Reportage: Die Kinder des Bosnienkrieges

Die Journalistin erzählt eine sehr persönliche Geschichte darüber, was es insbesondere für Kinder bedeutete, in ein vom Krieg zerstörtes Bosnien-Herzegovina abgeschoben zu werden, das sie kaum kannten und das für sie viel weniger ein Zuhause war als Deutschland, in dem sie aufgewachsen und zur Schule gegangen sind.

Hintergrund

In den 1990er Jahren waren Bosnier_innen die größte Flüchtlingsgruppe in Deutschland. Das Friedensabkommen von Dayton legte Ende 1995 eine Rückkehr der geflohenen oder vertriebenen Personen in ihre früheren Heimatorte und die Wiederherstellung von Mulitethnizität in Bosnien-Herzegowina fest. Die Rückkehr nach Hause blieb aber eine Fiktion: Die ethnischen Säuberungen während des Bosnienkrieges hatten das Ziel gehabt, vermeintlich homogene Siedlungsgebiete zu schaffen. Nach Kriegsende war es vielfach nicht möglich, diese Vertreibungen rückgängig zu machen, so dass die meisten Geflüchteten nicht in ihre früheren Wohnorte zurückkehren konnten.

Nach dem Dayton-Abkommen mussten die meisten der über 350.000 bosnischen Geflüchteten Deutschland wieder verlassen. Viele wurden von den Behörden zur „freiwilligen Ausreise“ gedrängt. Seit Oktober 1996 waren auch Abschiebungen aus Deutschland nach Bosnien-Herzegowina möglich. Unter dieser Politik litten insbesondere Kinder, die in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen waren. Sie musste nun mit ihren Familien das Land wieder verlassen und kamen in ein vom Krieg noch völlig zerstörtes Bosnien-Herzegovina.

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