[Gazale-Salame] Gazale Salame

kai weber kai.weber at nds-fluerat.org
Mon Feb 11 12:45:30 CET 2008


Nachfolgend dokumentieren wir im plain-Text

1) Die Hintergrundberichterstattung der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung 
vom 9.2.2008 zur Situation von Gazale Salame,

2) Den Artikel aus der heutigen HAZ (11.02.2008) und

3) den Artikel aus dem "Kehrwieder am Sonntag" zum Thema

Im Anhang befinden sich die Reden von Dr. hc Lore Auerbach und 
Superintendent Helmut Aßmann. Auch auf Indymedia gibt es einen Bericht 
über die Demo:

http://de.indymedia.org/2008/02/207571.shtml


gez. Kai Weber

1) Aufmacher: Großes Bild Gazale

Vor drei Jahren hat Gazale Salame ihren Mann und ihre zwei Töchter das 
letzte Mal gesehen. Die junge Mutter verließ ihre Familie nicht 
freiwillig – sie wurde abgeschoben. Ihr Mann Ahmed Siala kennt seinen 
kleinen Sohn, der in der Türkei auf die Welt kam, nur von Fotos. Wie 
übersteht die Familie diese Trennung?

„Sie hat sehr viel Power“
Dingelbe.

Fast jeden Tag spricht Ahmed Siala mit seiner Frau Gazale. Aber nur am 
Telefon, die beiden können sich nicht sehen. Seit drei Jahren schon. Er 
lebt in Deutschland, sie in der Türkei. Allerdings nicht freiwillig. 
Gazale Salame ist am Morgen des 10. Februar 2005 in die Türkei 
abgeschoben worden. In ein ihr unbekanntes Land. Ihre Eltern kommen aus 
dem Libanon, sie wuchs in Deutschland auf.
An diesem Morgen im Februar sah Ahmed Siala seine Frau und seine kleine 
Tochter Schams das letzte Mal, wie sich herausstellen soll für lange 
Zeit. Auch die Töchter Nura und Amina müssen von ihrer Mutter, die ein 
Baby erwartet, Abschied nehmen. In der Türkei bringt Gazale ihren Sohn 
Ghasi zur Welt – der Vater kennt bis heute nur Fotos von ihm. „Ich 
dachte damals, die Trennung ist nur für kurze Zeit, und die Politiker 
besinnen sich, werden eine Familie, die 18 Jahre lang in Deutschland 
lebt, nicht trennen“, sagt Ahmed Siala. Doch der heute 28-Jährige irrte 
sich. Nun ist er unfreiwillig alleinerziehender Vater von zwei Mädchen 
im Alter von neun und zehn Jahren.
Weil er als Fleischer viel arbeitet und seine Kinder nicht den ganzen 
Tag über allein lassen wollte, gab er seine Wohnung in Kemme auf. Im 
vergangenen August zog er nach Dingelbe zu seinen Eltern und seinem 
Bruder. „Hier haben die Mädchen den ganzen Tag über Ansprechpartner“, 
sagt Siala. Die sprechen allerdings mehrheitlich arabisch.
Gerade bei den Hausaufgaben können sie den Mädchen daher kaum helfen. 
Amina (10) und Nura (9) besuchen die Grundschule in Schellerten. Sie 
gehen mit Freude zur Schule. Besonders Amina lernt gern. Sie mag fast 
alle Fächer, sogar Mathe, weil „ihr Lehrer so toll ist“. „Ich möchte 
gern auf ein Gymnasium gehen“, sagt das Mädchen. Vater Ahmed schaut sie 
lange an und sagt: „Da müsstest Du aber mehr lernen, wenn Du das willst.“
Oftmals zanken sich die Schwestern wegen Nichtigkeiten. „Das haben sie 
früher nicht getan“, stellt der Vater fest. Seine Mädchen hätten sich 
sehr verändert, seit dem ihre Mutter weg ist. Sie fühlten sich oft 
einsam, seien früher einfach glücklicher gewesen. Wenn sie Probleme 
haben oder reden wollen, gehen sie zu ihrem Vater. Siala hofft, dass das 
auch so bleibt, wenn die Mädchen in die Pubertät kommen. „Da wird ihnen 
