Offener Brief von Gazale Salame an Ministerpräsident McAllister

Die heute 30-jährige Gazale Salame, die als Kind mit ihren Eltern aus dem libanesischen Bürgerkrieg floh, wurde am 10. Februar 2005 nach 17-jährigem Aufenthalt in Deutschland trotz einer bestehenden Schwangerschaft allein mit ihrem Kleinkind in die Türkei abgeschoben. Familienvater Ahmed Siala blieb mit den beiden älteren Töchtern Amina und Nura im Landkreis Hildesheim. Inzwischen sind fast sieben Jahre vergangen. Noch immer kämpft die zerrissene Familie um eine Zusammenführung in Deutschland, die von den Behörden jedoch mit immer neuen Begründungen verweigert wird (Näheres siehe hier). Jetzt hat sich Gazale in einem Offenen Brief an den Ministerpräsidenten gewandt, den wir nachfolgend veröffentlichen:

Sehr geehrter Herr McAllister,

ich bitte um Gnade aus der Türkei.

Mein Leben ist seit sechs Jahren vernichtet dadurch, dass mich der Landkreis Hildesheim mit meiner kleinen Tochter abgeschoben hat ohne Begründung. Ich bin getrennt von meinen beiden Töchtern Amina und Nura, die noch in Deutschland sind.

Ich bin tief verletzt und leide seit der Trennung von meinen Kindern an Depressionen. Doch damit nicht genug, meine zwei anderen Kinder in der Türkei, Gazi und Schams, haben Sehnsucht nach einer Vaterliebe, die sie nicht kennen, weil der Vater in Deutschland ist. Mein kleiner Sohn Gazi hat Atemnot und muss immer Beruhigungssaft trinken. Und meine Tochter, die jetzt in die dritte Klasse geht, kann nicht verstehen, warum alle Kinder einen Vater haben und sie nicht. Darum ist sie immer stumm und verliert die Schulhoffnung.

Dass ich sehr krank bin, macht meine Kinder unglücklich. Mir wurde Unrecht getan. Man hat mir und meinen vier Kindern das Leben zur Hölle gemacht. Wir möchten nur gemeinsam in Deutschland friedlich leben.

Ich glaube an die Demokratie in Deutschland.

Bitte, ich bin mit meiner Kraft am Ende. Ich habe unendliche Sehnsucht nach meinen Kindern. Ich will nicht sterben, bevor Sie, Herr McAllister, mir die Rückkehr nach Deutschland erlauben, damit ich noch einmal meine Kinder riechen und umarmen kann.

Retten Sie meine Familie. Wir gehören zu Deutschland. Die Türkei ist unser Tod.

In Liebe

Gazale Salame

 

 

 

4 Gedanken zu „Offener Brief von Gazale Salame an Ministerpräsident McAllister“

  1. Es ist endlich an der Zeit ein humanes Bleiberecht in Deutschland zu schaffen, was sich weniger an den Einkommenverhältnissen orientiert als vielmehr an der Bedrohungssituation der betroffenen Menschen und an der Verwurzelung dieser Menschen in Deutschland

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  2. Das wichtigste Gut das wir haben ist die Menschlichkeit, die hier, wie so oft dem neuen Goldenen Kalb (sprich Geld) geopfert wird.

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  3. ich habe erst heute – 16. februar 2012 – von diesem unglaublichen fall aus der süddeutschen zeitung erfahren.
    wie kann man nur so unmenschlich sein und eine schwangere frau mit kleinstkind derart brutal abschieben? wer hat den befehl dazu gegeben und ist verantwortlich für unendliches leid und krankheit der mutter?

    ich habe sofort an MP david mcallister eine mail geschickt und betont: so unmenschlich, so gnadenlos wie sich die regierung in niedersachsen verhält, so gnadenlos soll die staatsanwaltschaft mit dem fall des ehemaligen korrupten MP wulff verfahren. trägt er eine mitschuld an der abschiebung von frau salame?

    der familie salame wünsche ich von herzen alles gute.

    monika anhorn

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  4. Das ist menschenverachtend, eine schwangere Frau mit Kleinkind abzuschieben. Wer das tut nimmt eine Fehlgeburt wegen unzumutbarer psychischer Belastung in Kauf. Warum ist denen der Tot ungeborenen Lebens egal? Solche Leute müssen empfindlich bestraft werden.

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