Portrait: Anita, in Deutschland geboren, von Abschiebung bedroht

anitaDie 15-jährige Anita aus Göttingen ist von Abschiebung bedroht.

Anita ist in Deutschland geboren, spielt Theater und ihre Familie lebt seit 17 Jahren hier. Sie ist kurz davor ihren Hauptschulabschluss zu machen. Ihre Lehrer bescheinigen ihr, sie sei „super integriert, engagiert und bildungswillig“. Weil sie in der Vergangenheit mehrfach die Schule geschwänzt hat, meinte das VG Göttingen jedoch, feststellen zu können, dass ihr jetziger ordnungsgemäßger Schulbesuch (auf der BBS) in erste Linie durch die drohende Abschiebung motiviert sei, und verweigerte ihr ein Bleiberecht. Anita ist Klassensprecherin und sozial offenkundig sehr aktiv in verschiedenen Bildungsprojekten.

Schon mit zwölf Jahren hat sie beim Theaterstück ROSENWINKEL des freien Theaters boat people projekt neben Schauspiel-Profis auf der Bühne gestanden und eine Rolle gespielt, die die eigene war: ein Göttinger Mädchen, das seit seiner Geburt in Deutschland nur geduldet ist und nicht erwünscht. Aus dem Projekt ist jetzt das Jugendbuch ROSENWINKEL, erschienen bei cbt randomhouse, entstanden, aus dem die Theatermacherin und Autorin Luise Rist gemeinsam mit Anita zurzeit an Literaturhäusern und Schulen vorliest. Jetzt droht die Wirklichkeit, den Roman einzuholen. Anita, ihre Eltern und fünf Geschwister sollen in den Kosovo abgeschoben werden. „Obwohl die Kinder hier zuhause sind, sie ihre Freunde und ihren Lebensmittelpunkt hier haben“, sagt Tilman Zülch von der Gesellschaft für bedrohte Völker. „Sie beherrschen die Landessprachen des Kosovo gar nicht“, so Zülch weiter.

Im Film MORGENLAND, der zum Schulfilm gekürt wurde und demnächst deutschlandweit im Unterricht gezeigt wird, spielt Anita eine Hauptrolle. Aktuell probt sie für die neue Jugend-Produktion von boat people projekt, sie ist hier ein Teil einer großen Gruppe junger Göttinger*innen.

„Ich hoffe, dass wir in Deutschland eine Chance bekommen“, sagte die 15-jährige Anita am Donnerstag während des Treffens mit Oberbürgermeister Köhler in seinem Büro im Neuen Rathaus. „Ich möchte meine Zukunft in Deutschland verbringen, möchte hier arbeiten und mein Geld verdienen.“

OB Köhler äußerte Verständnis für die Situation der Familien. Er sicherte zu, bis zu einer Entscheidung des Oberverwaltungsgericht nichts in Richtung Abschiebung zu unternehmen. Ordnungsdezernent Hans-Peter Suermann nannte die Situation „menschlich außergewöhnlich problematisch“. Die Stadt nehme aber hier staatliche Aufgaben wahr. Die deutsche Rechtsordnung sehe kein „örtliches Ermessen“ vor. Es gelte: „Kinder teilen das Schicksal der Eltern.“

Ramaswamy und Luise Rist vom Boat People Projekt, die mit Anita seit Jahren arbeitet, räumten Fehler der Eltern ein. Dafür dürften die Kinder aber nicht bestraft werden, argumentierten sie. „Wir schieben Göttinger in den Kosovo ab“, sagte Rist. Diese Situation sei „unglaublich“.

Nachtrag: Hier ein Kommentar des Flüchtlingsrats zu den Beschlüssen des VG Göttingen vom 8.12.2015 (Autorin: Luara Rosenstein)


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2 Kommentare

  1. Zita Killmann am

    Abschiebung ist in diesem Fall das Wegsperren in ein fremdes Land, dessen Sprache sie nicht beherrscht, das sie nicht kennt, in dem sie von Bildung, Ausbildung, Wohnen, medizinischer Versorgung ausgeschlossen ist und als Angehörige einer ethnischen Minderheit keinesfalls sicher, sondern der Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt wird.

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    • Thomas Hering am

      Das deutsche Grundgesetz kann und darf nicht gebrochenen werden. Dies sollte auch von illegalen Migranten und „Gutmenschen“ anerkannt werde.

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