Gazale Salame bald zurück in Hildesheim?

Seit acht Jahren hofft die in die Türkei abgeschobene Kurdin Gazale Salame auf ihre Rückkehr zu ihrer Familie in den Kreis Hildesheim. Jetzt – kurz vor Weihnachten und vor der Landtagswahl – zeichnet sich endlich eine Wende ab. Am kommenden Freitag wird der Landtag einen Entschließungsantrag von CDU und FDP annehmen, der auf der Grundlage der am 10.07. in den Landtag eingebrachten Entschließung von SPD, Grünen und Linken formuliert wurde und die Landesregierung auffordert, sich für eine Rückkehr Salames und ihrer beiden jüngsten Kinder nach Deutschland einzusetzen. Der innenpolitische Sprecher der CDU, Fritz Güntzler, bestätigte gegenüber dem NDR sowie der HAZ die Absicht, Gazale mit den beiden kleineren Kindern Schams und Gazi möglichst noch vor Weihnachten die Rückkehr zu ihrer Familie nach Deutschland zu ermöglichen.

Das Parlament werde nun aktiv, weil es einen Antrag der Opposition gab, zu dem CDU und FDP aber einen Änderungsantrag gestellt haben, erklärte Güntzler. Der Entschließungsantrag, den der Innenausschuss am 22. November bereits beschlossen hat und über den am kommenden Freitag der Landtag beraten wird, sieht einen „an humanitären Gesichtspunkten orientierten Weg“ vor. An dessen Ende solle eine Familienzusammenführung stehen. Die Landesregierung soll dies gemeinsam mit dem Landkreis Hildesheim in die Wege leiten. Zunächst soll die älteste in Hildesheim wohnende Tochter Amina ein Aufenthaltsrecht auf der Grundlage der im vergangenen Jahr beschlossenen Bleiberechtsregelung nach §25a AufenthG bekommen.  Da sie inzwischen das 15. Lebensjahr vollendet hat und damit alt genug ist, darüber hinaus auch gute Schulleistungen nachweisen kann, ist die Erteilung dieser Aufenthaltserlaubnis reine Formsache. Auf der Grundlage dieser Entscheidung soll dann auch Gazale und den übrigen minderjährigen Kindern ein Aufenthalt im Bundesgebiet ermöglicht werden.

17 Jahre lange hatte Gazale Salame in Deutschland gelebt. 2005 wurde sie schwanger gemeinsam mit ihrer damals einjährigen Tochter abgeschoben – als der Vater die zwei älteren Geschwister zur Schule brachte. Im Laufe der letzten acht Jahre haben sich hunderte, wenn nicht tausende Menschen im direkten Gespräch oder auch hinter den Kulissen für Gazale Salame und eine Zusammenführung der durch Abschiebung auseinandergerissenen Familie engagiert (siehe Aktivitäten und Pressemeldungen). Am Ende war es die einfache Tatsache, dass da eine Mutter ihre Kinder seit acht Jahren nicht gesehen hat und die Kinder ihre Mutter nicht, die manche Abgeordnete nicht mehr akzeptieren konnten und wollten.

Wir sind froh, dass es endlich eine Perspektive gibt, und fiebern dem Tag entgegen, an dem Gazale endlich wieder nach Hause kommen kann. Natürlich wissen auch wir: Nach acht Jahren kann man nicht mehr von einem Erfolg sprechen. In diesem Prozess haben alle verloren. Wenn die Familie sich endlich wieder begegnen und als Familie neu finden kann, wird die eigentlich schwierige Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erst beginnen können: Dann muss ein Weg gefunden werden, die psychischen Zerstörungen der letzten Jahre aufzuarbeiten.

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