Niedersachsen will erneut Familie durch Abschiebung auseinanderreißen

Nach 19-jährigem Aufenthalt soll Vater Bljerim Nuredini von vier Kindern von seiner Frau getrennt werden

Wieder einmal setzt Niedersachsen Maßstäbe für einen besonders rabiaten und rücksichtslosen Umgang mit Flüchtlingen: Die Ausländerbehörde der Region Hannover hält daran fest, den seit 19 Jahren im Bundesgebiet lebenden kosovarischen Flüchtling Bljerim Nuredini am 18. Januar 2012 ohne seine Familie nach Serbien abzuschieben. Die über eine Aufenthaltserlaubnis verfügende Ehefrau Elinda Nuredini soll mit den vier gemeinsamen Kindern Valentina (8), Fatma (7), Bilal (5) und Zara (8 Monate) allein im Bundesgebiet zurück bleiben. Das niedersächsische Innenministerium hat erklärt, es werde als Fachaufsichtsbehörde den Vollzug der Abschiebung nicht stoppen. » Den ganzen Beitrag lesen…

Alte, neue Härte in der Abschiebungspolitik: Nach 20 Jahren per Sammelabschiebung in den Kosovo

Abschiebung per Sammelcharterflug nach Pristina

Heute, Donnerstag, 12.01., startete von Baden Airpark ein Sammelabschiebeflug in den Kosovo. Mit an Bord war Frau Ademaj.  Nach annähernd 20 Jahren in Deutschland ist sie heute abgeschoben worden. Die zuständige Ausländerbehörde Emden hatte Frau Ademaj  zuvor am 16.12.2011 in Abschiebungshaft nehmen lassen, als sie auf dem Standesamt in Freiburg i.Br. Dokumente zur Vorbereitung einer beabsichtigten Heirat mit ihrem deutschen Verlobten unterzeichnen wollte. Die Ausländerbehörde war über die geplante Eheschließung durch den Anwalt informiert worden. Die Ausländerbehörde nutze jedoch den Termin, um Frau Ademaj  festnehmen zu lassen, da sie sich einem Abschiebungstermin im Oktober 2011 entzogen hatte.

Die Ausländerbehörde Emden war nicht bereit, die Abschiebung auszusetzen, obwohl es über die Heirat realistische Aussichten auf eine Aufenthaltserlaubnis gab. Und auch das Niedersächsische Innenministerium stellt sich hinter die Ausländerbehörde. » Den ganzen Beitrag lesen…

NDR-Rückblick auf Niedersachsens Abschiebungspolitik 2011

Am 30.12.2011 hat das NDR-Fernsehen einen bedrückenden Rückblick über die niedersächsische Abschiebepolitik gesendet. Der Bericht von Jan Starkebaum nimmt Bezug auf die Abschiebungsfälle der Familien Nguyen (Hoya), Naso und Salame/Siala (Hildesheim), auf die Suizide aus Angst vor Abschiebung von Shambu Lama und Slawik C., und berichtet über die Pläne der Landesregierung, die Härtefallkommission weiter zu beschränken:

NDR-Bericht vom 30.12.2011

So darf es nicht weitergehen! Wir alle tragen Verantwortung für solche Zustände, jede(r) auf seine Weise. Helfen Sie mit, dass sich dieser unwürdige Umgang mit Menschen ändert, schnellstmöglich!

Antwort der Bundesregierung zur Situation von Roma

In einer Antwort auf eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hat die Bundesregierung Informationen zur Aufenthaltssituation und Abschiebungen von Minderheitenangehörigen aus dem Kosovo und anderen Nachfolgestaaten Jugoslawiens gegeben. Demnach leben derzeit ca. 6.947 ausreisepflichtige Roma bzw. 8.178 ausreisepflichtige RAE-Minderheitenangehörige (Roma, Ashkali, Ägypter) aus dem Kosovo in Deutschland.

