Bundes-Roma-Verband fordert Gedenktag zur Anerkennung der Vertreibung der Roma aus dem Kosovo

Nachfolgend dokumentieren wir eine Presseerklärung, die der Bundes-Roma-Verband zum Gedenken an die Vertreibung von Roma aus dem Kosovo veröffentlicht hat. Auch wenn wir nicht mit allen Darstellungen der Presseerklärung einverstanden sind und insbesondere die Thematisierung der Verfolgung der Albaner:innen durch die serbische Regierung unter Milosevic in der Erklärung vermissen, fokussiert der Artikel doch den legitimen Anspruch der Roma auf Anerkennung der ihnen zugefügten Menschenrechtsverletzungen. Hier die Presseerklärung des Bundes-Roma-Verbands e.V. im Wortlaut:

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Im 14. Jahrhundert ließen sich Roma-Gruppen nachweislich auf dem Balkan nieder. Urkunden des Zaren Dušan IV. erwähnen erstmals 1348 die Ankunft von Roma in Prizren. In osmanischer Zeit, die bis 1912 dauerte, waren Roma ein wichtiger kultureller und wirtschaftlicher Faktor der kosovarischen Gesellschaft. Geschätzt wurden ihre handwerklichen Fertigkeiten, vor allem die Schmiedekunst. Viele waren Leibeigene osmanischer Grundherren.

Mit dem Aufstieg ethnisch-nationalistischer Bewegungen gerieten Roma zunehmend zwischen die Fronten von Albanern und Serben, die jeweils absolute Loyalität forderten. In den Balkankriegen 1912/1913 wurden muslimische Albaner von serbischen Propagandisten als Untermenschen dargestellt. Ziel der albanischen Nationalisten war ein „ethnisch reines“ großalbanisches Reich. Seitdem wurden Serben, Juden und Roma systematisch im Kosovo verfolgt, zunächst durch albanische Banden, „Balli Kombetar“, und im Verlauf des Zweiten Weltkriegs durch die SS-Division „Skanderberg“, die von Himmler aus albanischen Freiwilligen zusammengestellt wurde. Roma mussten in Deutschland und in den besetzten Gebieten Zwangsarbeit leisten und wurden in Konzentrations- und Todeslager deportiert.

Viele Kosovo-Roma unterstützten die Partisanen Titos im Kampf gegen die deutschen Besatzer. Den Familien getöteter Partisanen wurde eine Hinterbliebenenrente gezahlt. Sie erhielten ein Bleiberecht und der Staat bezuschusste ihren Hausbau.

Seit Anfang der 1980er Jahre gibt es Berichte über die Bestrebungen kosovo-albanischer Nationalisten für die „ethnische Reinigung“ des Kosovo von allen nicht-albanischen Minderheiten. Nach 1989 spitzten sich die Konflikte zwischen Serben und Albanern weiter zu. In den 1990er Jahren entstand die UÇK, eine paramilitärische Organisation, die für die Abspaltung des Kosovo von Jugoslawien kämpfte.

Die Kosovo-Albaner, ebenso wie Politiker der NATO-Länder behaupteten damals, die Serben planten einen Genozid an den Albanern. Bis heute gibt es dafür keine Beweise. Mit der Behauptung wurde jedoch die NATO-Bombardierung des souveränen Staates Jugoslawien 1999 begründet, die am 24. März 1999 begann und 78 Tage andauerte.

Die Akademie der Wissenschaften Tirana forderte im Mai 1999: „Die Albaner brauchen ihren ethnisch reinen Staat“. Nach dem Sieg der NATO konnte die UÇK ihr Ziel der „ethnischen Säuberung“ des Kosovo ungehindert umsetzen. Die UÇK besetzte parallel zum NATO-Einmarsch alle Orte des Kosovo, zerstörte Siedlungen von Roma und anderen Minderheiten und vertrieb die Menschen. Vor allem seit dem 13. Juni 1999 wurden Roma in einem Ausmaß verfolgt, wie es Vergleichbares seit der Besetzung des Balkans durch die Deutsche Wehrmacht nicht mehr gegeben hatte. Roma wurden Opfer zahlloser Kriegsverbrechen.