ihre Mutter noch mehr fehlen. Denn mit Großmüttern redet man in diesem 
Alter nicht gern über seine Probleme“, weiß der Vater. Über Sorgen, Nöte 
und Alltägliches spricht Siala mit seiner Frau am Telefon. Und wenn sich 
Gazale über ihren Mann aufregt, wirft sie auch schon einmal den Hörer 
auf. Siala schmunzelt und erzählt; „Sie ist eine sehr impulsive Frau, 
hat sehr viel Power und sagt ihre Meinung. Das mag ich an ihr. Wir 
verstehen uns einfach gut“.
Seit zwölf Jahren sind die zwei ein Paar. 1996 ließen sie sich in einer 
Moschee trauen. Eine Eheschließung, die der deutsche Staat nicht 
anerkennt. „Eine standesamtliche Heirat war nicht möglich, weil wir 
keine Ledigkeitsurkunde aus dem Libanon vorlegen konnten.“ Dennoch 
schlossen sie für sich den Bund fürs Leben.
Dass sie jetzt getrennt leben müssen, ist für Siala nicht 
nachvollziehbar. „Unsere Familien haben ihre Herkunft nicht 
verschleiert“, betont er. Als seine Eltern mit ihm nach Deutschland 
kamen, war er acht Jahre alt. Damals habe er sich sehr behütet in diesem 
Land gefühlt, erlebte eine glückliche Kindheit. „Im Grundgesetz steht, 
dass Familien geschützt werden müssen. Was ist mit meiner Familie?“, 
fragt Siala immer wieder. „Haben wir kein Recht darauf?“ Es sei 
schließlich kein Verbrecher oder Terrorist. Er habe sich seinen 
Strafregisterauszug bestellt, damit er das jedem beweisen kann, der 
daran zweifelt.
Siala kämpft weiter für seine Familie, wünscht sich nichts mehr, als 
dass seine Frau Gazale, Schams und Ghasi wieder nach Deutschland kommen 
dürfen, sie wieder eine Familie sind. Hier sollen seine Kinder in 
Freiheit aufwachsen, Chancen für ein gutes Leben bekommen. Er gehe nicht 
in ein Land, in dem seine Kinder nicht frei aufwachsen können. „Ich 
werde meinen Töchtern kein Kopftuch aufzwingen“, sagt er bestimmt.
Im September oder Oktober wird über sein Aufenthaltsrecht erneut 
verhandelt, inzwischen vor dem Bundesverwaltungsgericht. „Ich gehe 
nötigenfalls bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte“, sagt 
Siala. Im vergangenen Herbst hatte das Oberverwaltungsgericht in 
Lüneburg entschieden, dass auch er das Land verlassen muss. Er legte 
Revision ein und stellte den Antrag, seine Frau in der Türkei besuchen 
zu dürfen, danach aber wieder nach Deutschland einreisen zu können. Der 
Landkreis teilte Siala im Dezember mit, dass das Auswärtige Amt keine 
Möglichkeit sieht, ihm und seinen Töchtern ein Visum zu erteilen. So 
wird weitere Zeit verstreichen, in der die Familie sich nicht sehen 
kann. Aber wie erhält ein Paar seine Beziehung über die Entfernung und 
die lange Zeit? „Unsere gemeinsamen Kinder geben uns Kraft, Hoffnung und 
Halt“, sagt Siala. Und die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben in 
Deutschland will er nicht aufgeben. „Wenn meine Frau und ich uns 
wiedersehen, werden wir ganz von vorn anfangen“, sagt er. Er denke, dass 
Gazale und er sich dann ein halbes Jahr nur für sich gönnen werden. 
Seine kleine Tochter Schams, sein „Sonnenschein“, werde er sicher auch 
keine Minute aus den Augen lassen. „Wahrscheinlich werde ich dann immer 
vor der Schule auf sie warten, aus Angst, sie wieder zu verlieren.“

„Bitte helfen Sie mir“
Izmir.

