Maulkorb für Flüchtlinge – ZDF darf nur handverlesene Interviews führen
Pressemitteilung des Bayerischen Flüchtlingsrates
Regierung von Oberbayern will nur ausgesuchte BewohnerInnen des Flüchtlingslagers in der Waldmeisterstraße zu Wort kommen lassen und verweigert dem Bayerischen Flüchtlingsrat den Zutritt
Am morgigen Mittwoch, den 10.06.2008, besucht ein Fernsehteam des ZDF die beiden Münchner Flüchtlingslager im Dreilingsweg und der Waldmeisterstraße. Alexander Thal, Mitarbeiter des Bayerischen Flüchtlingsrats wurde von einigen BewohnerInnen der Waldmeisterstraße gebeten, als Vertrauensperson zu diesem Termin zu kommen und ihnen beizustehen, wenn sie über ihre unerträgliche Lebenssituation im Lager berichten.
Die Regierung von Oberbayern hat dies untersagt. Ihr Pressesprecher, Heinrich Schuster, äußerte am 10.06.2008 gegenüber dem Bayerischen Flüchtlingsrat, in der Hausverwaltung tätige Angestellte der Regierung von Oberbayern hätten eine Familie ausgesucht, die dem Fernsehteam ein Interview geben und die Situation im Lager erläutern wolle. Weitere InterviewpartnerInnen seinen deshalb nicht vorgesehen und auch nicht vonnöten. Zudem wolle er verhindern, dass die Situation aufgebauscht werde, er fürchte sonst einen Zoo-Effekt, den viele BewohnerInnen nicht wünschten.
Es stellt sich die Frage, was die Regierung von Oberbayern zu verbergen hat. Tobias Klaus, Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats kritisiert: „Die Regierung von Oberbayern hat vor dem ZDF-Besuch versucht, das Lager in der Waldmeisterstraße unter Hochdruck fernsehtauglich zu renovieren. Offenbar will sie nun ungestört dieses Potemkinsche Dorf präsentieren, ohne dass kritische Stimmen der BewohnerInnen zu Wort kommen. Wir protestieren aufs Schärfste gegen die Behinderung der BewohnerInnen, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrzunehmen, und die Aussperrung einer Vertrauensperson des Bayerischen Flüchtlingsrats.”
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