, dass sie den Protest auf dem Weißekreuzplatz weiterführen wollen, auch wenn dies bedeutet, dass sie der Witterung relativ schutzlos ausgeliefert sind. Sie verstehen die Entscheidung, eine winterfestere Ausstattung des Camps nicht zuzulassen, als Ausdruck, dass sie in Hannover nicht willkommen sind und der Protest durch den Winter beendet werden soll. Weiteres ist der Pressemitteilung unten zu entnehmen.

gez.
Sigmar Walbrecht

Pressemitteilung Protest-Camp, 16.10.2014