Schutz vor schwerer Gewalt bis hin zu Femiziden darf kein Zufall sein

Pressemitteilung  der Koordinierungsstelle der Mädchen- und Frauenberatungsstellen gegen Gewalt anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen am 25.11.2020

Die Koordinierungsstelle und ihre (spezialisierten) Fachberatungsstellen fordern „Verantwortung zeigen!“für die Betroffenen von sexualisierter und häuslicher Gewalt. Die Istanbul-Konvention muss in Niedersachsen endlich konsequent und nachhaltig umgesetztwerden!

Seit Januar setzt sich dieKoordinierungsstelle der nds. Frauen-und Mädchenberatungsstellen gegen Gewaltgemeinsam mit den (spezialisierten) Fachberatungsstellen des gleichnamigen Verbunds verstärkt für die Bedarfe der betroffenen Frauen* und Kinder auf Landesebene ein. In Niedersachsen ist bereits ein guter Grundstein gelegt, um das Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt(Istanbul-Konvention) umzusetzen. Jedoch ist das Hilfesystem für gewaltbetroffene Frauen* und Kinder in Niedersachsen nach wie vor unterfinanziert und lückenhaft! Und dass, obwohl die neuesten Zahlen des Hellfelds der Polizeilichen Kriminalstatistik von 2019 weiterhin einen Anstieg an Gewalt gegen Frauen* verzeichnet.

Statistisch betrachtet, erleidet alle 45 Minuten eine Frau* eine schwere Körperverletzungdurch den Partner*. An jedem dritten Tag wird eine Betroffene von ihrem Partner*/ Ex-Partner*getötet (Femizid).

Insbesondere vor diesen Hintergründen und den aktuellen Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie, fordern wir daher gemäß der Istanbul-Konvention:

  • Eine gesicherte, langfristige Finanzierung der Frauen-und Mädchenberatungsstellen, Notrufe und spezialisierten Fachberatungsstellen bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend
  • Ausbau eines flächendeckenden Hilfenetzwerks, insbesonderein den ländlichen Regionen•Schaffung eines barrierefreien Zugangs zu den Beratungs-und Hilfsangeboten und die weitere Qualifizierung von Sprachmittler*innen
  • Die Bereitstellung von (finanziellen) Ressourcen für die Öffentlichkeits-, Präventions-, und Aufklärungsarbeit

Auf der Homepage der Koordinierungsstelle und den Social-Media-Kanälen sind ab dem 25.11.2020die politischen Forderungen des Verbunds und der Koordinierungsstelle mittels verschiedener Materialien verfügbar. Darüber hinaus ist nun unter der Rubrik „Hilfe vor Ort“ eine digitale Datenbank mit Beratungs-und Unterstützungseinrichtungenin Niedersachsen für von Gewalt betroffene Frauen* und Kinder zu finden. Beteiligen auch Sie sich am #auftaktdigital!

Weitere Informationen zum #auftaktdigital unter: www.lks-niedersachsen.de/auftaktdigital

 

Hintergrund

Geflüchtete Frauen sind in besonderer Weise von Gewalt betroffen, denn sie erleben vor, während und oftmals auch nach der Flucht, angekommen in Deutschland vielfältige Formen von Gewalt. Viele Frauen und Mädchen leben in Sammellagern, die strukturell konflikt- und Gewaltfördernd sind. Mehr Infos dazu hier zusammengestellt in der Broschüre „Wir wollen Sicherheit“ Anregungen für eine gender- und fluchtsensible Praxis im Umgang mit geflüchteten Frauen*
Das Hilfesystem in Deutschland und die Beratungsinstitutionen sind dennoch oftmals nicht bekannt oder auf geflüchtete Frauen als Zielgruppe nicht hinreichend eingestellt. Grund ist, dass die finanzielle Mittel und geschultes Personal fehlen.

Sollten sie selbst von Gewalt betroffen sein, so können sie 24Std am Tag das Hilfetelefon erreichen. Es bietet Beratung in 17 Sprachen an und ist für Opfer, Zeugen und Unterstützer_innen eine hilfreiche Unterstützung:

https://www.hilfetelefon.de/fileadmin/content/08_Footernavigation/Newsletter/Sondernewsletter_Mitmachaktion_2020/HT_Aktion2020_Shareable_Final.jpeg

Kontakt bei weiteren Fragen:

Laura Müller, Referentin zu Gewaltschutz (Projekt AMBA)
Telefon: 0511 / 98 24 60 35 | lm(at)nds-fluerat.org

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