[Gazale-Salame] Hungerstreik für Gazale

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Fre Jan 11 09:09:42 CET 2008


HAZ 10.01.2008

„Der Hungerstreik ist kein PR-Gag“
„Menschen für Menschen“-Vertreter Andreas Vasterling will humanitären 
Umgang mit der Familie Siala/Salame bewirken

Kreis Hildesheim (am). Vor neun Tagen hat Andreas Vasterling nach 
eigenen Angaben zuletzt gegessen – seither befindet er sich im 
Hungerstreik. Ziel seiner Aktion: Das Innenministerium soll sich nicht 
weiter gegen einen humanitären Umgang mit der Familie Siala/Salame sperren.
Nach dem Treppensteigen in den ersten Stock stehen Andreas Vasterling 
ein paar Schweißtropfen auf der Stirn. „Es macht sich natürlich 
bemerkbar, dass ich nichts mehr esse, aber es ist eigentlich gar nicht 
so schlimm“, sagt der 46-Jährige.
Die Idee, etwas für Gazale Salame, ihren Ehemann Ahmed Siala und die 
vier gemeinsamen Kinder zu unternehmen kam dem Sprecher des Kreises 
„Menschen für Menschen“ schon im vergangenen Jahr nach der Verhandlung 
vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg. An dem Tag beschied das 
Gericht, dass auch Ahmed Siala Deutschland verlassen soll (diese Zeitung 
berichtete). „Ich dachte, jetzt geht der juristische Kampf wieder von 
vorne los. Und das kann sich lange hinziehen“, sagt Vasterling. Neben 
einem Hungerstreik habe er auch eine Sitzblockade vor dem 
Innenministerium in Erwägung gezogen. Doch diesen Plan habe er schnell 
wieder verworfen, weil alle Aktionen für Gazale Salame legal sein sollen.
Im Vorfeld sprach er mit einigen Bekannten, nicht aber mit den 
Vertretern des Flüchtlingsrates. „Ich kannte deren Argumentation schon 
im voraus“, sagt er. Und von einem „bringt das etwas?“ und „denk‘ an 
deine Gesundheit“ wollte er sich nicht abhalten lassen. Und so nahm sein 
Vorhaben Konturen an. Vor Weihnachten war der arbeitslose Maler und 
Lackierer das letzte Mal einkaufen. Nach und nach verzehrte er seine 
Lebensmittel, ließ sich an Silvester ein Schnitzel und am Neujahrstag 
ein paar Schwarzbrote mit Wurst und Käse schmecken. Dazu – so gesteht er 
– gönnte er sich ein paar Gläser von dem irischen Whiskey, den ihm sein 
Vater Hermann zu Weihnachten geschenkt hatte.
Der 2. Januar begann für Vasterling mit Glaubersalz, das den Darm 
reinigt. Diese Methode wird auch beim Heilfasten angewandt. Seither 
nimmt er nur Wasser, Tee, Säfte und ab und an eine Brühe zu sich. 
„Zugegeben, Kaffee und Zigaretten kann ich noch nicht weglassen.“ Am 2. 
Januar brachte Vasterling bei einer Größe von 1,71 Meter noch 97 
Kilogramm auf die Waage. Noch sind die Pfunde nicht gepurzelt, aber der 
Mann weiß, dass er einiges auf den Rippen hat, von dem er zehren kann. 
Sein Wohlfühlgewicht? Liegt zwischen 64 und 67 Kilogramm. „Zwei, drei 
Monate werde ich den Streik durchhalten“, vermutet Vasterling. Bei 55 
Kilogramm sei aber vermutlich Schluss. Er geht davon aus, dass sein 
Gesundheitszustand sich Ende Januar verschlechtern wird. „Den Abbau 
werde ich auch intellektuell spüren“, mutmaßt er. Damit er dann nicht 
mehr auf sich allein gestellt ist, würde er im Februar gerne in einen 
öffentlichen Raum, wie ein Gemeindehaus, umziehen.
„Dieser Hungerstreik ist kein PR-Gag“, sagt Vastertling. „Ich übertrage 
dem Innenministerium hiermit die Verantwortung über meine Gesundheit.“ 
Er sieht seinen Hungerstreik als Akt des zivilen Ungehorsams, obwohl er 
keine Hoffnung hat, dass das Innenministerium reagieren wird. Und worauf 
baut er dann? „Ich will viele Menschen auf den Fall der Familie 
aufmerksam machen, sie motivieren, sich ebenfalls für die Rückkehr 
Gazale Salames und ihrer Kinder nach Deutschland einzusetzen.“
Vasterling kämpft schon seit drei Jahren für Gazale Salame. Der 
Hartz-IV-Empfänger interessierte sich schon als 13-Jähriger für Politik. 
„Damals hing ich in der Realschule Bockenem mit dem linken Haufen 
zusammen“, erinnert er sich. In den folgenden Jahren verteilte er sein 
Interesse auf verschiedene politische Gruppen. Er sei etwa für die PDS 
aktiv gewesen, für die Grünen und auch für die NPD. „Ich war sehr jung, 
als ich bei der jungen Kameradschaft mitmischte“, berichtet er über 
seine rechtsextreme Phase. Die Erfahrungen, die er bei seinen 
politischen Aktivitäten gesammelt habe, hätten ihn dorthin gebracht, wo 
er nun ist. Heute besitzte er kein Parteibuch mehr. Er sieht sich „mehr 
in der linken Ecke“, engagiere sich für soziale Gerechtigkeit. „Je 
länger die Familie von einander getrennt ist, desto mehr entfremdet sie 
sich“, sagt Vasterling. Am 10. Februar jährt sich der Tag der 
Abschiebung von Gazale Salame zum dritten Mal.
Datum: 10.01.2008

