Hohes Infektionsrisiko für Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften

Das Kompetenznetz Public Health Covid 19* hat eine neue Studie zum Infektionsrisiko für Migrant_innen und geflüchtete Menschen herausgebracht. In Auswertung ihrer bisherigen Forschungesergebnisse kommt das Netzwerk zu brisanten Ergebnissen:

  • Migrant_innen erkranken und sterben häufiger an Covid-19, werden jedoch seltener in Krankenhäuser eingewiesen.
  • Die enge Unterbringung in Sammelunterkünften, Aufnahmeeinrichtungen und sonstigen Formen einer Gemeinschaftsunterbringung sowie prekäre Arbeitsverhältnisse bedingen ein hohes Infektionsrisiko.
  • Kollektive Quarantäne verschärft die Situation und geht mit höherem Ausbreitungsrisiko einher.

Konkret fordert das Forschungskonsortium:

  • eine kritische Prüfung und Evaluation von Eindämmungsmaßnahmen im Bereich Arbeitsmigration und in Unterkünften für geflüchtete Menschen,
  • einen kategorischen Verzicht auf die Verhängung von Kollektivquarantäne ganzer Einrichtungen,
  • die präventive Entzerrung der Belegung, Kohortierung und Unterbringung in Einzelzimmern sowie im Ausbruchsfall eine Isolation (nur) der positiv getesteten Personen sowie der unmittelbaren Kontaktpersonen,
  • besseren Schutz und Aufklärung für Asylsuchende und Saisonarbeiter_innen,
  • eine Verbesserung der Datenerhebung

Die neue Studie findet sich hier:

Policy Brief: SARS-CoV-2 bei Migrant*innen und geflüchteten Menschen

Siehe auch die Veröffentlichung aus Mai 2020:

Corona: Hohes Risiko für Geflüchtete in Sammelunterkünften (Nr. 35/2020)

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*Das Kompetenznetz Public Health zu COVID-19 ist ein Ad hoc-Zusammenschluss von über 25 wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Verbänden aus dem Bereich Public Health, die hier ihre methodische, epidemiologische, statistische, sozialwissenschaftliche sowie (bevölkerungs-)medizinische Fachkenntnis bündeln. Gemeinsam vertreten wir mehrere Tausend Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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