Solidaritätsaktionen nach Brandanschlag in Gnarrenburg

In der Nacht zum 23. Juli ist es in Gnarrenburg / Worpswede zu einem verheerenden Anschlag auf das von vier syrischen Brüdern betriebene Restaurant „Hexenkeller“ gekommen. Auf der Brandruine prangte ein Hakenkreuz. Das Feuer ist nach Erkenntnissen der Sachverständigen eindeutig auf Brandstiftung zurückzuführen – der Staatsschutz ermittelt. Die vier Brüder hatten das Restaurant erst Ende 2019 übernommen, ihre Existenzgrundlage ist zerstört.

Die örtliche Flüchtlingsinitiative hat nun Plakate drucken lassen und an Worpsweder Gastronomen und Einzelhändler verteilt. „Wir sind alle Hexenkeller“ steht darauf. So zeigen sich seit dieser Woche viele Läden solidarisch.

Die Unterstützer_innen ziehen Verbindungen zu einem Anschlag in Syke im Landkreis Diepholz, wo im Februar das Bistro „Martini“ brannte, dessen Betreiber_innen ebenfalls syrischer Herkunft sind. Auch dort fand die Polizei am Tatort ein Hakenkreuz und den Spruch „Ausländer raus“. In Bremen wurde ebenfalls im Februar ein Brandanschlag auf das linke Jugendzentrum „Friese“ verübt. Die „LINKE“ weist auf weitere Aktivitäten in Norddeutschland hin: „Der im Februar 2019 von der NPD Niedersachsen gekaufte Hof Nahtz in Eschede im Heidekreis wird derzeit rege genutzt und dient als Ort der rechten Vernetzung.“
Das Team der Gedenkstätte Lager Sandbostel erinnert auch an den gewaltsamen Tod des 27-jährigen Flüchtlings Amadou Diabate, der vor vier Wochen in seiner Wohnung in Zeven erstocchen aufgefunden wurde. Bekannte und Freunde des Opfers berichteten von fremdenfeindlichen Diskriminierungen bis hin zu Drohanrufen mit verzerrter Stimme.
Ruben Obenhaus vom Regionalbüro Nordost der „Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus und für Demokratie in Niedersachsen“ beobachtet die rechtsextreme Szene in der Region seit langem. Im Landkreis Rotenburg gebe es ein „sich zuspitzendes diffuses Naziproblem“, so Obenhaus gegenüber der taz. „Wir nehmen dort in den letzten Monaten vermehrt rechtsextreme Aktivitäten wahr.“ Es tauchten szenetypische Aufkleber, rassistische Schmierereien und Hakenkreuze auf. An einem bestimmten Personenkreis ließe sich das Problem nicht festmachen, so Obenhaus. In den Landkreisen Osterholz, Diepholz und Delmenhorst sei die Szene ebenfalls vertreten.

Anlage:
Bericht des Weser-Kurier vom 22.08.2020

Bericht taz vom 29.07.2020

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