Datum: 10.01.2008
Stimmen zum Hungerstreik
Kreis Hildesheim

(am). Der wohl berühmteste Mensch, der in einen Hungerstreik getreten 
ist, war Mahatma Gandhi. Er verweigerte 1947 wochenlang die Nahrung, um 
die Inder von einem Bürgerkrieg abzuhalten. Auch in Deutschland ist der 
Hungerstreik in den 1960er Jahren als Druckmittel für politische Ziele 
eingesetzt worden. Andreas Vasterling richtet sich ebenfalls an die 
Politik, er fordert Humanität für die Familie Siala/Salame. Ob dieser 
Weg der richtige ist? Einige Stimmen dazu:
Ahmed Siala: „Wir haben schon so viel versucht und nichts erreicht. Ich 
weiß nicht, ob das der richtige Weg ist, um beim Ministerium etwas zu 
erreichen. Ich mache mir Sorgen um Andreas´ Gesundheit und fühle mich 
verantwortlich, weil er sich für meine Familie einsetzt. Ich weiß aber, 
dass er sich von seinem Vorhaben nicht abbringen lässt.“
Gerjet Harms, Pastor im Ruhestand, Unterstützerkreis „Menschen für 
Menschen“: „Das ist allein die Entscheidung von Herrn Vasterling, die 
ich respektiere. Was mich bewegt, ist, dass er keinen anderen Ausweg 
mehr sieht, als so auf diesen Skandal hinzuweisen. Ich bin entsetzt über 
das Verhalten des Landes Niedersachsen, eine Familie auseinander zu 
reißen. Ich frage mich, ob Innenminister Schünemann nachts überhaupt 
noch schlafen kann.“
Wolfgang Osthaus, katholischer Stadtdechand: „Ich bezweifle, dass er mit 
dem Hungerstreik gut beraten ist.“
Klaus Engemann, Sprecher des Niedersächsischen Innenministeriums: „Der 
Streik impliziert, dass das Innenministerium einen gewissen 
Bewegungsfreiraum hat. So ist es aber nicht. Herr Vasterling wird in den 
nächsten Tagen ein Schreiben bekommen, in dem die Rechtssituation noch 
einmal erläutert wird. Er wird von selbst darauf kommen, dass diese 
Aktion nichts bringt. Herr Siala könnte die Situation selbst auflösen. 
Er ist abgelehnter Asylbewerber und könnte mit seinen Kindern zu seiner 
Frau in die Türkei reisen, um ihr zur Seite zu stehen.“ (Ahmed Siala und 
seine Kinder dürften nicht wieder nach Deutschland einreisen, Anmerkung 
der Redaktion.)
Sigmar Walbrecht, Niedersächsischer Flüchtlingsrat: „Wir stehen der 
Aktion kritisch gegenüber. Es ist lobenswert, dass Herr Vasterling sich 
einsetzt, aber er setzt seine Gesundheit aufs Spiel. Inwieweit sich das 
Innenministerium so unter Druck setzen lässt, ist fraglich.“
Datum: 10.01.2008