Asyl in Zahlen 2021/22


Jüngst hat das UNHCR neue Schätzungen zu Zahlen Geflüchteter auf der Welt herausgegeben. Diese übertreffen bei weitem den Rekordwert von 2021 mit knapp 84 Millionen Menschen: Über 100 Millionen Menschen, jede 78. Person weltweit ist auf der Flucht.

Auch in Deutschland steigen die Zahlen wieder, nachdem sie seit 2017 stetig abgenommen hatten (dazu eine Grafik vom Mediendienst Integration).

Asylanträge

Nach einem Tief im Vorjahr (ca. 122.000) sind die Antragszahlen wieder auf das Niveau von vor der Pandemie zurückgekehrt (ca. 191.000 Asylanträge). Davon waren etwa 22% Folgeanträge und 14% Asylanträge von hier geborenen Kindern.



Hauptherkunftsländer

Die Hauptherkunftsländer sind sowohl im Jahr 2021 als auch im ersten Quartal 2022 Syrien, Afghanistan, Irak und die Türkei. Auch Somalia, Iran, Nigeria und Eritrea gehören zu dieser Gruppe; Staaten, in denen es tagtäglich zu gravierenden Menschenrechtsverletzungen kommt.



Schutzquoten

Die Gesamtschutzquote hat sich wechselhaft entwickelt. Im Jahr 2021 gab es zunächst eine Abnahme um 3% (von 43% im Jahr 2020 auf knapp 40% 2021), im ersten Quartal 2022 ist sie allerdings wieder auf 46.4% angestiegen.

Diese offizielle Schutzquote umfasst allerdings noch die formalen Entscheidungen des BAMF, also solche Entscheidungen, die etwa auf eine Ablehnung des Asylantrags als „unzulässig“ (Dublin-Fälle) oder auf andere Verfahrenserledigungen wie einem Rückzug des Antrages zurückzuführen sind. Um beurteilen zu können, wie hoch die Schutzquote tatsächlich ist, sollte man den Anteil an formeller Verfahrenserledigung herausrechnen. Der Anteil an formeller Erledigung ist im Vorjahr deutlich angestiegen (von ca. ¼ im Jahr 2020 auf 36,7% im Jahr 2021). Die sogenannte „bereinigte Schutzquote“ liegt deutlich höher als die offizielle Schutzquote. Im Jahr 2021 lag erstere bei 58% (zum Zeitvergleich siehe Mediendienst Integration).

Die folgende Grafik zeigt, dass der Anteil der Fälle, die formell erledigt, also nicht mehr inhaltlich entschieden werden, im Vergleich zu anderen Entscheidungsarten inzwischen der größte ist:



Für die Hauptherkunftsländer (plus Sudan) stellt sich die Verteilung der Schutzquoten wie folgt dar:



Kaum noch Flüchtlingsanerkennungen außerhalb des sog. Familienasyls

Die obige Grafik macht allerdings nicht kenntlich, dass ein großer und wachsender Anteil der zuerkannten Flüchtlingsstatus auf den Familienschutz zurückgeht (2021 ca. 83%); darunter fallen z. B. hier geborene Kinder oder über einen Familiennachzug nachgekommene Familienmitglieder.



Damit setzt sich der Trend der restriktiven Erteilung des Flüchtlingsschutzes durch das BAMF weiter fort. Die offizielle Quote von erteilten Flüchtlingsanerkennungen lag im Jahr 2020 noch bei etwa 35%, nun ist sie auf lediglich 20,6% gefallen. Der Anteil der Geflüchteten, denen ohne Bezugnahme auf Familienangehörige der Flüchtlingsschutz zugebilligt wurde, lag 2021 bei gerade mal 3,5%!



Syrer:innen bekommen fast nur subsidiären Schutz

Dies lässt sich v. a. für Syrer:innen feststellen. Sie erhalten fast ausschließlich subsidiären Schutz, da etwa 96% der knapp 27% Flüchtlingsanerkennungen auf den Familienschutz fallen. Insgesamt erhalten syrische Geflüchtete den Flüchtlingsstatus unabhängig vom Familienschutz in lediglich 1% der Fälle.



Ähnlich wie im Fall Syriens verhält es sich auch bei anderen Hauptherkunftsländern wie Afghanistan, Irak und Eritrea.

 

Dublin-Verfahren

Die Zahl der Dublin-Verfahren hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen, von noch ca. 30.000 Übernahmeersuchen 2020 ist die Zahl auf ca. 42.000 Ersuchen im Jahr 2021 gestiegen. Im Vorjahr 2020 kam es in nur 10% der Übernahmeersuchen tatsächlich zu einer Überstellung. 2021 sind es nur noch etwa 6%. Die Gründe hierfür sind – neben Corona – auch in der schwierigen Lage von Geflüchteten in verschiedenen europäischen Herkunftsländern zu sehen. Im Fall Griechenlands lässt sich dies besonders gut veranschaulichen: Von 10.427 Aufnahmeersuchen wurde letztlich nur eine einzige Person überstellt.

Das Dublin-Verfahren ist für das BAMF somit ein höchst aufwändiges und vor allem vollkommen ineffizientes Verfahren, wenn in lediglich 6% der eingeleiteten Dublin-Verfahren eine Überstellung erfolgt. Obwohl es seit 2011 immer weniger Überstellungen gibt, hält das BAMF auch weiterhin stur an dem Verfahren fest.

 

Widerrufsverfahren

Auch im Jahr 2021 hat das BAMF mehr Entscheidungen über Widerrufe/Rücknahmen getroffen als über Asylverfahren (etwa 170.000 zu 150.000). Allerdings ist die Zahl der Widerrufsentscheidungen im Vergleich zum Vorjahr (253.000 Entscheidungen) deutlich zurückgegangen. Nichts geändert hat sich an der Sinnlosigkeit dieses Verfahrens sowie am Leid und der Verunsicherung für die Betroffenen: In 96% der Verfahren wurde der Schutzstatus nicht widerrufen bzw. zurückgenommen.

 

Abschiebungen

Mit knapp 12.000 Abschiebungen im Jahr 2021 bleiben die Zahlen auf dem pandemiebedingt niedrigen Niveau von 2020 (knapp 11.000); wie schon im letzten Jahr wurden die meisten Abschiebungen nach Georgien, Albanien und Serbien durchgeführt, aber es gab auch 167 Abschiebungen nach Afghanistan.

 

 

Quellen: BAMF Aktuelle Zahlen Dezember 2021; ProAsyl Asyl in Zahlen 2020, BAMF Statistiken

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