Die ethnische Säuberungen der Roma waren verbunden mit Folter, Vergewaltigung, Mord sowie massenhaften Plünderungen und Zerstörungen, denen die Kfor-Soldaten tatenlos zusahen. Bis März 2000 wurden ca. 15.000 Roma-Häuser zerstört. Nach der Vertreibung von 150.000 Roma aus dem Kosovo wurden die verlassenen Häuser und Grundstücke von Albanern besetzt.

Viele Roma flohen in Flüchtlingslager nach Serbien, Montenegro und Mazedonien, nur ein geringer Teil der Geflüchteten gelangte in westeuropäische Länder. Die humanitäre Situation in den Flüchtlingslagern auf dem Balkan war katastrophal: Wasser und Lebensmittel waren knapp und es fehlte an medizinischer Versorgung. Pogrome albanischer Nationalisten führten zu weiteren Flüchtlingswellen. Im Frühjahr 2004 ereigneten sich rassistische Übergriffe gegen Roma, die erneut massenhafte Vertreibungen und Auswanderungen nach sich zogen.

Die Verbrechen an Roma im Jahr 1999 und danach sind bis heute nicht konsequent verfolgt worden. Nach der Unabhängigkeit des Kosovo konnten viele Angehörige der extremistischen Elite ranghohe Positionen in Politik, Wirtschaft und Polizei erlangen. Bis heute bestehen die von der UÇK begründeten kriminellen Netzwerke, geschützt durch weit verbreitete Korruption und international einflussreiche Befehlshaber. Derzeit stehen mehrere kosovarische Politiker, die hochrangige UÇK-Mitglieder waren, wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschheit in Den Haag vor Gericht. Einer davon ist Hashim Thaçi, der bis 2020 Präsident des Kosovo war. Das Gericht wird von weiten Teilen der kosovarischen Mehrheitsbevölkerung abgelehnt.

Bis heute sind Roma im Kosovo nicht sicher, wie der Mord an Gani Rama zeigt, der nach seiner Abschiebung aus Deutschland von einem kosovo-albanischen Nationalisten ermordet wurde.

Am 13. Juni 1999 begann die systematische ethnische Säuberung gegen Roma im Kosovo unter den Augen der internationalen Organisationen im Land.

Gemeinsam mit vielen internationalen Roma-Organisationen fordern wir:

  • Die Anerkennung der ethnischen Säuberung durch Deutschland und die weiteren beteiligten NATO-Länder.
  • Die Anerkennung des 13. Juni als internationaler Gedenktag für die vertriebenen Roma aus dem Kosovo.

5 Gedanken zu „Bundes-Roma-Verband fordert Gedenktag zur Anerkennung der Vertreibung der Roma aus dem Kosovo“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    zuerst einmal gedenke ich an jeden vertrieben Menschen, unabhängig seiner Nationalität. Ich gedenke auch an die Roma, welche egal unter welcher Herrschaft, gelitten haben. Jedoch muss ich ganz klar einige Dinge in Ihrem Bericht klarstellen, welche nicht der Wahrheit entsprechen. Und zwar werden hier die Albaner als die Vertreiber der Roma dargestellt, was definitiv nicht der Wahrheit entspricht! Da die Albaner vom Jahr 1878 von den Serben vertrieben wurden. Die Albaner wurden unterdrückt, genauso wie die Roma, nur erfolgte diese Unterdrückung der Roma sicherlich nicht primär durch die Albaner, denn der Staatsapparat von 1912 bis 1999 war fest in serbischer Hand im Kosovo. Somit konnten die Albaner, außer im Zweiten Weltkrieg, keine Roma gezielt vertreiben. Die Albaner wurden in Scharren in die Türkei durch die Serben vertrieben, erst die Absetzung von Aleksander Rankovic durch Marschall Tito verhinderte weitere albanische Deportationen. Hier stimmt die Zahl von 150.000, nur wurden hier mindestens 150.000 Albaner durch die Serben vertrieben und keine Roma. Sie hantieren mit der Zahl von 150.000 vertriebenen Roma, woher haben Sie diese Fabelzahl? Aus keiner jugoslawischen Volkszählung geht diese Zahl hervor. Im Jahr 1981 gab es lt. jugoslawischer Volkszählungen 34,126 Roma, zehn Jahre später lebten sogar 45,760 Roma im Kosovo. Die Zahl der im Jahr 2011 im Kosovo lebenden Roma betrug 35,784 Roma. Somit ist Ihre Zahl von 150.000 Roma Utopie, so viele haben noch nie im Kosovo gelebt. Ja, viele Roma haben den Kosovo verlassen, nur erfolgte dies auch aufgrund von Armuts- und Arbeitsmigration, dies vor allem in den 70er, 80er und Anfang der 90er Jahre, sowie wieder verstärkt seit dem Jahr 2010.
    Ich möchte keine ethnischen Vertreibungen durch die Albaner verleugnen, diese gab es sicherlich. Die Vertreibung der Roma führten aber auch die Serben durch und nicht nur die Albaner. Beide Seiten vertrieben die Roma die mit der anderen Seite kooperierten. Die Roma traten im Kosovo nicht einheitlich auf, serbischsprachige Roma fanden sich im Krieg auf der Seite der Serben. Auch die UCK hatte viele albanischsprachige Roma in Ihren Reihen, sodass Ihre Argumente von einer Vertreibung der Roma nur durch die Albaner sicherlich nicht standhaft sind.

