Pro Asyl zu Afghanistan: BAMF-Entscheidungspraxis und Realität klaffen weit auseinander

Mit dem heute veröffentlichten Policy Paper Afghanistan zeigt PRO ASYL, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in seiner Entscheidungspraxis zunehmend die bittere Realität in Afghanistan verkennt – und warum es einen sofortigen Abschiebestopp in das Land braucht.

In Afghanistan bauen die Taliban ihre Herrschaft aus Rechtlosigkeit, Willkür und Brutalität immer weiter aus – zugleich steckt das Land in einer tiefen humanitären Krise. Dennoch erteilt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) alleinstehenden Männern immer seltener Schutz, die deutsche Bundesregierung setzt Aufnahmeprogramme aus, verhindert Familiennachzug und forciert Abschiebungen in das Land.

„Nicht die Menschenrechtslage in Afghanistan hat sich geändert, sondern Deutschlands Bewertung und Haltung haben sich verändert. Die sinkenden Schutzquoten bei alleinstehenden afghanischen Männern sind realitätsfern und skandalös. Besonders bitter ist: Für einen Abschiebedeal normalisiert Deutschland ein international geächtetes Regime, das Frauen völlig entrechtet und Oppositionelle systematisch verfolgt. Das ist menschenrechtlich verheerend und außenpolitisch töricht“, beklagt Helen Rezene, Geschäftsführerin von PRO ASYL.

„Die Bundesregierung muss die Lage neu bewerten. Schutzentscheidungen dürfen die aktuelle menschenrechtliche und dramatische humanitäre Entwicklung in Afghanistan nicht länger beschönigen und relativieren“, so Rezene.

Policy Paper Afghanistan zeigt problematische Asylentscheidungspraxis

Für das Policy Paper “Desolate Menschenrechtslage in Afghanistan – sinkende Schutzquote in Deutschland” hat PRO ASYL rund 50 negative Asylbescheide aus den Jahren 2024 bis 2026 analysiert. Dabei wird deutlich: Das BAMF verkennt die Willkür der Taliban, unterstellt ihnen ein rationales und kalkulierbares Verfolgungshandeln und prüft kaum das Risiko von Folter oder erniedrigender Behandlung. Auch erteilt das BAMF trotz der desolaten humanitären Lage in dem Land zumeist kein Abschiebungsverbot mehr.

So ist die bereinigte Schutzquote für junge alleinstehende Afghanen stark eingebrochen – im Januar 2026 lag sie bei gerade mal 16,2 Prozent, im Januar 2025 noch bei 66,6 Prozent. Dass die bereinigte Gesamtschutzquote afghanischer Asylsuchender in den ersten vier Monaten des Jahres 2026 mit 89,4 Prozent trotzdem recht hoch ist, liegt daran, dass aufgrund eines Urteils des Gerichtshofs der Europäischen Union Frauen und ihre Angehörigen derzeit grundsätzlich Schutz erhalten.

PRO ASYL fordert eine 180-Grad-Wende in der Afghanistan-Politik

·       Es braucht einen sofortigen bundesweiten Abschiebestopp nach Afghanistan.
·       Aufnahmeversprechen müssen eingehalten und Aufnahmeprogramme fortgeführt werden.
·       Das Recht auf Familiennachzug muss zeitnah einlösbar sein, Hürden im Verfahren und lange Wartezeiten müssen abgeschafft werden.
·       Die Taliban müssen als Verfolger ernst genommen und jegliche Kooperation mit ihnen eingestellt werden.
·       Geflüchteten darf nicht zugemutet werden, mit den Taliban-Behörden, zum Beispiel zur Passbeschaffung, kooperieren zu müssen.
·       Menschen mit Duldungsstatus brauchen ein effektives Bleiberecht, das auch eine Arbeitserlaubnis beinhaltet.

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