Keine Abschiebungen nach Syrien, keine Kooperation mit dem Assad-Regime!

Gemeinsame Pressemitteilung, 07.12.2020

Zivilgesellschaftlicher Aufruf an die Landesinnenminister_innen:
Keine Abschiebungen nach Syrien, keine Kooperation mit dem Assad-Regime!

Breites Bündnis fordert die Verlängerung des vollständigen Abschiebestopps nach Syrien / Keine Kooperation mit dem syrischen Folterregime

Hannover, 7. Dezember 2020. Die Landesflüchtlingsräte, ProAsyl, Medico International, die Kampagne #SyriaNotSafe, SeaWatch, der Verband deutsch-syrischer Hilfsvereine, der Paritätische Gesamtverband und zahlreiche weitere deutsche und deutsch-syrische Organisationen fordern mit einem gemeinsamen Aufruf von der ab Mittwoch tagenden Innenministerkonferenz, den Ende des Jahres auslaufenden Syrien-Abschiebungsstopp zu verlängern.

Najem Al-Khalaf vom Flüchtlingsrat Niedersachsen:

„Abgeschobenen drohen in Syrien Folter und Tod. Mit dem verbrecherischen Assad-Regime kann es keinen Deal geben. Menschenrechte müssen unumschränkt für alle gelten.“

In den vergangenen Wochen hatten sich mehrere Landesinnenminister der Union sowie Bundesinnenminister Horst Seehofer für ein Ende des vollständigen Abschiebungsstopps ausgesprochen, um sogenannte Gefährder und Straftäter nach Syrien abschieben zu können.

„Wenn die Innenminister den Abschiebungsstopp nach Syrien beenden, lassen sie die Rechnung des Assad-Regimes aufgehen: Jede Rehabilitierung des syrischen Folterregimes verhöhnt die vielen Millionen Opfer der brutalen Diktatur“, kommentiert Mariana Karkoutly, syrische Aktivistin von Visions4Syria und aktiv in der Kampagne #SyriaNotSafe.

Der Aufruf weist die Innenminister*innen eindringlich daraufhin, dass in Syrien flächendeckend und systematisch gefoltert wird. Das zeige unter anderem der Folterprozess am Oberlandesgericht Koblenz. Dort müssen sich zwei ehemalige Mitarbeiter syrischer Geheimdienste wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Die unterzeichnenden Organisationen betonen die universelle Geltung des Folterverbots der Europäischen Menschenrechtskonvention: Niemand darf der Folter unterworfen werden!

Zudem erinnert der Aufruf der Organisationen daran, dass Abschiebungen nach Syrien faktisch eine Kooperation mit dem Assad-Regime bedeuteten. Aufgrund seiner systematisch verübten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist das Assad-Regime Ziel internationaler Sanktionen. Zahlreiche syrische Behörden und Angehörige des Regimes stehen daher auf der Sanktionsliste der EU, darunter auch Innenminister al-Rahmoun. Die unterzeichnenden Organisationen warnen: Kooperationen mit dem Assad-Regime untergraben die internationalen Sanktionen, tragen zur Rehabilitierung des Regimes bei und verhöhnen dessen Opfer!

Der Aufruf im Wortlaut und die Liste der unterzeichnenden Organisationen.

Kontakt

Kai Weber
Tel. 0511 – 8487 9972
Mail: kw@nds-fluerat.org

Hintergründe zu Syrien

Nach EuGH-Entscheidung: Kriegsdienstverweigerer aus Syrien sollten Folgeantrag prüfen, Meldung vom 01. Dezember 2020

Rechtsstaatsgebot verbietet Abschiebungen in den Folterstaat Syrien, Meldung vom 26. Oktober 2020

Kampagne #SyriaNotSafe

Weitere Informationen

Appelle an die Innenminister*innen-Konferenz, Pressemitteilung von Pro Asyl vom 7. Dezember 2020

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