    Darüber hinaus empört mich, dass Sie behaupten, es gibt bis heute keine Beweise für Völkermord oder Massakern an albanischen Zivilisten. Es wurden zahlreiche serbische Kriegsverbrecher in den Haag genau für diese Taten bestraft. Über 15.000 getöte albanische Zivilisten, über 1 Million albanische Flüchtlinge, über 20.000 vergewaltigte albanische Frauen und noch bis heute über 1500 Vermisste. Sie sagen es gibt keine Beweise für das alles? Einer der vielen lebenden Beweise ist Saranda Bogujevci, stellvertretende Parlamentsvorsitzende des Kosovos. Dazu kann ich Ihnen die Arte-Doku: „Kosovo träumt vom Neuanfang“, da schildert Sie kurz ihre Geschichte.

    Die Roma können sich heute frei im Kosovo bewegen ohne Ängste zu haben, darüber hinaus gibt es im Kosovo sogar einen Minister, welcher Roma ist. Die Roma sind im Parlament und in allen öffentlichen Bereichen vertreten.

    Ich bitte Sie innigst Ihren Bericht von unabhängigen deutschen historischen/politischen Institutionen prüfen zu lassen, denn Sie machen das, was den Roma über Jahre angetan wurden ist. Sie beschuldigen ein Volk, die Albaner, welche 100 Jahre lang von den Serben unterdrückt worden sind, der permanenten Unterdrückung eines anderen Volkes. Und das stimmt einfach nicht. Ihr Bericht erinnert mich stark an serbische Propaganda a la Milosevic und das finde ich sehr traurig. Die Roma haben in Deutschland eine unabhängige und würdige Vertretung verdient.

    Beste Grüße
    Egzon SH Idrizaj

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  2. Sowohl der Flüchtlingsrat als auch der Kommentator kritisieren die Nichtthematisierung von Albanern als Opfer von Kriegsverbrechen. Das ist nunmal nicht Thema des Artikels. Es geht um die Kriegsverbrechen bzw. ethnische Säuberung gegen Roma, die keiner der Krieg führenden Parteien angehörten. Alle Krieg führenden Parteien haben Kriegsverbrechen begangen. Im Kosovokrieg wurden Kriegsverbrechen sowohl von Serben als auch von Albanern begangen. Die aktuell in Den Haag angeklagten kosovo-albanischen Politiker sind nicht nur für Kriegsverbrechen gegen Roma und Serben, sondern auch gegen Albaner angeklagt.

    Der einzige Völkermord, für den Kriegsverbrecher in Den Haag verurteilt wurden, war der von Srebrenica und der hat mit dem Kosovokrieg nichts zu tun. Bei der Darstellung, dass es keine Beweise für einen geplanten Genozid gab/ gibt, geht es nicht um einzelne Kriegsverbrechen, für die es natürlich Beweise gibt, sondern um den Hufeisenplan, zu dessen Wikipedia-Artikel im Original-Artikel verlinkt wurde. Für die Existenz des Hufeisenplans hat es nie Beweise gegeben und gibt es keine. Diese angeblichen Plänen der Milošević-Regierung dienten jedoch v.a. in Deutschland als Legitimation für die Unterstützung des NATO-Einsatzes gegen Jugoslawien. Einzelne Kriegsverbrechen sind noch kein Genozid. Ein Genozid ist das, was Deutsche und Kroaten (siehe Jasenovac) und ihre Kollaborateure wie z.B. die albanische SS-Division Skanderberg im Zweiten Weltkrieg an Roma verbrochen haben.