Die Tasche, die Gazale Salame am 10. Februar 2005 kurz vor ihrer Abreise 
gepackt hat, ist immer noch nicht ausgeräumt. Wieder und wieder sortiert 
sie ihre Sachen hinein, in der Hoffnung, die Tasche nur greifen zu 
müssen, um schnell die Heimreise nach Deutschland antreten zu können. 
Bis jetzt hat sie vergebens gehofft. Die 27-Jährige und ihre zwei Kinder 
bewohnen ein altes Haus am Rande von Izmir, sie schlafen auf Matratzen. 
„Ich möchte mich hier gar nicht einrichten. Ich will endlich wieder nach 
Hause“, sagt sie am Telefon. „Heimkehren“, das ist offenbar der Gedanke, 
der sie beherrscht. Salame möchte wieder zu ihren Kindern und ihrem Mann.
Ihre Stimme klingt warm, fest und freundlich. Doch ab und zu wird sie 
brüchig, hört man ihre Verzweiflung, schon bevor sie sie ausspricht: 
„Ich halte das hier kein Jahr mehr aus.“ Sie sei krank geworden in den 
vergangenen drei Jahren. Die Haare fielen ihr aus, Ohrgeräusche 
(Tinnitus) plagen sie ebenso wie Lähmungserscheinungen in den Beinen und 
Depressionen. Jetzt ist noch ein Bandscheibenvorfall dazu gekommen. „Ich 
kann mich vor Schmerzen kaum bewegen“, sagt sie. Im Hintergrund lautes 
Geschrei. Gazale Salame entschuldigt sich, sie müsse das Gespräch kurz 
beenden, ihre Kinder streiten sich wieder. „Rufen Sie noch einmal an?“, 
fragt sie.
Minuten später beim erneuten Anruf ist es wieder ruhig im Hintergrund. 
Die Mutter hat mit ihren Kindern einen kleinen Spaziergang gemacht. Den 
Kleinen fehlen Gleichaltige und auch Platz zum Spielen. Die Spielplätze 
seien heruntergekommen, in ihrem Haus gibt es kaum Spielzeug. Sie kann 
keines kaufen, weil sie nur wenig Geld hat. Auch die Betreuung der 
Kleinen in Kindergärten ist nicht finanzierbar. 400 Euro überweist ihr 
Mann jeden Monat. Nicht viel, wenn man von Lebensmitteln bis zur Windel 
alles davon kaufen muss. In ihrer Wohnung gibt es kein Warmwasser, keine 
Heizung. Nur einen Holzofen, den sie befeuern muss. Mit den starken 
Rückenschmerzen ist die Schlepperei des Brennholzes eine Qual.
„Die Menschen hier beten für mich, damit ich nach Hause zu meiner 
Familie kann“, sagt Gazale Salame. Das ist aber auch schon fast alles, 
was ihre Nachbarn und Bekannten für sie dort tun, denn in der Türkei ist 
sie nach wie vor eine Fremde. „Wenn eine Frau jung und schön ist, darf 
sie hier nicht allein wohnen. Sie gehört zu ihrem Ehemann“, sagt sie. 
Die Mutter versteht die Leute um sie herum. In einem Sprachkursus lernte 
sie schnell die Landessprache, um nicht mehr auf die Hilfe von 
Dolmetschern angewiesen zu sein. „Gerade als Schwangere wollte ich die 
Ärzte verstehen können“, erklärt sie.
Mit der Sprache hat die Verständnislosigkeit für ihre Situation hingegen 
nichts zu tun. „Ich habe doch nichts verbrochen“, sagt sie. Ihre Eltern 
und ihre acht Schwestern leben in Deutschland. Warum sie nicht? Jetzt 
setzt die Mutter all ihre Hoffnung auf die Macht der deutschen Kirchen, 
vielleicht können die ja etwas für sie bewirken. „Ich frage meinen Mann 
immer wieder, ,warum unternimmst Du nichts?’“ Und dann schreie sie ihn 
an, sie wolle zu ihren Kindern. Das Paar streitet mittlerweile oft am 
Telefon. Das war anfangs nicht so, da sagten sie sich oft, wie sehr sie 
sich vermissen. Jetzt wirft Gazale Salame ihrem Mann manchmal vor, dass 
er sie nicht mehr liebe. Obwohl sie wisse, dass es nicht so ist. „Ich 
liebe ihn, und er liebt mich“, sagt die Frau.
Sie quält dennoch die Angst, dass ihr Ahmed sich in eine andere Frau 
verlieben könnte. Aber das ist nur eine von vielen Ängsten. „Was wird in 
meinem Leben noch auf mich zukommen?“, fragt sie. Eine Zukunft in der 
Türkei könne sie sich nicht vorstellen. „Manchmal will ich sterben, weil 
ich nicht so viel Verantwortung alleine tragen kann“, sagt sie leise. Im 
Hintergrund wird es wieder laut, Gazale ruft ihre Kinder zur Ordnung.
Ghasi und Schams werden leiser, hören auf ihre Mutter. Werden das ihre 
zwei großen Mädchen, die bei ihrem Mann in Deutschland leben, auch eines 
Tages wieder? Drei Jahre sind eine lange Zeit. Lassen Nura und Amina 
sich von ihrer Mutter etwas sagen, wenn sie wieder zusammen sind? „Wir 
hatten in unserer Familie eine Demokratie aufgebaut. Schule, 
Hausaufgaben, spielen, ins Bett bringen – wir hatten alles geregelt“, 
erklärt Gazale Salame. Wie ein Lego-Turm sei alles eingestürzt.
Wenn ihr Traum Wirklichkeit wird und die Familie in Deutschland wieder 
zusammen leben darf, wird alles gut. „Die Mädchen finden sicher wieder 
Vertrauen zu mir“, überlegt die Mutter. Sie und ihr Mann werden sich neu 
kennen lernen müssen. Sie wolle ihn wieder für sich gewinnen, 
schließlich könne es doch sein, dass er ihre Liebe und Zärtlichkeit 
vergessen habe.
Die täglichen Telefonate sind ein kleiner Trost für das Paar. Und 
natürlich spricht die Mutter auch mit ihren Kindern. Hauptsächlich 
Amina, die große, telefoniert mit ihrer Mama. „Manchmal sagt sie, dass 
sie schon sehr groß geworden ist und mir helfen wird, wenn ich wieder 
bei ihr bin. Und dann weint sie“, berichtet die Mutter. Sie tröstet ihre 
Tochter dann, sagt, dass sie bald wieder bei ihr sei, obwohl sie 
manchmal nicht mehr daran glaubt. „Und dabei laufen mir selbst die 
Tränen über das Gesicht, aber das darf meine Tochter nicht merken.“ Im 
Hintergrund wird es wieder laut. Ghasi und Schams langweilen sich, sie 
rangeln miteinander, bis einer weint. „Ich muss sie jetzt ins Bett 
bringen“, erklärt Gazale Salame. Nach einer kurzen Pause sagt sie noch: 
„Bitte helfen Sie mir und meiner Familie.“