U.a. stellt die Bundesregierung nebenbei lapidar fest, dass sie sich nicht für ein Winterabschiebestopp von Roma eingesetzt hat und auch sonst keine nennenswerte Bedrohung für Minderheitenangehörige im Kosovo sieht.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter im Büro von Ulla Jelpke, Dirk Burzcyk, hat eine weitergehende Auswertung der Antwort vorgenommen, aus der sich etliche Interessante Informationen entnehmen lassen und die hier zu lesen ist:
Auswertung Antwort Bundesregierung Dezember 2011

gez.
Sigmar Walbrecht

Einsatz von Video-Konferenztechnik im Asylverfahren ist rechtswidrig!

Zu diesem Ergebnis kommt eine Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestages, die im Auftrag von Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, erstellt wurde . Ulla Jelpke fordert nun die Bundesregierung auf, die Video-Anhörungen im Asylverfahren „sofort“ zu beenden! „Ziel des Asylverfahrens muss ein möglichst effizienter Schutz Asylberechtigter sein – nicht die möglichst effiziente Verwaltung staatlicher Ressourcen auf Kosten Schutzsuchender. ”

Das Asylverfahrensgesetz sieht eine Videoanhörung nicht vor. Geregelt ist die neue Praxis in einer internen Dienstanweisung des BAMF. Kritisiert wurde das Verfahren unter anderem von Pro Asyl. „Die Asylanhörung ist das Kernstück eines fairen Verfahrens, denn die Beurteilung der Glaubhaftigkeit der Angaben eines Asylsuchenden kann eine Frage von Leben und Tod sein.“ Umso wichtiger sei die Frage nach der Glaubhaftigkeit der Antragstellenden, über die allein in einer persönlichen Anhörung entschieden werden könne.

Seit November 2010 hat das BAMF insgesamt 140 Anhörungen im Asylverfahren im Wege Videokonferenz durchgeführt. Zur Begründung führte die Bundesregierung auf, dass steigende Asylantragszahlen eine gleichmäßige Auslastung des Personals der Außenstellen erforderten und auf diesem Wege eine zeitnahe Entscheidung ermöglicht werde.

Der Wissenschaftliche Dienst hat seine Genehmigung zur Veröffentlichung und Verbreitung des Gutachtens erteilt.

Gazale Salame und Ahmed Siala: Familie, seit sieben Jahren von Amts wegen zerrissen

“Wenn ein Mann einen Mord begeht, verbietet es das deutsche Gesetz, seine Kinder und Enkel zu bestrafen. Macht aber ein Bürgerkriegsflüchtling bei seiner Einreise in die Bundesrepublik Deutschland falsche Angaben, müssen mehr als 20 Jahre später noch die Kinder und Kindeskinder darunter leiden. Besonders fragwürdig erscheint dieses Rechtsverständnis angesichts der Tatsache, dass die Eltern von Gazale Salame nicht abgeschoben wurden, obwohl sie die Einzigen sind, denen man ein Fehlverhalten vorwerfen könnte. Sie hatten es mit dem Ausländeramt eines anderen Landkreises zu tun, das davon absah, das körperlich und psychisch kranke Paar des Landes zu verweisen. Gazale Salames Sachbearbeiter aber war der Meinung, man könne auch eine schwangere Frau von ihrer Familie trennen. Deshalb wachsen nun zwei Kinder in Niedersachsen ohne Mutter auf und zwei Kinder in der Türkei ohne Vater.” (aus: DIE ZEIT vom 22.12.2011: Familie, von Amts wegen zerrissen)

Weitere Reportagen aus Frankfurter Rundschau, Berliner Zeitung, Aachener Zeitung, Neues Deutschland, der HAZ, dem NDR, dem ND, dem “Kehrwieder am Sonntag”, bei Spiegel TV und anderswo finden sich hier.