    Wenn der Kommentator behauptet, im Krieg seien nur diejenigen Roma vertrieben worden, die mit der Gegenseite kooperiert hätten, bedient er ein ganz altes antiziganistisches Stereotyp, das Roma als Kollaborateure oder Spione darstellt. Diese Imagination hat in der Geschichte häufig als „Rechtfertigung“ für Verfolgung gedient und hat mit der Realität nichts zu tun. Die absolute Mehrheit der Roma hat in den Balkankriegen der 1990er keiner der Krieg führenden Parteien angehört. Und genau deswegen – weil sie neutral waren – standen sie immer im Verdacht, mit der Gegenseite zu kooperieren.

    Die Vertreibung der Roma begann vor allem nach dem Ende des Kosovokrieges, als die serbischen Truppen die Region bereits verlassen hatten. Es gibt unabhängige Berichte vieler Organisationen und Institutionen bis hin zur Kfor über die Vertreibung, Mord, Folter, Vergewaltigung bis hin zu Organhandel.

    Die Darstellung, dass Roma seit 2010 v.a. als Wirtschaftsflüchtlinge („Armutsmigration“) nach Westeuropa kämen, ist die gleiche Stigmatisierung, die in westlichen Staaten benutzt wird, um die realen Fluchtgründe der Roma aus den Westbalkanstaaten zu ignorieren und bedarf eigentlich keiner weiteren Kommentierung, da diese Situation von zahlreichen Institutionen – von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, über die EU bis hin zur Unabhängigen Kommission Antiziganismus, die beim Bundesinnenministerium angesiedelt war – bestätigt ist.

    Die alten Statistiken waren von beiden Seiten manipuliert. Die orthodoxen Roma wurden der serbischen Seite zugeschlagen und die muslimischen der albanischen, um die jeweiligen Bevölkerungsanteile höher wirken zu lassen. Die realen Zahlen der Roma-Bevölkerung sind ganz andere als die in den Statistiken. Auch die neuen Statistiken sagen gar nichts. Früher waren alle „Z“ und heute sind sie in drei Minderheiten aufgespalten (Roma, Ashkali und Ägypter). Man kann seine eigene Mathematik machen: Wenn 14000-20000 Roma-Häuser systematisch geplündert und abgebrannt wurden (und wir reden hier nicht von den Roma-Häusern, die von Albanern nach der Vertreibung bewohnt werden), wie kann es dann nur 30000-40000 Roma gegeben haben?

    Weitere Infos (z.B. die GfbV hat und über viele Jahre die Situation der Roma vor Ort dokumentiert hat):

    http://www.romev.de/wp-content/uploads/2014/02/kosovo.pdf (zu den Zahlen siehe S. 30)
    https://www.gfbv.de/de/news/der-exodus-der-roma-aschkali-und-kosovo-aegypter-261/
    https://www.gfbv.de/de/news/roma-und-aschkali-im-kosovo-verfolgt-vertrieben-vergiftet-370/
    https://www.tagesspiegel.de/politik/120-000-roma-und-aschkali-aus-dem-kosovo-gejagt/115292.html
    https://www.nifbe.de/component/themensammlung?view=item&id=557&showall=&start=3
    https://dserver.bundestag.de/btd/19/303/1930310.pdf
    https://de.wikipedia.org/wiki/Organhandel_im_Kosovo

    Man merkt beim Kommentator, dass er die einseitige Geschichte seines Volkes darstellt. Wir werden darüber nicht weiter diskutieren. Wer sich für die Geschichte interessiert, kann sich selber informieren. Aber glaubt nicht alles, was im Internet steht. :)

    Victor von Doom

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  3. „Vor allem seit dem 13. Juni 1999 wurden Roma in einem Ausmaß verfolgt, wie es Vergleichbares seit der Besetzung des Balkans durch die Deutsche Wehrmacht nicht mehr gegeben hatte. Roma wurden Opfer zahlloser Kriegsverbrechen.“

    Sie schreiben man soll nicht alles glauben was man im Internet liest und dann lese ich dies in Ihrem Bericht, really?

    Im Bosnien srebnica gab es einen Genozid!!! Jasenovac Genozid!!
    Kosovos Flüchtlingszahlen und Ihre Toten kann man auch nicht leugnen das waren 3 grössere Verbrechen! Hufeisenplan wurde nicht bewiesen aber eine systematische Vertreibung war es und in dem Dorf meiner Mutter in Junik wurden die Häuser der Romas von den Serben verbrannt wie das Haus meiner Grosseltern.

