Demonstration anlässlich des gewaltsamen Todes von Stanly Utubor in Wolfsburg – Oberbürgermeister Klaus Mohrs sichert Unterstützung zu

Am Mittwochabend, 24. September, wurde in der Unterkunft für Flüchtlinge in der Hafenstraße in Wolfsburg-Fallersleben der Asylsuchende Stanly Utubor erschossen. In dem Lager war es laut Zeitungsberichten zu einem Streit zwischen einem Bewohner und zwei Männern (die nicht Bewohner der Unterkunft sind) gekommen, als diese von dem Bewohner die kostenlose Herausgabe von Drogen verlangten. Im Verlauf des Streits rief der Bewohner des Lagers um Hilfe. Auf diesen Hilfeschrei reagierte Stanly Utubor. Laut Zeugenberichten wurde er in dem Moment, in dem er aus seinem Zimmer kam, um einzugreifen, von einem der beiden Männer erschossen.

BewohnerInnen der Unterkunft in Fallersleben und UnterstützerInnen riefen daher für Montag, 29.08. zu einer Demonstration auf. Rund 50 Menschen zollten Stanly Utubor mit der Demonstration Respekt. Die BewohnerInnen wiesen deutlich darauf hin, dass Stanly Utubor starb weil er Zivilcourage zeigte und helfen wollte und dass er keineswegs ein Drogendealer war, wie dies erste Berichte in den Medien nahelegten, die teilweise geeignet waren, Vorurteile über Drogen dealende Asylbewerber und kriminelle Zustände in Flüchtlingsunterkünften zu befeuern.

Die BewohnerInnen haben zudem heftig kritisiert, dass der Rettungswagen erst nach ca. 45 Minuten, nachdem der Notruf abgesetzt wurde, eingetroffen sei. Sie berichteten, dass die Polizei und die Notrufzentrale i.d.R. nicht unmittelbar auf einen Notruf von BewohnerInnen des Lagers reagierten, sondern erst nach Rücksprache mit dem Hausmeister, was möglicherweise zu einer erheblichen Verzögerung des Eintreffens von Polizei und Rettungswagen führte. Die BewohnerInnen wiesen außerdem darauf hin, dass eine Wohnsituation, wie in dem Lager Fallersleben, zu solchen tragischen Vorfällen beiträgt: Menschen, die willkürlich zusammen untergebracht werden, leben auf engem Raum in einer isolierten Lage. Vor diesem Hintergrund konnte es geschehen, dass Stanly Utubor in einen Streit geriet, mit dem er nichts zu tun hatte, außer, dass er zu Hilfe eilen wollte.

Der Demonstrationszug führte schließlich zum Wolfsburger Rathaus, wo sich Oberbürgermeister Klaus Mohrs und Stadtrat Werner Borcherding den Vorwürfen und Fragen der BewohnerInnen der Unterkunft in Fallersleben stellten.

Klaus Mohr versprach zum einen, sich für die Aufklärung des Vorwurfs, dass der Rettungswagen erst nach 45 Minuten eingetroffen sei, einzusetzen. Zum anderen sicherte er zu, dass v.a. Familien in eine bessere Unterkunft in der Suhler Straße in Wolfsburg umziehen sollen.

Weiterhin sicherte er dem anwesenden Bruder die Unterstützung der Stadt Wolfsburg bei der Überführung des Leichnams von Stanly Utubor zu seiner Familie in Nigeria und den damit verbunden Kosten zu.

VertreterInnen aus der Unterkunft in Fallersleben vereinbarten mit Stadtrat Borcherding einen Termin um über eine Verbesserung der Wohnsituation der Flüchtlinge und die weitere Unterstützung der Hinterbliebenen von Stanly Utubor zu sprechen.

gez.
Sigmar Walbrecht

Artikel von Braunschweiger Zeitung online hier

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