Aman Alizada starb vor einem Jahr durch Polizeischüsse in Stade

Presseinformation, 21. August 2020

Gedenkaktionen heute und Samstag

Flüchtlingsrat Niedersachsen fordert Konsequenzen für zukünftige Polizeieinsätze und Verbesserungen in der Jugendhilfe

Vor einem Jahr wurde der 19-jährige Aman Alizada, der ohne seine Eltern aus Afghanistan nach Deutschland geflohen war, in seiner Unterkunft in Stade von der Polizei erschossen. Der Flüchtlingsrat Niedersachsen begrüßt die jüngste Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft Celle, dass die Ermittlungen zum Polizeieinsatz wieder aufgenommen werden. Die Abläufe müssen restlos aufgeklärt werden.

Kai Weber, Geschäftsführer Flüchtlingsrat Niedersachsen:

„Der Tod von Aman Alizada, aber auch viele weitere bedenkliche Polizeieinsätze in den letzten Wochen und Monaten zeigen: Es muss sich etwas ändern bei Polizeieinsätzen. Notwendig sind Konsequenzen bei den Einsatzstrategien der Polizei. Bei Einsätzen wie in Stade muss die Polizei anders vorgehen und sicherstellen, dass niemand dabei stirbt. Aman Alizada war ein junger Geflüchteter, seine psychischen Probleme waren der Polizei bekannt. Warum werden in solchen Fällen nicht standardmäßig Psycholog_innen und Sozialarbeiter_innen hinzugezogen?“

Im Juni 2020 starb ein weiterer junger Mann aus Guinea in Twist (LK Emsland) bei einem Polizeieinsatz. Auch im benachbarten Bremen wurde im Juni ein Mann während eines Einsatzes von der Polizei erschossen.

Kai Weber, Geschäftsführer Flüchtlingsrat Niedersachsen:

„Wir erinnern aber auch daran, dass Aman Alizada als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Niedersachsen kam. Es ist inakzeptabel, dass weiterhin zu viele Jugendämter in Niedersachsen im Übergang in die Volljährigkeit die Unterstützung im Rahmen der Jugendhilfe einstellen. Dann können Jugendliche mit Unterstützungsbedarf in tiefe Löcher fallen. Entscheidend ist, Unterstützungsketten in jedem Fall sicherzustellen. Auch in den dezentralen Unterkünften ist die Sozialarbeit und psychosoziale Versorgung viel zu lückenhaft, so dass es an hinreichender Unterstützung für psychisch schwer belastete Jugendliche und junge Volljährige mangelt.“

Hintergrund:

Zum ersten Todestag von Aman Alizada werden mehrere Veranstaltungen in Stade organisiert:

Fr., 21. August 2020 | 17 Uhr
Kundgebung zum 1. Todestag von Aman Alizada
Stade | Pferdemarkt
Die Kundgebung wird organisiert von der Bürgerinitiative Menschenwürde Landkreis Stade.

Sa., 22. August 2020 | 17 Uhr
Demonstration „In Gedenken an Aman Alizada – Kein Vergeben, Kein Vergessen!“
Stade | Pferdemarkt
Die Demonstration wird organisiert von der Initiative Aman Alizada.
Veranstaltung auf Facebook.

Weitere Hintergrundinformationen zu dem tödlichen Polizeieinsatz in Stade

Kontakt:

Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.
Kai Weber, Geschäftsführer, Tel. 0511 84 87 99 72, kw@nds-fluerat.org, nds@nds-fluerat.org

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