Flüchtlingsrat fordert: Niedersachsen soll Gerettete der Alan Kurdi aufnehmen

Zum wiederholten Male verweigern europäische Staaten einem Rettungsschiff einen sicheren Hafen. Vor knapp einer Woche hat die Alan Kurdi 64 Menschen aus akuter Seenot gerettet. Seither wartet das unter deutscher Flagge fahrende Rettungsschiff der NGO Sea-Eye auf einen sicheren Hafen. Angesichts dieser neuerlichen Hängepartie auf Hoher See, die das Leben von Geretteten und Besatzung gefährdet, fordert der Flüchtlingsrat Niedersachsen: Die niedersächsische Landesregierung soll gegenüber der Bundesregierung zusagen, die von der Alan Kurdi aus Seenot geretteten Menschen in Niedersachsen aufzunehmen.

Im Juni 2018 hatte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius angeboten, Menschen in Niedersachsen aufzunehmen, die vom Rettungsschiff Lifeline im Mittelmeer aus Seenot gerettet wurden. „Angesichts der dramatischen Lage der Alan Kurdi fordern wir die niedersächsische Landesregierung auf, ihre Aufnahmezusage zu erneuern und die sofortige Aufnahme der Geretteten von der Alan Kurdi zu ermöglichen,“ erklärt Sascha Schießl vom Flüchtlingsrat Niedersachsen. „Wenn Menschen in Not sind, darf politisches Kalkül keine Rolle spielen. Vielmehr gilt es, menschlich und solidarisch zu handeln. Die Landesregierung kann jetzt die europäische Blockade durchbrechen und die von derr Alan Kurdi geretteten Menschen in Sicherheit bringen.“

Hintergrund

Die Alan Kurdi hatte am 3. April 2019 in internationalen Gewässern 64 Menschen aus Seenot gerettet, die aus den Folterlagern Libyens geflohen waren. Unter den Geretteten an Bord sind 12 Frauen, ein Kind und ein Baby. Italien und Malta verweigern der Alan Kurdi einen sicheren Hafen. Die Verhandlungen der Europäischen Kommission ziehen sich in die Länge, weil sich die EU-Staaten nicht auf eine Verteilung der Geretteten einigen können. Derweil spitzt sich die Lage an Bord zu.

In Niedersachsen haben sich in den vergangenen Monaten bereits neun Kommunen zu „Sicheren Häfen“ erklärt und damit ihre Aufnahmebereitschaft für Gerettete bekräftigt: die Städte Braunschweig, Cloppenburg, Hannover, Hildesheim, Oldenburg und Osnabrück, die Region Hannover, der Landkreis Hildesheim und die Samtgemeinde Thedinghausen. In der Bundesrepublik sind seit vergangenen Sommer mehr als 50 Kommunen zu „Sicheren Häfen“ geworden.

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