10 Fakten über Flucht und Asyl

[Juni 2020] 

 

Weltweit nimmt die Zahl der Geflüchteten zu. Wie kann Deutschland ihnen helfen? Darüber wird heftig gestritten. Hier sind die Fakten: Welche Länder nehmen die meisten Geflüchteten auf? Wie viele Menschen sterben im Mittelmeer, wie vielen gewährt Deutschland Schutz? Und wie viele werden abgeschoben?

1. Wie viele Menschen sind weltweit auf der Flucht?

79,5 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, so viele wie noch nie (zum Vergleich: 2010 waren es noch 40 Mio. Menschen). Etwa 40 % von ihnen sind minderjährig. Der Hauptgrund ist Krieg – über die Hälfte aller Geflüchteten kommt aus den Krisenländern Syrien, Afghanistan und Südsudan. [1]

2. Wohin fliehen die meisten Menschen?

Die meisten Geflüchteten finden in Nachbarstaaten Schutz. So leben in der Türkei 3,6 Millionen Geflüchtete (vorrangig aus Syrien), in Kolumbien 1,8 Millionen (vorrangig aus Venezuela), in Pakistan und Uganda jeweils 1,4 Millionen. Im Libanon kommen auf vier Einwohner_innen eine Geflüchtete/ein Geflüchteter aus Syrien. Dagegen erreicht nur ein Bruchteil – nämlich 0,24% – der sich weltweit auf der Flucht befindenden 79, 5 Millionen Menschen die Europäische Union. 2018 stellten in Europa 646.000 Menschen einen Asylantrag, davon knapp 184.180 in Deutschland. [2]

3. Wer bezahlt die Versorgung der Geflüchteten?

85 % der geflüchteten Menschen haben in Entwicklungsländern Zuflucht gefunden. 9 der 10 Länder, die die meisten Geflüchteten aufgenommen haben, sind Entwicklungsländer. Die Hauptlast bei der Versorgung von Geflüchteten tragen also die Länder mit den geringsten Ressourcen, darunter Bangladesch, die Republik Tschad, Rwanda, Uganda, Äthiopien, Jemen – Länder, in denen selbst die einheimische Bevölkerung Hunger leidet. [3]

4. Wo leben am meisten Geflüchtete?

3,7 Millionen Geflüchtete, fast alle aus Syrien, leben in der Türkei, mehr als in jedem anderen Land. Das größte Flüchtlingslager der Welt befindet sich aber seit 2017 in Bangladesh: In der Flüchtlingssiedlung Kutupalong allein leben 640.000 Menschen – das entspricht in etwa der Einwohnerzahl Stuttgarts. Damit übertrifft es bei weitem das 29 Jahre alte Camp in Dadaab in Kenia. Dieses Lager wurde 1991 eingerichtet, um Geflüchtete aus dem somalischen Bürgerkrieg aufzunehmen. Heute leben dort 217.500 Menschen. [4]

5. Wie viele Geflüchtete kommen nach Europa, wie viele nach Deutschland?

Trotz der steigenden Anzahl von Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, kommen immer weniger von ihnen nach Europa. Während im Jahr 2016 noch 1,2 Mio. eingereiste Geflüchtete in Europa registriert wurden, ging die Zahl 2017 auf 655.000 zurück. 2018 kamen nur noch 581.000 Geflüchtete nach Europa, von denen 162.000 in Deutschland einen Asylantrag stellten. Das heißt, Deutschland nahm 28 Prozent der Geflüchteten aller 28 EU-Staaten auf, Frankreich 19 und Griechenland 11 Prozent. Die Länder, die im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Flüchtlinge aufnahmen, waren Italien (Rückgang um 61 Prozent) und Österreich (Rückgang um 49 Prozent). Besonders wenige Menschen fanden 2018 in den osteuropäischen Ländern, in Portugal und in Irland Schutz. [5]

6. Wie viele Menschen sterben auf der Flucht?

Fünf Menschen sterben jeden Tag bei dem Versuch, das Mittelmeer zu überqueren. Im Jahr 2019 waren es offiziell 1.885 Tote, 107.546 Menschen erreichten Europas Küsten lebend. Das Mittelmeer ist die tödlichste Grenze der Welt und inzwischen ein großer Friedhof. Genauso gefährlich sind allerdings mittlerweile die innerafrikanischen Fluchtrouten: Erstmalig haben im Jahr 2019 die offiziellen Todeszahlen auf diesen Routen die Anzahl der Toten im Mittelmeer überstiegen: So sind 2019 auf der Flucht innerhalb Afrikas offiziell 1.887 Menschen ums Leben gekommen. Die Dunkelziffer dürfte allerdings um ein Vielfaches höher liegen. [6]