Gegen ein Gesicht zieht kein Argument
Hildesheim.

Der evangelische Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt und das katholische 
Dekanat Hildesheim sorgen sich um das Schicksal einer Familie: Der von 
Gazale Salame und Ahmed Siala. Helmut Aßmann, Superintendent des 
Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt, und Wolfgang Osthaus, Domkapitular 
und Stadtdechant, hatten deshalb eine Petition an den Präsidenten des 
Niedersächsischen Landtages geschickt.
Inzwischen ist eine Antwort erfolgt, die neben dem Hinweis auf formale 
Ungenauigkeiten in Aussicht stellt, dass eine Wiedereinreise von Gazale 
Salame nur auf dem Wege des Visumverfahrens möglich sei. „Wie wir auf 
diese Auskunft reagieren, wird gerade geprüft“, sagt Helmut Aßmann. Das 
Anliegen der Kirchen sei es nicht, das deutsche Rechtssystem zu 
torpedieren. In diesem Falle gehe es ausschließlich darum, eine noch 
längere Trennung der Familie zu vermeiden und darauf hinzuweisen, dass 
das mit der nunmehr drei Jahre zurückliegenden Abschiebung begonnene 
menschliche Elend jedes tolerable Maß überschritten habe. Aßmann ist 
sich sicher: Hätte einer derjenigen, die in diesem Fall Recht gesprochen 
haben, allen Betroffenen von Angesicht zu Angesicht gegenüber gestanden, 
wären die Dinge anders abgelaufen. „Gegen ein Gesicht zieht kein 
Argument“, sagt der Superintendent.
Trotz der zahlreichen Verhandlungen, die es bereits gab, sei eine 
Situation entstanden, die menschlich nicht zu halten sei.
Die Aussicht auf einen neuen Verhandlungstermin über das 
Aufenthaltsrecht von Ahmed Siala erst im Herbst dieses Jahres gehe 
vollständig zu Lasten der Familie.
Ob die große Öffentlichkeit in diesem Fall der Sache dienlich ist? Für 
seine Antwort greift Aßmann zur Bibel und liest ein Gleichnis vor (siehe 
nebenstehend). „Manchmal muss man auf die Nerven gehen, um gehört zu 
werden“, erklärt er.
Am morgigen Sonntag wird der „Fall Salame“ in der St.-Andreas-Kirche bei 
„Andreas um 6“ thematisiert. Superintendent Aßmann wird der Frage 
nachgehen, wie in den beiden biblischen Testamenten der Umgang mit Recht 
und Menschlichkeit zusammengebracht wird.