    Ich will hier nicht die Albaner in Schutz nehmen da ich wirklich denke das Leid für die Romas im Jahr 1999 gross war und ich denke dass die Häuser enteignet wurden und Kriegsverbrechen im grossen Stil gab, für alle Volksgruppen während den 90Jahren in den Balkankriege, am meisten betroffen bosnier, albaner & romas.

    Aber Sie stellen für mich ganz klar die UCK als Agressor dar statt Serbien! und man merkt Ihn ihrem Artikel dass Sie pro Serbisch sind merkt man in vielen Punkten sage nur ein Beispiel in Ihrem Kommentar erwähnen Sie Kosare als Genozid und Srebrenica nicht.

    Nichtsdestotrotz das Leid war gross auch für die Romas und hoffe das Sie eine anerkennung bekommen, aber hört auf so Pro Serbisch zu schreiben im Kosovo behandelt man die Romas wirklich besser als in Serbien, seit wirklich im Parlament vertreten und man annerkennt die Volksgruppe auf der Flagge auch an, kenne viele Romas sie sagen dass sie Albaner sind und keine Romas da sich sehr gut mit den Albanern verstehen. Unter den UcK-Kämpfern gaben es auch Romas.

    Die Kriegsverbrechen von Albaner gegen die Romas will ich nicht verhamrlosen aber gab auch Kriechsverbrechen von serbischer Seite aus gegen die Romas. Aber schreibt den Bericht neutraler und weniger pro-Serbisch sehe ich nicht die Volksgruppe Roma als Kollaborateure sonder Sie als Kollaboateur!

    Gruss

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  4. An den ersten Poster, Herrn Idrizaj gerichtet:
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    Sehr geehrter Herr Idrizaj,

    auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen, ist vieles in der Presseerklärung des Rates der Roma richtig, insbesondere der Sachverhalt der Vertreibung aus dem Kosovo durch Teile der albanischen Gesellschaft nach dem Kosovokrieg. Dazu zitiere ich Ihnen einen Artikel der Gesellschaft für bedrohte Völker, genauer aus http://www.gfbv.it/3dossier/rom-dt.html:

    „Im Kosovo waren vor der Vertreibung etwa 150.000 Roma und Aschkali ansässig, von denen allerdings etwa 30.000 in den Jahren vor Kriegsausbruch als politische Flüchtlinge nach Westeuropa emigriert waren.[..] Nach der NATO-Intervention wandten sich albanische Extremisten, zurückkehrende albanische Flüchtlinge, häufig auch albanische Nachbarn der Roma und Aschkali und vielfach uniformierte und bewaffnete UCK-Mitglieder überall im Kosovo gegen die Minderheiten. Sie bedrohten Kinder, Frauen und Männer vielfach mit dem Tode, schüchterten sie ein und forderten sie – nicht selten mit vorgehaltener Waffe – ultimativ auf, ihre Häuser und Wohnorte zu verlassen. Oft setzten sie ihnen eine Frist von wenigen Minuten oder Stunden. Viele Roma und Aschkali konnten nur mit der Kleidung, die sie auf dem Leibe trugen, entkommen.“

    Die Gesellschaft für bedrohte Völker ist sicherlich als unabhängig zu bezeichnen und verfolgt mit Ihren Untersuchungen keine politisierende Berichterstattung. Es ist also davon auszugehen, dass diese Berichte der Tatsache entsprechen, auch wenn Sie es nicht wahrhaben wollen.

    Vielleicht finden Sie sich selber in dem Bericht wieder, denn es heisst da weiter:

    „Große Teile der albanischen Bevölkerung, auch wenn sie nicht an den Übergriffen beteiligt sind, entschuldigt, erklärt oder legitimiert dennoch die kollektive Verfolgung dieser Minderheitengruppen mit der angeblichen Beteiligung von Roma oder Aschkali an Plünderungen, der Beerdigung oder Beseitigung von getöteten Albanern oder die Teilnahme an Kriegsverbrechen. Nur zweimal allerdings konnten Albaner, die derartige kollektive Anschuldigungen erhoben, gegenüber der Gesellschaft für bedrohte Völker bestätigen, dass sie Augenzeugen solcher Akte gewesen waren.“

    Also genau Ihre Argumentation!

