Sozialleistungen für Unionsbürgerinnen und Unionsbürger in Deutschland Diakonie Texte, Handreichung, 12.2011

Das gesamte Dokument findet sich hier.

Zusammenfassung:

Diese Handreichung soll Hilfestellung für Beratende und Interessierte sein, die mit mittellosen Unionsbürgerinnen und Unionsbürgern in Deutschland konfrontiert werden. Sie konzentriert sich auf deren aufenthaltsrechtliche und sozialleistungsrechtliche Situation, besonders auf Leistungen nach dem SGB II und SGB XII. Deutlich wird, dass die Unionsbürgerschaft für das Aufenthaltsrecht für Unionsbürgerinnen und Unionsbürger entscheidend ist. Diese führt ähnlich einer Staatsangehörigkeit dazu, dass jeder Unionsbürger bedingungslos in einen anderen Mitgliedstaat einreisen und sich dort zunächst für drei Monate aufhalten darf. Danach gelten abgestufte Aufenthaltsbedingungen, die den Aufenthalt insbesondere davon abhängig machen, ob er im Zusammenhang steht mit der Ausübung einer der vier Grundfreiheiten des Vertrages über die Arbeitsweise der EU (AEUV). » Den ganzen Beitrag lesen…

Erfolg der Proteste: Schünemann will Familie nach Hoya zurückholen

Heute hat Innenminister Uwe Schünemann sich selbst in das Studio des NDR eingeladen und in der Sendung “Hallo Niedersachsen” verkündet, dass er sich für eine Rückkehr der abgeschobenen Familie von Familie Minh Tuong Nguyen und Thi Sang mit ihren Kindern Esther Bao Ngoc und Andre Bao An verwenden werde: Er habe bereits Briefe an den für die Visumserteilung zuständigen Bundesaußenminister sowie an den Bundesinnenminister geschrieben und im Hinblick auf die besondere Situation eine Lösung auf der Grundlage des § 22 Aufenthaltsgesetz befürwortet. Dort heißt es: » Den ganzen Beitrag lesen…

Schünemanns Schikanen treffen v.a. die Kinder

Der Fall der Familie S. aus Dransfeld (Landkreis Göttingen) hat am Montag die Landtagsopposition wie auch die FDP auf den Plan gerufen. Während die Liberalen nach Aufklärung verlangen, kommen von der Linken erste Rücktrittsforderungen an Schünemann. » Den ganzen Beitrag lesen…

Öffentlicher Druck für Rückkehr von Familie Nguyen nach Hoya

Die Kritik an der Entscheidung des Landkreis Nienburg, Familie Nguyen nach 19-jährigem Aufenthalt nach Vietnam abzuschieben (siehe hier), wird immer lauter. Der Landkreis Nienburg erklärte öffentlich, er hätte der Familie ein Aufenthaltsrecht erteilt, wenn das niedersächsische Innenministerium ihm diesen Spielraum gelassen hätte. Es habe eine klare Weisung aus dem niedersächsischen Innenministerium gegeben, die Abschiebung zu vollziehen. Die CDU in Hoya hat sich kritisch über den niedersächsischen Innenminister geäußert. Auch in der CDU-Landtagsfraktion rumort es: Hinter vorgehaltener Hand hieß es, man habe für die Linie des niedersächsischen Innenministers kein Verständnis mehr, wolle die Sache aber zunächst intern klären. » Den ganzen Beitrag lesen…

Politikziel Parallelwelt

FLÜCHTLINGSLEBEN (I)

Politikziel Parallelwelt

In Deutschland wird viel Geld dafür ausgegeben, unerwünschte Einwanderer sozial zu isolieren und jeder Perspektive zu berauben. Besonders kreativ auf diesem Gebiet ist Niedersachsen mit seinem noch unter der SPD-Regierung begonnenen “Projekt X”. Auftakt der taz.nord-Serie über das Leben von Flüchtlingenvon Christian Jakob

aus: taz 11.11.2011, weiter geht’s  hier

Fall Nguyen: Flüchtlingsrat fordert Rückholung und politische Konsequenzen

Hildesheim, 10. November 2011. Der Flüchtlingsrat Niedersachsen fordert den niedersächsischen Innenminister Uwe Schünemann auf, eine Rückkehr der Familie Nguyen herbeizuführen, die nach 19-jährigem Aufenthalt in Deutschland trotz vorbildlicher Integration am Morgen des 8. November nach Vietnam abgeschoben wurde (siehe hier). Darüber hinaus fordert der Flüchtlingsrat die Landesregierung auf, Konsequenzen aus dem Fall der Familie Nguyen zu ziehen. Es kann nicht länger hingenommen werden, dass gut integrierte Flüchtlingsfamilien immer wieder aus der Mitte unserer Gesellschaft abgeholt und abgeschoben werden, während die politische Führung des Landes nur die Schultern zuckt und erklärt, daran lasse sich leider nichts ändern. Als konkrete Maßnahmen fordern wir:

  1. Umfassendes Bleiberecht für geduldete Flüchtlinge (nicht nur) in Niedersachsen!
  2. Änderung der Härtefallkommissionsverordnung!
  3. Ermöglichung humanitärer Einzelfallentscheidungen der Ausländerbehörden! » Den ganzen Beitrag lesen…

Gesetzentwurf der Landesregierung zur Neufassung des Aufnahmegesetzes halbherzig und unbefriedigend

Der von der Landesregierung mit Datum vom 27. Oktober 2011 vorgelegte Gesetzentwurf zur Änderung des niedersächsischen Aufnahmegesetzes wird vom Flüchtlingsrat Niedersachsen als halbherzig und unbefriedigend kritisiert. Eine von den kommunalen Spitzenverbänden geforderte angemessene Erhöhung der Pauschalsätze zur Erstattung der Kostenaufwendungen der Kommunen verweigert der Innenminister unter Verweis auf deren angeblich unzureichende Abschiebungsbemühungen. Nach der am 9.11. erfolgten ersten Lesung wird der Gesetzentwurf nun im Innenausschuss beraten. » Den ganzen Beitrag lesen…

Familie Nguyen aus Hoya – Abschiebung nach 19 Jahren

Am gestrigen 08. November 2011 ist die vietnamesische Flüchtlingsfamilie Tuong und Sang Nguyen aus Hoya mit ihren beiden in Deutschland geboren Kindern, Esther und Andre, um drei Uhr morgens von der Polizei aus dem Schlaf gerissen und zur Abschiebung nach Frankfurt am Main gebracht worden. Herr Tuong ist seit 1992 in Deutschland. Die Kinder Esther und Andre sind hier geboren. Seit 16 Jahren arbeitete der Familienvater in Hoyerhagen in einer Baumschule. Die Familie galt als vorbildlich integriert.  Nähere Hintergründe sind der Erklärung zur heutigen Pressekonferenz der Martin-Luther-Kirche in Hoya zu entnehmen.

Die Abschiebung der Familie Nguyen zeugt erneut und auf entsetzliche Weise von der Gnadenlosigkeit der niedersächsischen Flüchtlingspolitik, die nie bereit ist, irgendwann einmal einen Schlussstrich zu ziehen und nach jahrzehntelangem Aufenthalt eine humanitäre Entscheidung für ein Aufenthaltsrecht zu treffen. Verantwortlich hierfür ist in erster Linie die Politik der niedersächsischen Landesregierung, die den Ausländerbehörden – anders als andere Landesregierungen – nicht das Recht einräumt, über die Erteilung eines Aufenthaltsrechts nach Ermessen zu entscheiden.

Schon einmal, im Jahr 2006, stand eine Abschiebung kurz bevor. Damals rettete sich die Familie jedoch rechtzeitig ins Kirchenasyl der Martin-Luther Gemeinde. Das damals in einer Broschüre des Flüchtlingsrats veröffentlichte Portrait ist auch auf dem Weblog des Autors Achim Beinsen nachzulesen.

Empörend ist, dass die Abschiebung der Familie Nguyen überfallartig und ohne vorherige Ankündigung des Abschiebungstermins im Morgengrauen erfolgte. Dieser Umgang der örtlichen Ausländerbehörde mit Menschen, die 19 Jahre lang in Deutschland gelebt haben und nun nicht einmal die Chance hatten, sich von ihren Freunden zu verabschieden, ist menschenunwürdig und inakzeptabel.

