Zwei Jahre nach den tödlichen Schüssen auf Lamin Touray: Keine Konsequenzen aus tödlichen Polizeieinsätzen erkennbar

Ein zivilgesellschaftliches Bündnis ruft anlässlich des zweiten Jahrestages der tödlichen Polizeischüsse auf den Gambier Lamin Touray für Samstag, den 28. März, 12.00 Uhr unter dem Motto „Gerechtigkeit für Lamin“ zu einer Gedenk-Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt auf.

Wie auch der Flüchtlingsrat Niedersachsen kritisiert das Bündnis, dass die tödlichen Schüsse durch die Polizei bis heute weder gerichtlich aufgeklärt wurden noch politische oder strukturelle Konsequenzen nach sich gezogen haben. Die Tötung von Lamin Touray zeigt, dass tödliche Polizeigewalt ohne Aufarbeitung folgenlos bleibt.

Am 30. März 2024 wurde der 46-jährige Geflüchtete Lamin Touray aus Gambia bei einem Polizeieinsatz in Nienburg/Weser erschossen. Die eingesetzten Polizist*innen gaben dabei acht Schüsse auf Touray ab, von denen mindestens zwei tödlich waren. Das Ermittlungsverfahren gegen die am Einsatz beteiligte Polizist:innen wurde Ende September 2024 seitens der Staatsanwaltschaft eingestellt. Der Flüchtlingsrat hatte die Einstellung des Ermittlungsverfahren scharf kritisiert.

Der Vorgang macht deutlich, dass grundlegende Fragen nach strukturellem Rassismus innerhalb der Polizei weiterhin unbeantwortet bleiben.

Sigmar Walbrecht, Flüchtlingsrat Niedersachsen:

Die Einstellung des Verfahrens zeigt, dass auch aus diesem tödlichen Einsatz keine Konsequenzen für zukünftiges polizeiliches Handeln im Umgang mit Menschen in einer psychischen Ausnahmesituation gezogen werden. Unbeantwortet bleibt außerdem, inwieweit rassistische Einstellungen innerhalb der Polizei zu solchen tödlichen Einsätzen beitragen oder gar führen.

Aus Sicht des Flüchtlingsrats wäre eine gerichtliche Aufklärung der Todesumstände insbesondere auch aufgrund des strukturellen Näheverhältnisses der Staatsanwaltschaft Verden zur Polizei Nienburg zwingend notwendig gewesen. Dieses Näheverhältnis und der daraus resultierende Interessenkonflikt stehen einer unabhängigen Aufklärung sytembedingt entgegen.

Der Flüchtlingsrat fordert seit langem die Einrichtung einer eigenständigen, von Polizei und Staatsanwaltschaft unabhängigen Stelle mit eigenen Ermittlungsbefugnissen zur Aufklärung von Polizeigewalt. Nur so kann eine unvoreingenommene Aufklärung tödlicher Polizeieinsätze gewährleiste werden.

Die tödlichen Polizeischüsse auf Lamin Touray sind kein Einzelfall, sondern Ausdruck eines strukturellen Problems tödlicher Polizeigewalt gegen Geflüchtete oder People of Color in psychischen Ausnahmesituationen in Niedersachsen. So wurde im August 2019 der aus Afghanistan geflüchtete 17-jährige Aman Alizada durch die Polizei in Stade erschossen. Im Oktober 2021 wurden bei einem Polizeieinsatz in einer Geflüchteten-Unterkunft in Harsefeld im Landkreis Stade 13 Schüsse auf den sudanesischen Geflüchteten Kamal Ibrahim abgegeben. In beiden Fällen wurden die Ermittlungen von der Staatsanwaltschaft eingestellt, so dass es keine gerichtliche Aufklärung der tödlichen Polizeieinsätze gab.

Ostern 2025 wurde der 21-jährige Lorenz A. in Oldenburg von Polizist*innen erschossen. Im Fall von Lorenz A. wurde jedoch Anklage erhoben, so dass die Hoffnung besteht, dass der Fall vor Gericht umfassend aufgeklärt wird und dann die entsprechenden Konsequenzen im polizeiliche Handeln gezogen werden.

Sigmar Walbrecht, Flüchtlingsrat Niedersachsen:

Es braucht eine unabhängige und transparente Untersuchung der Tötung von Lamin Touray unter Einbeziehung von externen Rechts- und Menschenrechtsexperten. Solange Polizei und Staatsanwaltschaft selbst gegen die Polizei ermitteln, kann es keine glaubwürdige Aufklärung geben. Deshalb fordern wir unabhängige Ermittlungen und eine grundlegende Überprüfung polizeilicher Gewaltanwendung.

Demonstration:
Sa., 28.03.2026, 12.00 Uhr
Ort: Bahnhof Nienburg/Weser

Kontakt:
Sigmar Walbrecht
sw@nds-fluerat.org
Durchwahl: 0511/84 87 99 73
Tel.: 0511/98 24 60 30
Fax: 0511/98 24 60 31

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