Das Gleichnis: Lukas, Kapitel 18, 1-5

„In einer Stadt lebte ein Richter, der nicht nach Gott fragte und alle 
Menschen verachtete. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe. Sie 
kam immer wieder zu ihm gelaufen und bat ihn: Verhilf mir zu meinem 
Recht! Lange Zeit wollte der Richter nicht, doch schließlich sagte er 
sich: Es ist mir zwar völlig gleichgültig, was Gott und Menschen von mir 
halten; aber weil die Frau mir lästig wird, will ich dafür sorgen, dass 
sie ihr Recht bekommt.“

Datum: 09.02.2008
Zeitraffer

- 10. Februar 2005: Polizisten holen die 24-jährige, im dritten Monat 
schwangere Gazale Salame und ihre einjährige Tochter Schams aus ihrer 
Wohnung, um sie in die Türkei abzuschieben. Der Kreis führt als 
Begründung an, Gazale habe bei ihrer Einreise nach Deutschland – damals 
sieben Jahre alt – die Behörden getäuscht und ihre türkische 
Staatsangehörigkeit verschwiegen. Das Verwaltungsgericht Hannover stimmt 
der Entscheidung im Eilverfahren zu.

- 12. Februar 2005: Gazale Salame kommt bei Bekannten ihrer Eltern in 
Izmir unter, später zieht sie in eine Wohnung eines nicht isolierten 
Hauses im Armenviertel der Stadt.

- 31. August 2005: Ghasi wird geboren.

- 21. Juni 2006: Das Verwaltungsgericht entscheidet, dass Ahmed Siala 
kein türkischer Staatsbürger ist, sondern seine Familie seit Mitte der 
fünfziger Jahre nachweislich im Libanon gelebt hat. Der Landkreis soll 
über Sialas Aufenthaltserlaubnis neu entscheiden.

- August 2006: Landrätin Ingrid Baule setzt sich beim Innenministerium 
für Gazale Salames Rückkehr ein. Doch das Land weist den Kreis an, gegen 
das Urteil in die Berufung zu gehen.

- November 2006: Das Verwaltungsgericht verpflichtet den Kreis, Gazale 
Salame und ihren Kindern die Einreise zu ermöglichen und eine befristete 
Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen. Auch gegen diesen Beschluss legt der 
Kreis auf Weisung des Innenministeriums Beschwerde beim 
Oberverwaltungsgericht Lüneburg ein. Mit Erfolg.

- 5. Januar 2007: Das OVG hebt den Beschluss des Verwaltungsgerichts zur 
Wiedereinreise auf. Es gebe kein Recht auf Familienzusammenführung, da 
Salames Mann und die beiden älteren Töchter keinen gesicherten 
Aufenthaltsstatus hätten. Zudem stehe einer Familienzusammenführung im 
Libanon oder in der Türkei nichts im Weg.

- 2. Oktober 2007: Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg spricht sich 
gegen ein Bleiberecht von Ahmed Siala aus. Seine Rechtsanwältin legt 
Revision ein. Die nächste Instanz ist das Bundesverfassungsgericht.

- 7. Februar 2008: Gazale Salame bricht zusammen und kommt in ein 
türkisches Krankenhaus. Ihr Mann Ahmed Siala beantragt ein Besuchsrecht 
mit Rückkehrgarantie, um seine Frau besuchen zu können.

„Rechtmäßig
Hildesheim/Hannover.

Laut Grundgesetz stehen Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz. 
Gilt das nicht für alle Familien? – Diese Frage richtete die HAZ ans 
Innenministerium. Hier Auszüge aus der Antwort: Ehe und Familie sind 
(...) geschützt. Das gilt auch für ausländische Familien, die im 
Bundesgebiet leben. Das Oberverwaltungsgericht entschied, dass Frau 
Önder (unter dem Namen Önder ist Gazale Salame in der Türkei 
reigistriert, Anm. d. Red.) die Wiedereinreise in das Bundesgebiet nicht 
ermöglicht werden kann, da es den noch in Deutschland lebenden 
Familienangehörigen zuzumuten ist, die Lebensgemeinschaft mit Frau Önder 
in der Türkei wiederherzustellen, weil Herr Siala nicht über ein 
Aufenthaltsrecht für die Bundesrepublik verfüge. (...) 
Verfassungsrechtliche Bedenken wegen einer Trennung des Vaters von den 
Kindern hat das Gericht dabei nicht geäußert. Vielmehr hat es in seinem 
Beschluss vom 22. Dezember 2004 eine Trennung des Vaters von den Kindern 
für rechtmäßig erklärt. Es ist allein an Herrn Siala, die Trennung der 
Familie aufzuheben und ihr in die Türkei zu folgen. (...)