Dabei wäre eine andere Politik möglich: Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat mehrfach entschieden, dass eine Abschiebung jedenfalls dann nicht erfolgen darf, wenn die Betroffenen in Deutschland integriert und verwurzelt sind und die Abschiebung daher im Ergebnis einer zweiten Vertreibung gleich käme. In vielen Bundesländern wurde den Ausländerbehörden unter Bezugnahme auf diese Rechtsprechung die Möglichkeit eingeräumt, eine Aufenthaltserlaubnis unter Hinweis auf die Unzumutbarkeit einer Rückkehr zu erteilen. Niedersachsen bleibt jedoch weiterhin bei seiner Linie, dass jede Abschiebung durchgesetzt werden muss, sofern sie technisch möglich und rechtlich zulässig ist.

gez. Kai Weber

Pressemeldungen / Fernsehberichte zu Nguyen:

Evangelische Zeitung
NDR-Bericht auf Hallo Niedersachsen
Bericht des Weser-Kurier
Bericht der örtlichen Kreiszeitung
Bericht und Kommentar der HAZ
Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers (2)
Neues Deutschland

Hintergrund: Spiegel-Artikel 2006

“Das Lager muss weg” – Pressekonferenz in Bramsche-Hesepe



Protest im Bramsche

Rund 40 BewohnerInnen des Lagers Bramsche-Hesepe haben sich am 08.11.2011 zu einer spontanen Demonsration zusammengefunden, um die MedienvertreterInnen und UnterstützerInnen, die zur Pressekonferenz gekommen sind, zu begrüßen. Mit Rufen wie „Das Lager muss weg!“ und „Wir wollen Freiheit“ haben sie ihre Forderungen zum Ausdruck gebracht.

Anschließend machte der Sprecher der LagerbewohnerInnen, Billy Y., in der Pressekonferenz sehr pointiert und klar die Probleme der Flüchtlinge und ihre Forderungen deutlich.  Billy Y. beschrieb, in welcher Isolation und Fremdbestimmung die Asylsuchenden in dem Lager leben und wie ihnen jeglicher Möglichkeit einer Zukunftsperspektive genommen wird, wenn sie zum Nichtstun verdammt sind und nicht arbeiten dürfen oder nur mit Erlaubnis der Ausländerbehörde. Billy Y., der selbst seit ca. 16 Monaten im Lager Bramsche-Hesepe lebt und auf eine Entscheidung in seinem Asylverfahren wartet, beschrieb, dass der Alltag der Menschen im Lager nur aus Schlafen und Essen in der Kantine besteht. Das Essen sei schlecht und eintönig, und auch die Gesundheitsversorgung ist nach Billys Aussagen katastrophal, da gegen alle Krankheiten nur Paracetamol verabreicht werde. Überweisungen an Fachärzte geschähen so gut wie gar nicht. Viele Flüchtlinge seien durch die Lebensbedingungen psychisch belastet.

Erfreulich groß war das Echo bei den Medien. Neben lokalen Zeitungen waren regionale und überregionale Radiosender sowie das Lokalfernsehen und NDR-Fernsehen anwesend. Im Bericht des NDR kommt auch der Lagerleiter, Herr Bramm, zu Wort. In seinem Statement stellt er die absurde und mittlerweile reichlich überstrapazierte Behauptung auf, „politische Organisationen“ würden die Flüchtlinge instrumentalisieren. Dass die BewohnerInnen aus eigenem Antrieb protestieren, weil sie die Situation unerträglich finden, scheint ihm nicht in den Sinn zu kommen, ob wohl es seit dem Bestehen des Lagers immer wieder Proteste gibt, die von den Flüchtlingen selbst ausgehen.

Hier der Bericht des NDR aus der Mediathek
Hier die Erklärung der Flüchtlinge

SZ: Kopfprämien, Verpflegung und Fußballkarten für obskure Delegation aus Sierra Leone

Einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” vom 04.11.2011  zufolge zahlte die Bundespolizei eine Kopfprämie von 250 Euro für jeden Asylbewerber, dem eine obskure Delegation aus Sierra Leone Papiere ausstellte. Hinzu kam eine Tagespauschale von etwa 200 Euro sowie Geld für Verpflegung und Unterkunft. Die Bundespolizisten luden die Delegationsmitglieder sogar zu einem Uefa-Cup-Fußballspiel in Hamburg ein. Da die Delegation ohne Stempel und Hoheitszeichen angereist sei, habe die Bundespolizei  für 63,50 Euro bei einem Schlüsseldienst den sierra-leonischen Dienststempel der Beamten anfertigen lassen.

Der Bericht findet sich hier: Deutschland bezahlt ausländische Beamte für Hilfe bei Abschiebungen