24-Stunden-Mahnwache in der Marktkirche Hannover

Die 24-Stunden-Mahnwache „Menschlichkeit statt Abschottung“ in der Marktkirche Hannover war ein durchschlagender Erfolg. Von Mittwoch, 6. Februar 2019, um 13 Uhr bis Donnerstag, 7. Februar 2019, um 13 Uhr mahnten in der größten Kirche Hannovers zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen sichere Fluchtwege an und forderten ein Ende der europäischen Abschottungspolitik.

Mehrere tausend Bürger_innen kamen zur Mahnwache, um sich mit Menschen auf der Flucht zu solidarisieren und über die Folgen der Abschottungspolitik zu informieren. Denn noch immer ist das Mittelmeer die tödlichste Fluchtroute der Welt. Allein seit Jahresbeginn sind 207 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer gestorben, im Jahr 2018 hat das UNHCR 2.275 Tote auf dem Mittelmeer gezählt.

Einige Ereignisse im Januar 2019 zeigen beispielhaft das Unvermögen der Europäischen Union, ihrer humanitären Verantwortung gerecht zu werden:

  • Am 19. Januar 2019 hat die Sea-Watch 3 insgesamt 47 Menschen aus Seenot gerettet. Fast zwei Wochen verweigerten europäische Regierungen dem Schiff einen sicheren Hafen. Erst am 30. Januar wurde die Aufnahme der Geretteten vereinbart.
  • Allein am 18./19. Januar 2019 sind im Mittelmeer zwei Boote mit Menschen auf der Flucht untergegangen. Mindestens 170 Menschen sind ertrunken. Seit Anfang 2019 sind 207 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer gestorben, im Jahr 2018 waren es 2.275 Menschen.
  • Ein weiteres Boot mit etwa 100 Menschen war am 20. Januar in akuter Seenot. Die Schutzsuchenden wurden nach Libyen zurückgebracht. Ein solcher Pushback von Menschen auf der Flucht ist nach See- und Völkerrecht illegal. In den grausamen libyschen Lagern sind die Menschen nun wieder tagtäglich Folter, Mord, Versklavung und Ausbeutung ausgesetzt.

Vor diesem Hintergrund forderten die Teilnehmer_innen der Mahnwache:

  • die Schaffung sicherer Fluchtwege und die Gewährleistung einer menschenwürdigen Aufnahme von Menschen auf der Flucht
  • die Anerkennung und Unterstützung der Arbeit der zivilen Seenotrettung auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen
  • eine Gesellschaft, die nicht auf Abschottung und Abschiebung setzt, sondern sich der Menschenwürde, Solidarität und Bewegungsfreiheit verpflichtet
  • einen Beschluss der Stadt Hannover, mit dem sie sich zum Sicheren Hafen erklärt und die Seenotrettung sowie die Aufnahme Geretteter aktiv unterstützt

An der 24-Stunden-Mahnwache beteiligten sich unter anderem die Seebrücke Hannover, die Ev.-luth. Marktkirche Hannover, der Flüchtlingsrat Niedersachsen, der Afrikanische Dachverband Nord, das ev. Flüchtlingsnetzwerk Hannover, der Ka-Punkt, der Unterstützerkreis Flüchtlingsunterkünfte Hannover und die Initiative für internationalen Kulturaustausch Hannover.

Kai Weber, Geschäftsführer, Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.

Pressemeldungen

Hannover: Mahnwache in der Marktkirche für sicheren Hafe, in: Neue Presse vom 6. Februar 2019.
Mahnwache für ertrunkene Flüchtlinge, in: HAZ vom 6. Februar 2019.
24-stündige Mahnwache: Erinnerung an ertrunkene Flüchtlinge, in: t-online.de vom 5. Februar 2019
„Seebrücke“ und Marktkirche planen 24-Stunden-Mahnwache, in: evangelisch.de vom 4. Februar 2019

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