Impfungen in Flüchtlingsunterkünften – frühzeitige Aufklärung und Impfkonzept nötig

Der Flüchtlingsrats Niedersachsen zur Impfsituation von geflüchteten Menschen in Sammelunterkünften

Landesweit werden große Anstrengungen unternommen, um möglichst vielen Menschen ein Impfangebot zu machen. Anliegen des Flüchtlingsrates ist es, dass diese Impfanstrengungen verstärkt werden. Das betrifft alle Gruppen, doch zeigen die Ergebnisse des Kompetenznetz Public Health COVID‐19 in drastischer Weise, dass geflüchtete Menschen ein besonderes Risiko haben zu erkranken und gar an Corona zu sterben, was uns besorgt.

Besonderes Risiko

So stellen geflüchtete Menschen, die in Gruppenunterkünften leben aufgrund von Vorerkrankungen und der beengten Wohnsituation eine besonders vulnerable Gruppe dar. In den Unterkünften leben sie mit vielen anderen Menschen zusammen, teilen sich Küchen, Toiletten und Waschräume und sind deshalb nicht in der Lage, Sicherheitsabstände und viele Hygienevorkehrungen einzuhalten. Die STIKO ordnet daher auch Bewohner*innen von Flüchtlingsunterkünften in die Prioritätsgruppe 2 ein.

Zu dünne mehrsprachige Informationslage führt zu fehlender Impfbereitschaft

Erfahrungen aus den anderen Bundesländern zeigen, dass die Verunsicherung auch zu weniger Impfbereitschaft unter geflüchteten Menschen führen kann. Um der Unsicherheit, die auf der undurchsichtigen Informationslage beruht, entgegenzuwirken, ist es notwendig, dass den betroffenen geflüchteten Menschen niedrigschwellige, mehrsprachige Informationen (auch zu den Nebenwirkungen) der Impfstoffe vermittelt werden. Ferner müssen Stellen, an die sie sich mit Fragen richten können, kommuniziert werden. Die Informationen des Robert-Koch-Instituts, auf die vielfach verwiesen wird, sind relativ hochschwellig und möglicherweise für viele schwer verständlich.

Land und Kommunen stehen in der Pflicht vertrauensvoll zu informieren

Darum hält der Flüchtlingsrat es für dringend geboten, dass insbesondere das Land die Landkreise und die kreisfreien Städte dafür Sorge tragen, dass für Geflüchtete einfach verständliche, mehrsprachige Informationen zur Verfügung stehen, die den Menschen auf vielfältige Weise nahegebracht werden. Nur so kann Vertrauen in die Impfungen hergestellt und die Impfbereitschaft erhöht werden. Wünschenswert wäre zudem eine mehrsprachige Hotline oder zumindest eine mehrsprachige Webseite an die Geflüchtete ihre Fragen zu den Corona-Impfungen richten können. Die Informationsvermittlung dar keinesfalls allein bei den Sozialarbeiter_innen in den Unterkünften liegen.

Es braucht mobile Impfteams

Der Flüchtlingsrat erhofft sich hier ein zügigeres Vorgehen und begrüßt ausdrücklich Pläne, die Impfungen mit mobilen Impfteams vorsehen, da der Zugang damit so niedrigschwellig wie möglich gestaltet wird. Die Infrastruktur dafür ist aus den Impfungen für Alten- und Pflegeheime bekannt und hat sich bewährt.

Wie Impfstrategien in Flüchtlingsunterkünften gut umgesetzt werden können, hat eine Abfrage des Flüchtlingsrat Sachsen in seinem Bundesland hervorgebracht.

Wichtige Informationsquellen

Mehrsprachige Aufklärungsbögen zu Impfungen vom Robert-Koch- Institut

Impfungen Stufenplan STIKO

Mehr Informationen zum erhöhten Risiko von geflüchteten und migrantischen Menschen

Die gesammelten Studienergebnisse  des Kompetenznetz Public Health COVID‐19

Gesammelte meist mehrsprachige Informationen zu Corona auf der Seite des Flüchtlingsrat Niedersachsen

 

Ansprechperson:

Laura Müller
Projekt AMBA
Telefon: 0511 / 98 24 60 35
lm(at)nds-fluerat.org

 

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