Rechtem Terror entgegentreten! Solikundgebung in Syke

Seit Februar 2020 verübten mutmaßliche Rechtsextremist_innen Brandanschläge auf Restaurants von Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte in Syke, Gnarrenburg und Ganderkesee.

Genau ein Jahr nach dem Brandanschlag auf das Restaurant „Martini“ in Syke (Landkreis Diepholz) organisieren lokale Gruppen eine Solidaritätskundgebung. Diese findet am Samstag, den 13. Februar 2021, ab 11 Uhr am Bahnhof Syke statt. Auch der Flüchtlingsrat Niedersachsen ruft zur Teilnahme an der Solidaritätskundgebung auf. Wir fordern weiterhin, die Ermittlungen zu bündeln und rechten Terror als solchen zu benennen und entschieden zu bekämpfen.

Nachfolgend dokumentieren wir den vollständigen Aufruf:

Solidaritätskundgebung: Rechtem Terror entgegentreten!

Am 13.02.2020 verübten mutmaßlich Neonazis einen Brandanschlag auf das Syker Restaurant „Martini“ und hinterließen an den Wänden Hakenkreuze und rassistische Parolen. Am 24.07.2020 verübten mutmaßlich Neonazis einen Brandanschlag auf den „Hexenkeller“ in Gnarrenburg und am 13.10.2020 wurde das Restaurant „Don Gantero“ in Ganderkesee ebenfalls Opfer eines feigen Brandanschlags. Auch hier waren Hakenkreuze und rassistische Parolen auf die Wände geschmiert worden.

Diese Anschläge machen uns wütend, traurig und hinterlassen bis heute viele Fragen bei uns allen! Unsere Solidarität gilt dem Martini, dem Hexenkeller und dem Don Gantero, den Angehörigen und allen von rechter Gewalt Betroffenen.

Wir sind wütend, weil rechte Kräfte sich in Syke, Gnarrenburg und Ganderkesee so sicher fühlten, um diese Angriffe zu verüben. Wir sind wütend über den Stillstand der Ermittlungen. Wir sind wütend, weil die Opfer der Brandanschläge vor dem Scherbenhaufen ihrer Existenz stehen und heute kaum mehr jemand über diese Taten spricht! Traurig macht uns, dass solche feigen Taten immer noch ungesühnt sind und dass der Einsatz gegen rechtsradikale Gruppierungen nur halbherzig angegangen wird! Wir fragen uns, warum die Staatsanwaltschaft Verden verlauten ließ, dass es vermutlich kein rechtsradikaler Übergriff war, weil das Hakenkreuz auf die Hinterseite des Martinis geschmiert wurde und nicht auf die Vorderseite. Wir fragen uns, warum die Polizei in Syke davon spricht, dass es in Syke keine rechtsradikalen Strukturen gibt. Wir fragen uns, warum die drei Brandanschläge bisher noch nicht in EINER Sonderkommission zusammen bearbeitet werden.

Der Verdacht auf eine mögliche rechtsterroristische Serie müsse sehr ernst genommen werden, sagen Kenner*innen der rechten Szene in der Region. Es sei eine Frage, wie viele Ressourcen die Polizei einsetze und wie die Arbeit gebündelt werde. Wir schließen uns dieser Forderung an und fordern die Polizeikräfte an den drei Standorten auf, ihre Arbeit transparent zu machen. Wir fordern die Einsetzung einer Sonderkommision, um zu prüfen, ob es sich bei den Brandanschlägen um eine rechtsterroristische Serie handeln könnte! In Syke, im Bremer Speckgürtel und in Bremen selbst gibt es Neonazis, die sich in klandestinen Netzwerken organisieren und die bereit sind, unsere Demokratie, Werte und Normen zu zerstören. Wir dürfen uns nicht beirren lassen und dadurch nicht lähmen lassen.

Gemeinsam wollen wir für eine solidarische Gesellschaft ohne Rassismus und Faschismus einstehen. Verwandeln wir unsere Trauer und Wut in Widerstand!

Wir sind mehr! Bündnis im Landkreis Diepholz
So.Wi.WIR
Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage (WABE)
Betroffenenberatung Niedersachsen
Seebrücke Niedersachsen
Flüchtlingsrat Niedersachsen

Der Aufruf als Flyer

Hintergrund

Nach Brandanschlägen im Bremer Umland: Weiter keine Ermittlungsergebnisse, Beitrag vom 2. Dezember 2020

Brandanschläge im Bremer Umland: Rechte Tatmotive benennen und Betroffene konsequent schützen, Gemeinsame Pressemitteilung von Flüchtlingsrat, Mobiler Beratung, Betroffenenberatung vom 29. Oktober 2020

Solidaritätsaktionen nach Brandanschlag in Gnarrenburg, Beitrag vom 31. August 2020

1 Gedanke zu „Rechtem Terror entgegentreten! Solikundgebung in Syke“

  1. Hallo,
    ich habe auch die Zoomveranstaltung mit Andrea Röpke und anderen zu diesen empörenden Vorfällen gesehen. Leider müssen wir immer wieder Druck machen, damit die Schuldigen gesucht, Netzwerke erkundet und als solche bekannt gemacht werden. Opferschutz muss von staatlicher Seite systematisch ausgebaut und initiiert werden!
    Mit solidarischen, antifaschistischen Grüßen – Mecki Hartung, VVN-BdA.e.V.

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