    Weiterhin möchte ich noch auf ein paar Teile Ihrer Rückmeldung ein gehen:

    Sie sagen: „Die Albaner wurden unterdrückt, genauso wie die Roma, nur erfolgte diese Unterdrückung der Roma sicherlich nicht primär durch die Albaner, denn der Staatsapparat von 1912 bis 1999 war fest in serbischer Hand im Kosovo. Somit konnten die Albaner, außer im Zweiten Weltkrieg, keine Roma gezielt vertreiben.“

    => Nun, eine Bevölkerungsmehrheit kann Menschen auch durch Druck, Einschüchterung usw. vertreiben, ohne den Staatsapparat zu kontrollieren. Warum sollte das nötig sein? Abgesehen davon spricht die Pressemitteilungen von Verteibungen nach dem Krieg 1999, was davor geschehen sein sollte ist hier also zunächst gar nicht relevant.

    Sie schreiben: „Sie hantieren mit der Zahl von 150.000 vertriebenen Roma, woher haben Sie diese Fabelzahl? [..] Somit ist Ihre Zahl von 150.000 Roma Utopie, so viele haben noch nie im Kosovo gelebt.“

    => Wiederlegt durch den Bericht der Gesellschaft für bedrohte Völker, s.o.

    Sie schreiben: „Ja, viele Roma haben den Kosovo verlassen, nur erfolgte dies auch aufgrund von Armuts- und Arbeitsmigration, dies vor allem in den 70er, 80er und Anfang der 90er Jahre, sowie wieder verstärkt seit dem Jahr 2010.“

    => Leugnung von Verteibung und Verbrechen, typisches Muster wie die GfbV. beschreibt (s.o.).

    Sie schreiben: „Die Roma können sich heute frei im Kosovo bewegen ohne Ängste zu haben, darüber hinaus gibt es im Kosovo sogar einen Minister, welcher Roma ist. Die Roma sind im Parlament und in allen öffentlichen Bereichen vertreten.“

    => Und dass es einen Minister gibt der Roma ist beweist, das Roma nicht unter Druck stehen? Ganz ehrlich, diese Argumentation ist nahezu lächerlich. Fragen sie doch mal andere Roma als den Minister dazu, bitte. Das sich Roma ohne Angst im Kosovo bewegen können ist ebenso schlichtweg falsch. Googeln Sie das doch bitte einmal, da finden Sie interessante Treffer wie diesen hier (https://minorityrights.org/minorities/roma-9/): „Roma, Ashkali and Egyptians in Kosovo today are still mired in poverty, lack physical security and freedom of movement. In their makeshift settlements, they lack access to education and public services, including health care, justice, and employment. Unemployment is also a pressing problem for these three communities, [..]“

    Lieber Herr Idrizaj, versuchen Sie also bitte zu akzeptieren, dass auch von albanischer Seite Gewalt und Vertreibung gegenüber Minderheiten gegeben hat und gibt. Aussöhnung und friedliches Zusammenleben wird es auf dem Balkan nur geben können, wenn jedes Volk, jede Gesellschaft, jede politische Bewegung zu Ihren oder in Ihrem Namen begangenen Verbrechen steht. Es hilft nichs, sich selber für unschuldig zu halten und nur mit dem Finger auf andere zu zeigen. Ein jeder kehre zuerst vor seiner eigenen Türe…

    Mit freundlichen Grüßen
    L. Nenadovic

    Sie schreiben: „ch bitte Sie innigst Ihren Bericht von unabhängigen deutschen historischen/politischen Institutionen prüfen zu lassen,“

    => Ist mit dem Bericht der Gesellschaft für bedrohte Völker geschehen und bestätigt Verteibung von ca. 100.000 – 120.000 Roma aus dem Kosovo durch Teile der albanischen Mehrheitsgesellschaft!

