Gazale Salame ist wieder zu Hause

Acht Jahre lang hat der Unterstützerkreis gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen, unterstützt von den Kirchen, zahlreichen Organisationen und Prominenten, für die Zusammenführung der durch die Abschiebung zerrissenen Familie von Gazale Salame und Ahmed Siala gekämpft. Am Sonntag war es endlich so weit: Gazale konnte ihre ohne sie groß gewordenen Töchter  in die Arme schließen, Ahmed die beiden jüngeren Kinder.

„Es ist schön, wieder zu Hause zu sein. Ich will nur Frieden.“ Froh und erschöpft wirkt Gazale nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen in der Nacht vom 2. auf den 3. März in Hannover. Man sieht ihr an, dass die Schmerzen und Qualen der vergangenen Jahre nicht so einfach überwunden werden können. Gazales Mann Ahmed war nach der Abschiebung seiner damals schwangeren Frau und der jüngsten Tochter allein mit zwei älteren Töchtern in Deutschland zurückgeblieben. Amina (16) und Nura (14) wuchsen ohne ihre Mutter zu Teenagern heran. Jetzt traf Ahmed seine Frau, seine Tochter Schams (9), die ihm einjährig entrissen worden war, endlich wieder. Seinen 7-jährigen Sohn Gazi sah er zum ersten Mal.

Die Abschiebung der schwangeren Gazale mit ihrer einjährigen Tochter ohne ihren Mann und die beiden anderen Kinder war zum Sinnbild der schwarz-gelben Abschiebungspolitik in Niedersachsen unter Innenminister Schünemann (CDU) geworden.
Am Sonntag wurden Gazale, Schams und Gazi vom neuen niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD), der mitten in der Nacht eigens zum Flughafen gereist war, empfangen: „Ich hoffe, dass es mir gelingt, solche Fälle in Zukunft auszuschließen. Jeder, der solche Entscheidungen fällt, sollte diese Bilder vor Augen haben.“ Wir werden ihn beim Wort nehmen.

Ein kurzer subjektiver Rückblick auf die Ereignisse mag die Orientierung in diesem komplizierten Fall ebenso beförden wie die bereits vor zwei Jahren erstellte Geschichte einer Flüchtlingsfamilie. Ergänzend dokumentieren wir eine kurze Stellungnahme von Ahmed Siala vom Sonntag.

Medienberichte:

STERNSueddeutscheDIE ZEITspiegel-onlinedie tageszeitung, Hildesheimer Allgemeine ZeitungHannoversche Allgemeine Zeitung ARD TagesthemenZDF Heute JournalNDR Hallo Niedersachsen, TAZ, BILD, Braunschweiger Zeitung, Hamburger Abendblatt, Landeskirche Hannover, Evangelische Zeitung Niedersachsen

Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir an dieser Stelle nicht alle Menschen erwähnen, die sich nicht selbst auch öffentlich geäußert bzw. einer Veröffentlichung ihres Namens zugestimmt haben. Wer in der nachfolgenden Liste nicht erwähnt ist, möge dies insofern nicht als mangelnde Anerkennung werten und sich ggfs. bei uns melden. Wir danken folgenden Personen und Gruppen, die in den letzten acht Jahren mit uns mutig und beharrlich für die Rückkehr von Gazale, Schams und Gazi gekämpft haben:

  • Unterstützerkreis für Gazale, eine Initiative aus Hildesheim, die acht Jahre lang unermüdlich für die Rückkehr der Familie kämpfte, und deren Mitglieder wir hier schon deshalb nicht nennen, um sie vor Belästigungen durch Nazis und Rassisten zu schützen. Eine „Chronik der Aktivitäten“ findet sich in den Presseberichten.
  • Heiko Kauffmann, PRO ASYL,  der mit einem Appell an den Ministerpräsidenten McAllister auf die Verletzung des verfassungsmäßig verankerten Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes und des Familienschutzes verwies und deutlich machte, dass die fortgesetzte Familientrennung gegen die Europäische Menschenrechtskonvention und die UN-Kinderrechtskonventionverstieß. Heiko Kauffmann überzeugte eine Vielzahl von Prominenten, sich öffentlich für eine Rückkehr von Gazale, Schams und Gazi stark zu machen, und trat auch in Hildesheim als Redner auf Demonstrationen auf.
  • Rainer Kruse, Referent von Brot für die Welt i.R., der, aufgeschreckt durch den Artikel von Wolfgang Uchatius in der „Zeit“, internationale Kampagnen für die Rückkehr von Gazale in verschiedenen europäischen Staaten sowie in Südafrika, Indien, auf dem Balkan, in Tunesien organisierte und gemeinsam mit Heiko Kauffmann und Lothar Krappmann die Verletzung der Kinderrechte anprangerte.
  • Dr. Gisela Penteker, Ärztin und Vorstandsmitglied des Flüchtlingsrats, die intensiven Kontakt mit Gazale gehalten, sie ärztlich versorgt und mindestens einmal im Jahr besucht hat.
  • Monika Bergen, Aktivistin im Flüchtlingerat Berlin und Vertraute von Gazale, die in immer neuen Briefen und Eingaben an die politisch Verantwortlichen eine humanitäre Lösung fordert, engen Kontakt mit Gazale hält und sie auch in der Türkei besucht.
  • Wolfgang Voges und Domkapitular Osthaus sowie Superintendent Helmut Aßmann, die als Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche immer für uns ansprechbar waren, an vielen Demonstrationen teil nahmen, öffentliche Appelle formulierten und mit dem Innenministerium Verhandlungen führten.
  • Dr. Hans-Jürgen Marcus und Hedwig Mehring vom DICV Hildesheim, die in enger Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsrats und dem Unterstützerkreis den Fall in verschiedenen Gremien vertreten und immer wieder auch öffentlich Stellung nehmen.
  • Der Hildesheimer Bischof Trelle, der mehrfach auch öffentlich in deutlichen Worten sein Unverständnis über die Weigerung der Landesregierung zum Ausdruck brachte, in diesem Fall eine humaitäre Lösung herbeizuführen.
  • Thomas Vogler, Jazzbar München, der eine Petition für Gazale in den Bundestag mit über 2000 UnterstützerInnen einbrachte und ein Konzert zur Unterstützung der Familie organisierte.
  • Lars Wätzold, Improshow Göttingen, der mit einem Benefizessen für Schünemannopfer sowie einem Benefizkonzert für Schünemannopfer nicht nur für Unterhaltung und Schlagzeilen, sondern auch für Geld für die Unterstützung von Gazale sorgt.
  • Die Landtagsabgeordneten Jutta Rübke (SPD),  Fritz Güntzler (CDU), Filiz Polat (Grüne), Pia Zimmermann (Linke), und Jan-Christoph Oetjen(FDP), die im Innenausschuss zusammen finden und gemeinsam dafür arbeiten, jenseits von Parteiinteressen und Wahlkampfgetöse eine pragmatische Lösung für die Familienzusammenführung zu finden.
  • Brigitte Pothmer (MdB Grüne), die immer wieder auch eigene Initiativen ergreift, um auf das der Familie angetane Unrecht öffentlich hinzuweisen und eine Lösung zu fordern.
  • Die kommunalen Politiker Klaus Bruer (SPD), Ottmar von Holtz (Grüne) und Richard Bruns (Grüne), die öffentlich Stellung beziehen, im Konflikt mit dem Landrat vermitteln und die Verabschiedung einer Resolution des Landkreistags für eine Familienzusammenführung durchsetzen.
  • Das „Trillke-Orchester“, später umbenannt in „Schwarzer Hahn“, eine Straßenmusikergruppe aus Hildesheim, die auf nahezu jeder Demonstration und Kundgebung für Gazale kostenlos auftritt und mitreißende Musik macht.
  • Eine Vielzahl von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in Briefen und Stellungnahmen für eine Lösung einsetzen, u.a.1) Politiker/innen:

    • Prof. Dr. Rita Süßmuth
    • Heiner Geißler
    • Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin
    • Tom Koenigs
    • Dr. Reinald Eichholz
    • Lioba Meyer
    • Heidi Merk und Herbert Schmalstieg

    2) Verfassungsrichter:

    • Prof. Dr. Ernst Gottfried Mahrenholz, ehem. Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts

    3) Führende Vertreter der Freien Wohlfahrtspflege

    • Rudolf Seiters, Präsident des DRK, ehem. Bundesinnenminister
    • Wilhelm Schmidt, Präsident des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt e.V. und Präsident des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V.
    • Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des deutschen Caritasverbandes
    • Pater Martin Stark SJ, Direktor Jesuiten-Flüchtlingsdienst

    4) Vertreter/innen von nationalen Menschenrechtsorganisationen und Verbänden:

    • Prof. Dr. Fanny-Michaela Reisin,  Präsidentin der Internationalen Liga für Menschenrechte
    • Ursula Führer, stellv. Vorsitzende Erich Maria Remarque Gesellschaft e.V.
    • Brigitte Erler, Ehem. Generalsekretärin von amnesty international, Gründerin der Antirassismusorganisation Aktion Courage
    • Torsten Jäger , Geschäftsführer Interkultureller Rat in Deutschland e.V.
    • Dr. Hans-Martin Große-Oetringhaus, Referent für Globales Lernen bei terre des hommes
    • Danuta Sacher, Geschäftsführerin  terre des hommes – Hilfe für Kinder in Not
    • Peter Herrmann, Vorstand Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge e.V.
    • Albert Riedelsheimer, Generalsekretär Separated Children Deutschland e.V.
    • Sanem Kleff, Vorstandsvorsitzende Aktion Courage e.V.
    • Tina Terschmitten, Vorstand Aachener Friedenspreis e.V.
    • Paula Honkanen-Schoberth, Bundesgeschäftsführerin Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband
    • Dr. Sabine Farrouh, Vorstand IPPNW – Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges/ Ärzte in sozialer Verantwortung
    • Annelie Buntenbach, Bundesvorstandsmitglied des DGB
    • Siegfried Steiger, 1. Vorsitzende Deutsche Korczak-Gesellschaft e.V., Günzburg, 03.02.2012
    • Dr. Jürgen Stahn , Hamburg und Wolfgang Mai, Schliersee,  Abtl. Brot für die Welt
    • Mike Corsa von der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend in Deutschland
    • Rupert Neudeck, Gründer der Organisation Cap Anamur, Journalist
    • Fanny Dethloff, Bundesvorsitzende der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirch e.V.

    5) Vertreter/innen aus Kultur und Wissenschaft

    • Prof. Dr. Klaus J. Bade, Vorsitzender Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR)
    • Volker Ludwig, Autor und Geschäftsführer GRIPS Theater GmbH, Berlin, 26.01.2012
    • Dr. Jobst Paul, Dr. Margrete Jäger, Prof. Dr. Siegfried Jäger, Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS)
    • Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Geschäftsführender Direktor Stiftung Universität Hildesheim, sowie weitere Professor/innen des Fachbereiches ”Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation”
    • Prof. Dr. Andreas Buro, Friedensforscher
    • Prof. Mohsen Masserat, Friedensforscher
    • Dr. Doreen Müller, Politikwissenschaftlerin UNI Göttingen
    • Peter Grohmann, Kabaretist,  Gründer der ANSTIFTER in Stuttgart
    • Prof. Heiner Bielefeld, Institut für Menschenrechte Uni Erlangen.
    • Prof. Wolfgang Ehrhardt, HAW Hamburg
    • Günther Grass, Literaturnobelpreisträger und Schriftsteller

    6) Vertreter/innen von internationalen Organisationen

    • Kailash Satyarthi, Präsident des Global March Against Child Labour, Indien
    • Prof. Hiroshi Oda, Japan
    • Jean Zermatten, Vorsitzender des Kinderrechtsausschusses der Vereinten Nationen
    • Prof. Dr. Lothar Krappmann, Langjähriges Mitglied des Ausschusses der Vereinten Nationen für die Rechte des Kindes
    • Corinne Kumar, El Tallert , Tunesien. Internationale Initiatorin von Frauentribunalen. Mobilisierteinternational ca 40 Frauengruppen und Aktivistinnen zum Schreiben von Protestbriefen an deutsche Politiker
    • Edith Rubinstein, Belgien, mobilisierte Women in Black Organistionen in Europa für Briefaktionen und machte Übersetzungen in französisch.
    • SIEDS, Frauen Collective in Bangalore,  mobilisierte ca 20 indische Frauengruppen
    • Build in Bombay Gemeinschaftscampagne mit etlichen indischen NGO´s
    • IMSE, Calcutta, Mr. Biplab Halim   Mobilisierung von Gruppen in Nordindien und Nachbarländern
    • Bishop George Ninan, New York
    • Theresa Achary Joseph , Andhra Pradesh, Südindien
    • Biljana Zamir Mobilisierung von Briefen aus dem Balkan.
    • Brian Ashley,  Alternative Information Südafrika
    • Peoples Reporter, Monatszeitung in Indien

Sowie eine Vielzahl von Personen, die sich öffentlich oder privat mit Briefen, Spenden oder sonstiger direkter oder indirekter Unterstützung für die Familie stark gemacht haben. Ihnen allen sage ich herzlichen Dank!

gez. Kai Weber

3 Gedanken zu „Gazale Salame ist wieder zu Hause“

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