Entzug des Bleiberechts? 1000 Flüchtlinge in Niedersachsen von Abschiebung bedroht

Die Innenminister haben sich auf ihrer Konferenz vom 8./9. Dezember 2011 nicht auf eine neue Bleiberechtsregelung für geduldete Flüchtlinge einigen können. Beschlossen wurde lediglich, dass diejenigen Flüchtlinge, die im Jahr 2009 auf der Grundlage eines IMK-Beschlusses eine Probe-Aufenthaltserlaubnis nach § 23 Abs. 1 erhalten haben und inzwischen mindestens zehn Jahre in Deutschland leben, eine Verlängerung dieser Aufenthaltserlaubnis erhalten sollen, wenn sie sich um Arbeit bemüht haben und eine Sicherung des Lebensunterhalts aus eigener Erwerbstätigkeit zu erwarten ist. Was das in der Umsetzung bedeutet, darüber gehen die Auffassungen zwischen den Bundesländern allerdings weit auseinander: » Den ganzen Beitrag lesen…

Nach 20 Jahren in Deutschland will Ausländerbehörde Wittmund eine Roma-Familie in den Kosovo abschieben

Eine unglaubliche Entscheidung hat die Ausländerbehörde des Landkreises Wittmund in Ostfriesland im Falle einer Roma-Familie getroffen. Einer alleinerziehenden Mutter mit sechs Kindern – davon ist das jüngste im November geboren – hat sie die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis verweigert. Die Familie hatte eine Aufenthaltserlaubnis nach der Bleiberechtsregelung für langjährig Geduldete gemäß § 23 Abs. 1 “auf Probe” erhalten. Die Verlängerung war abgelehnt worden, weil Frau Bonesta “nur” 69% des notwendigen Lebensunterhaltes selbständig erarbeitet. Gleichzeitig wurde sie zur Ausreise bis zum 31.03.2012 aufgefordert und die Abschiebung nach Montenegro angedroht. » Den ganzen Beitrag lesen…

“Damit ist die Täuschung nachgewiesen” – MI stellt sich im Fall Gazale hinter LK Hildesheim

Das niedersächsische Innenministerium wirft der Familie Siala trotz der dokumentierten Herkunft aus dem Libanon eine “Täuschung über ihre Identität” vor – und stellt sich damit wie gehabt ganz auf den Rechtsstandpunkt des Landkreises Hildesheim. Obwohl bereits der Vater von Ahmed Siala, Gazi Siala, 1945 in Beirut geboren wurde und auch Ahmed Siala 1979 – wie alle seine 11 Geschwister – in Beirut zur Welt kam, die Türkei nie betreten hat und als Sechsjähriger mit seinen Eltern aus der “Hölle von Beirut” hach Deutschland floh, hält das Innenministerium es für angebracht, Ahmed Siala unter Hinweis auf eine angeblich bestehende türkische Staatsangehörigkeit seines Vaters ein”Täuschungshandeln” vorzuwerfen und ihm mit entsprechender Begründung das 1990 erteilte und im Jahr 2001 entzogene Bleiberecht in Deutschland weiterhin zu verweigern. Auch die Abschiebung Gazales nach 17-jährigem Aufenthalt am 10. Februar 2005 wird entsprechend begründet. “Die Kinder müssen sich das Verhalten ihrer Eltern nach höchstrichterlicher Rechtsprechung zurechnen lassen”, so das MI. Die Stellungnahme findet sich hier

Familien Nguyen, Van und der Umgang mit Härtefällen in Niedersachsen

Die Familie Nguyen ist nicht die erste vietnamesische Familie, deren Abschiebung in Niedersachsen heftige Empörung und Proteste hervorrief. Nicht immer gab es allerdings einen vergleichbar guten Ausgang. Der evangelische Pressedienst epd erinnert mit dem nachfolgenden Artikel an die Familie Van, die im Dezember 2004 aus einem Kirchenasyl geholt und nach Vietnam abgeschoben wurde. Lediglich die damals 14-jährige Tochter Thu Nga durfte nach Niedersachsen zurückkehren.

epd Soziales: «Das ist doch Willkür»
Die Rückholung abgeschobener Flüchtlinge ist in Deutschland die absolute Ausnahme