    Sie schreiben: „

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  5. Es tut mir leid aber jede Analyse sei es eine historische oder wissenschaftliche braucht genaue und bereinigte Quellenangaben. Dass Menschen systematisch verfolgt wurden will ich nicht bestreiten. Wenn wir von den Kriegsverbrechen reden zu Zeiten der Balkankriege. Dann gibt es bereinigte Quellenangaben. Dazu kann ich dir viele Lektüren anbieten. Wenn wir über die Kriegsverbrechen sprechen während des Kosovokrieges. Ja Srebrenica wird als Genozid eingestuft in vielen Ländern. Die systematische Vertreibung und Ermordung einer Bevölkerungsgruppe kann als Genozid eingestuft werden. Dazu bedarf es einer Resolution. Das Menschen im Kosovokrieg getötet wurden müssen wir nich bestreiten. Dass Menschen systematisch aus ihren Städten, Dörfern usw. vertrieben wurden müssen wir nicht bestreiten. Somit sprechen wir von einem gezielten Plan. Historisch lässt sich im Nachhinein viel streiten. Die Vertreibung der Roma hat stattgefunden und die sollte man nicht bestreiten. Jedoch wurden diese Taten von Individuellen Personen/Gruppen durchgeführt. Nicht von der UCK, der Regierung des Kosovo oder irgendwelchen internationalen Organisationen. Wenn die internationalen Organisationen ihre Schutzpflicht nicht wahrgenommen haben, dann sollten diese auch dementsprechend belangt werden.
    Dazu sollte man noch gewisse faktische Sachen ansprechen. Erstens man kann nicht bei solch einem sensiblem Thema auf Wikipedia oder Zeitungsartikel verweisen. Wir sprechen von staatlichen Volkszählungen. Diese bestätigen genau wie hoch und wann Roma sich im Kosovo angesiedelt haben. Auch wenn diese Regierungen kommunistisch oder monarchisch waren (Osmanisches Reich). Denn jede Volksgruppe des ehemaligen Jugoslawiens beruft sich auf diese historischen Beweismittel um ihr Recht auf Eigenstaatlichkeit zu festigen. Man sollte außerdem nicht versuchen eine Volksgruppe oder eine Nationalität aufgrund des Hasses so falsch und schlecht darzustellen. Ja die SS Scanderbeg war eine Albanische SS-Truppe, die mit der Wehrmacht zusammengearbeitet hat. Aber das Gebiet des heutigen Albaniens und des Kosovo ist der einzige Ort in Europa in dem die jüdische Bevölkerung gewachsen ist und die Roma Bevölkerung nicht abgenommen hat. Während des Krieges haben leider Roma auch mit den serbischen Polizei und Armeestrukturen zusammengearbeitet. Genauso haben Roma die UCK unterstützt in allen Ebenen. Es sind historische Fakten. Das UN-Tribunal für Kriegsverbrechen führt auch Listen mit Namen von Roma-Kriegsverbrechern. Genauso sind im Kosovo auch Roma angeklagt und in Abwesenheit verurteilt worden. Ja es wurden Roma vertrieben. Jedoch sollte man dies richtig begründen und historisch beweisen weshalb und wie es dazu kam. Außerdem sollte man einsehen und feststellen können, dass die Regierung des Kosovo im Vergleich zu den anderen Westbalkanstaaten viel Arbeit geleistet hat. So haben alle Roma das Recht auf die kosovarische Staatsbürgerschaft. Den Roma im Kosovo wurden Plätze im Parlament reserviert. Sie haben das garantierte Recht auf ein Ministerium in einer Regierung. Und eine Beraterposten pro Ministerium und Regierung. Die Roma im Kosovo sind von der Pflicht zur Zahlung von Bußgeldern befreit. Hier verweise ich Sie auf die Homepage der Regierung des Kosovo/Ministerium für Rückkehr und Minderheiten Sie sagen die Roma seien bewusst in Gruppen Ashkali/Balkan-Ägypter und Roma klassifiziert. Falsch! Ihnen wurde die Möglichkeit gegeben. In Zusammenarbeit mit der Regierung des Kosovo und den Internationalen Organisationen Ahnenforschung und Forschung zur Herkunft durchzuführen. Während in anderen Staaten des Balkans das „Z“ durch das G-Wort ersetzt wurde. Haben die Roma im Kosovo die Möglichkeit sich auf ihre kulturelle Identität ihres Ursprungs zu berufen. Und Nein damit möchte Ich nicht die Vertreibungen legitimieren oder gutheißen. Jedoch sollte man zu diesem Thema gute Argumente und Quellenangaben haben die nicht aus Wikipedia oder Zeitungen kommen. Hass und Rassismus gibt es leider auf der ganzen Welt. Leider auch im Kosovo gegenüber Roma. Dennoch finden im Kosovo solche Diskussionen statt. Die der Stigmatisierung und dem Hass entgegen wirken.

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