Am 15. August 2026 jährt sich zum fünften Mal die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan. Fünf Jahre Taliban-Herrschaft bedeuten fünf Jahre systematischer Entrechtung, Repression und Angst. Afghanistan ist zu einem der weltweit gravierendsten Schauplätze von Menschenrechtsverletzungen geworden – insbesondere für Frauen und Mädchen.
Dazu kommentiert Claire Deery, Vorsitzende des Flüchtlingsrats:
„Es ist nicht hinnehmbar, dass die Bundesregierung fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban dem faschistischen, queerfeindlichen und frauenverachtenden Regime die Hand reicht, um Abschiebungen nach Afghanistan zu ermöglichen. Wer vor Verfolgung und Unterdrückung flieht, braucht Schutz und eine sichere Perspektive – keine Abschiebung.“
Die Taliban haben Frauen und Mädchen den Zugang zu weiterführender und höherer Bildung verwehrt und sie weitgehend aus dem öffentlichen Leben gedrängt. Erwerbsarbeit, Bewegungsfreiheit und freie Meinungsäußerung sind massiv eingeschränkt. Journalist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen, Aktivist*innen und andere Kritiker*innen sind willkürlichen Festnahmen, Haft und Folter ausgesetzt. Angehörige der früheren Sicherheitskräfte wurden Opfer von Tötungen und gewaltsamem Verschwindenlassen.
Gleichzeitig verschärft sich die humanitäre Krise. Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen; die Gesundheitsversorgung ist stark geschwächt. Die massenhaften Rückführungen aus Pakistan und Iran verschärfen die Not zusätzlich. Viele Rückkehrer*innen finden weder ausreichenden Wohnraum noch Arbeit oder eine gesicherte Existenz. Auch die erneuten Kämpfe zwischen Afghanistan und Pakistan sowie Anschläge des sogenannten Islamischen Staates fordern zivile Opfer.
Beybûn Seker, Erstvorsitzende von Pena-Ger e.V.
„Fünf Jahre islamistische Taliban-Herrschaft stehen für systematische Entrechtung, Verfolgung und fehlende Sicherheit. Dass Deutschland gleichzeitig mit den Taliban zusammenarbeitet und Menschen nach Afghanistan abschiebt, ist politisch widersprüchlich und für unsere Ratsuchenden ein fatales Signal. Wer Schutz sucht, braucht Sicherheit keine Abschiebung!“
Besonders problematisch ist auch der Umgang mit Menschen, denen Deutschland bereits Schutz und Aufnahme zugesagt hat. Humanitäre Aufnahme darf nicht zum Spielball wechselnder migrationspolitischer Interessen werden. Wer sich auf eine deutsche Aufnahmezusage verlassen hat, muss darauf vertrauen können, dass diese eingehalten wird.
Der Flüchtlingsrat und Pena.ger fordern die Bundesregierung daher auf:
- Keine Abschiebungen nach Afghanistan! Keine Zusammenarbeit mit dem fundamentalistischen Talibanregime!
- Aufnahmezusagen einhalten und humanitäre Aufnahmeprogramme fortführen!
- Sichere und legale Fluchtwege ausbauen, insbesondere für besonders gefährdete Frauen und Mädchen, Menschenrechtsverteidiger*innen und ehemalige Ortskräfte.
- Aufenthalt sichern statt Unsicherheit schaffen! Afghanische Geflüchtete brauchen eine verlässliche Perspektive.
- Humanitäre Hilfe stärken und Menschenrechte verteidigen! Kontakte mit den Taliban dürfen nicht zu einer politischen Normalisierung ihrer Herrschaft führen.
Dass internationale Strafverfolgung und Aufklärung neue Impulse erhalten haben, ist ein wichtiges Zeichen. Die Verantwortlichen für schwere Menschenrechtsverletzungen müssen zur Rechenschaft gezogen werden.
Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban darf Deutschland nicht wegsehen. Afghanistan braucht mehr Schutz, nicht mehr Abschiebungen.
Wenn Sie individuell Beratung und Unterstützung brauchen, wenden Sie sich bitte an ...