Osnabrück: Bramscher Flüchtlinge besetzen Schlossgarten

Flüchtlinge aus der Landesaufnahmebehörde Bramsche-Hesepe haben heute um 13 Uhr ein Protestcamp im Schloßgarten Osnabrück eröffnet, es wurden Zelte aufgebaut und ein Banner entrollt: Lieber im Zelt als im Lager!  Nachdem sich abzeichnete, dass der Antrag auf Duldung der Demonstration abgelehnt wurde, haben Vertreter des  AStA (Allgemeiner Studierenden Ausschuss) verkündet, dass sie den Flüchtlingen Asyl auf Uni-Gelände gewähren. Um 21:30 wurde dann die Versammlung auf Stadtgelände offiziell durch die Versammlungsleitung beendet. Daraufhin wurde das Camp auf eine benachbarte Wiese, die Universitätsgelände ist,  verlegt, wo nun die Nacht verbracht werden soll. Eine Räumung ist bisher nicht durchgeführt worden und das Camp soll auch morgen noch im Schlossgarten bestehen. Nachfolgend dokumentieren wir die heutige Presseerklärung der Flüchtlinge:

Osnabrück – 10.07.2012 (Kontakt: 0176-51181647)

Lieber im Zelt als im Lager!

Seit der Inbetriebnahme des Abschiebelagers Bramsche-Hesepe im Jahr 2000, wo an die 600 Menschen untergebracht sind, gab es immer wieder Flüchtlings-Proteste für dessen Schließung. Erst letzte Woche demonstrierten 50 Personen im Lager aus Solidarität mit dem afghanischen Asylbewerber Vahid Farouz, dessen Asylantrag abgelehnt wurde und gegen die dortigen Lebensbedingungen. Um Kontakt zur Osnabrücker Bevölkerung herzustellen und zumindest zeitweilig die Isolation zu durchbrechen, haben MigrantInnen und AktivistInnen ein Protestcamp im Osnabrücker Schlossgarten eröffnet. Alle sind eingeladen sich zu informieren und die Forderungen der MigrantInnen zu diskutieren. Wer auch immer sich auf die Flucht oder Wanderung begibt hat Gründe, ob politische Verfolgung, wirtschaftliche Not, gesellschaftliche Unterdrückung o.ä. Die Verantwortung der westlichen Industriestaaten für den Zustand der Welt ist nicht zu leugnen. Globale Ungerechtigkeit muss überwunden und Würde und (Bewegungs)Freiheit für Alle Menschen muss erkämpft werden!

FORDERUNGEN an LAGERLEITUNG und POLITIK und GESELLSCHAFT:

  1. Freie Wahl der Verpflegung, eigene Kochmöglichkeiten im Lager!
  2. Ausreichende medizinische Versorgung, freie Arztwahl!
  3. Zugang der Kinder zu Kindergärten und Schulen außerhalb des Lagers!
  4. Normale soziale Sicherung statt 40 Euro Taschengeld pro Monat!
  5. Arbeitserlaubnis außerhalb des Lagers statt 1 Euro-Jobs im Lager!
  6. Bewegungsfreiheit über die Grenzen von Landkreis/Bundesland hinaus!
  7.  Auflösung aller Flüchtlingslager, Wohnungen für MigrantInnen!
  8. Anerkennung von Armut, Krankheit und geschlechtlicher Unterdrückung als Asylgrund!
  9. Verwirklichung einer längst möglichen Welt, in der der alle Menschen nach ihren Fähigkeiten mitwirken und nach ihren Bedürfnissen leben können!

Rat der Flüchtlinge No Lager! im Abschiebelager Antirassistische Gruppe Bramsche-Hesepe aus Osnabrück
fluechtlingebramsche@yahoo.de nolagerosnabrueck@yahoo.de

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