7. Wie viele Geflüchtete dürfen bleiben?

Im Jahr 2019 entschied das BAMF über knapp 184.000 Asylanträge. Davon erhielten 45.053 Personen Flüchtlingsschutz und 2.192 Asyl nach dem Grundgesetz. 19.419 Antragsteller_innen dürfen bleiben, weil ihnen in der Heimat Lebensgefahr oder Folter droht („subsidiärer Schutz“), für weitere  5.857 Personen wurde ein Abschiebungsverbot nach § 60 Abs. 5 AufenthG oder § 60 Abs. 7 AufenthG festgestellt. Bei einem Drittel der Anträge (32 %) wurden formelle und keine inhaltliche Entscheidungen getroffen, etwa wenn laut Dublin-Verordnung formell ein anderer EU-Staat zuständig ist. Die sogenannte bereinigte Schutzquote, die nur tatsächliche Asylentscheidungen berücksichtigt, lag damit 2019 bei 56,5 Prozent. [7]

8. Wie viele Angehörige Geflüchteter dürfen einreisen?

Anerkannte Flüchtlinge dürfen ihre_n Ehepartner_in und die Kinder nach Deutschland holen; Minderjährige, die allein eingereist sind, können ihre Eltern nachkommen lassen. Für diejenigen Geflüchteten, die einen „subsidiären Schutz“ haben – das sind vor allem Geflüchtete aus Syrien – ist das Recht auf Familienzusammenführung bis August 2018 vollständig ausgesetzt gewesen. Anschließend wurde der Familiennachzug auf bis zu 1.000 Ehepartner_innen, Kinder und Eltern pro Monat begrenzt. Einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke zufolge gab es 2019 rund 26.000 Familiennachzüge aus den sieben Hauptherkunftsländern von Flüchtlingen nach Deutschland. Davon entfielen etwa 12.200 Visa auf Angehörige von Menschen mit subsidiärem Schutzstatus – und damit weit weniger als laut Kontingentregelung möglich gewesen wäre. Derweil warteten im Dezember 2019 etwa 24.000 Menschen auf einen Termin zur Erteilung eines Visums zum Familiennachzug zu subsidiär Geschützten. [8]

9. Wie viele Menschen werden abgeschoben?

2019 wurden etwa 22.100 Menschen aus Deutschland abgeschoben. Damit ist die Zahl der Abschiebungen im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Prozent zurückgegangen. Rund 8.400 von ihnen wurden im Rahmen der Dublin-III-Verordnung in andere EU-Staaten zurückgeschickt, damit ihr Asylantrag dort bearbeitet wird. Unter den Abgeschobenen waren 3.806 noch minderjährig. 31.644 Personen reisten freiwillig aus. 13.700 Menschen wurden 2019 an der Grenze zurückgewiesen und an der Einreise nach Deutschland gehindert, weitere 3.000 wurden unmittelbar nach Einreise „zurückgeschoben“. [9]

10. Wie viele Flüchtlinge leben in Niedersachsen?

In Niedersachsen reisten 2019 offiziell 11.586 Geflüchtete neu ein. Die Zahl der neu eingereisten Schutzsuchenden ist damit weiterhin rückläufig: Im Jahr 2018 waren es noch 13.358 registrierte Einreisen. 4.100 Menschen lebten im Januar 2020 in den Erstaufnahmeeinrichtungen und Ankunftszentren der Landesaufnahmebehörde (LAB) Niedersachsen. Insgesamt leben derzeit knapp 846.000 Personen mit Fluchthintergrund in Niedersachsen. [10]

[1] UNHCR: Global Trends: Forced Displacement 2019.
[2] UNHCR: Figures at a Glance.
[3] UNHCR: Global Trends: Forced Displacement 2019.
[4] UNHCR: UNHCR Kenya, UNHCR Bangladesh.
[5] Eurostat, Asyl in den EU-Mitgliedstaaten 2018.
[6] IOM, Mediterranean Migrant Arrivals 2019. Missing Migrants Project, taz: Mehr Tote an Land als auf See.
[7] BAMF, Aktuelle Zahlen: Dezember 2019. Eigene Berechnung der bereinigten Schutzquote auf Grundlage der Daten das BAMF.
[8] Tagesspiegel: Kontingent für Familiennachzug 2019 nicht ausgeschöpft, Plenarprotokoll 19_133 Frage 31 Familiennachzug.
[9] Bundestags-Drucksache 19/18201, Abschiebungen und Ausreisen im Jahr 2019.
[10] Daten des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres und Sport. NDR – Zahlen, Daten, Fakten.

Dieser Text wurde in der ursprünglichen Fassung übernommen vom Aktionsbündnis Brandenburg gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, mittlerweile aber umfassend aktualisiert. Wir danken dem Aktionsbündnis Brandenburg für die Erstellung des (Ursprungs)Textes und die Freigabe.

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