2) Artikel aus der heutigen HAZ (11.02.2008)

Gazales Unterstützer geben nicht auf
Mehr als 250 Teilnehmer bei Demonstration am Sonnabend in der Innenstadt 
/ Unterstützung von Landes- und Bundespolitikern

Hildesheim (nec). Mehr als 250 Demonstranten zogen am Sonnabend durch 
die Hildesheimer Innenstadt, um an das Schicksal der Familie 
Salame/Siala zu erinnern. Mit dabei: Superintendent Helmut Aßmann, 
Vertreter der SPD und der Grünen. Die ehemalige Bürgermeisterin und 
Landtagsabgeordnete Lore Auerbach hielt eine bewegende Rede.
Es war ein bunter Trupp, der vom Kreishaus durch die Fußgängerzone zur 
Lilie zog, um den Fall nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: Schwarz 
gekleidete Antifa-Aktivisten liefen neben fahnenschwenkenden 
Parteimitgliedern der Linken und der Grünen, ganze Familien mit 
Kinderwagen und Kleinkindern an der Hand neben Älteren, die von den 
Kirchen mobilisiert worden waren. Vor drei Jahren war die schwangere 
Gazale Salame mit ihrer einjährigen Tochter in die Türkei abgeschoben 
worden, während ihr Mann Ahmed Siala die beiden älteren Töchter zur 
Schule brachte (die HAZ berichtete).
Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Drei Jahre lang hat die 
Familie mit Unterstützung des Flüchtlingsrates versucht, alle 
rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um eine Wiedereinreise der 
jungen Mutter zu ermöglichen – vergeblich. „Hier ist rechtlich alles in 
Ordnung und menschlich alles falsch“, erklärte Superintendent Helmut 
Aßmann vom evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt. Er 
appellierte an die Verantwortlichen im Innenministerium, nach einer 
humanen Lösung zu suchen, um der Familie ein Zusammenleben in 
Deutschland zu ermöglichen.
Zuvor hatte die ehemalige Bürgermeisterin und SPD-Landtagsabgeordnete 
Lore Auerbach in einer sehr persönlichen Rede an die zahlreichen 
Ungereimtheiten des Falles erinnert. Als arabisch-sprechende Libanesen 
hätten Gazale Salame und ihr Mann keine andere Verbindung zur Türkei, 
als die Tatsache, dass die Eltern bei Flucht aus dem 
Bürgerkriegs-Libanon den Weg über die Türkei nahmen. Die junge Frau 
werde nun für die Angaben ihrer Eltern bei der Einreise nach Deutschland 
haftbar gemacht – und das obwohl diese und ihre acht Geschwister ein 
Bleiberecht erhalten hätten.
Gazale Salame hingegen müsse nun allein in einem Land zurechtkommen, in 
dem allein erziehende Mütter absolute Außenseiter seien. Das sie in 
dieser Situation krank werde, könne sie nachvollziehen, sagte Auerbach. 
Und erinnerte daran, wie schlimm es für sie - als damals sechsjähriges 
Kind - auf der Flucht vor den Nazis in England gewesen sei. Obwohl die 
Situation für ihre Familie viel positiver ausgesehen habe, habe sie sich 
von der fremden Umgebung erdrückt gefühlt und Albträume bekommen.
Gazale Salame war am vergangenen Donnerstag zusammengebrochen und in das 
Krankenhaus von Izmir eingeliefert worden. „Sie hat das Krankenhaus aber 
inzwischen auf eigenen Wunsch wieder verlassen, weil sie die Kinder 
nicht allein lassen kann“, erklärte ihr Mann Ahmed Siala am Sonnabend.
Kai Weber vom Niedersächsischen Flüchtlingsrat hofft immer noch auf 
Gesprächsbereitschaft beim Innenministerium. „Es ist wichtig, dass der 
öffentliche Druck nicht nachlässt“, erklärte er. Vor allem die 
Unterstützung durch lokale Politiker mache ihm Hoffnung. Zur 
Demonstration kamen die SPD-Landtagsabgeordnete Jutta Rübke, die 
Grünen-Landtagsabgeordnete Filiz Polat und die 
Grüne-Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer.

3) Artikel aus dem Kehrwieder am Sonntag (10.2.2008)

"Rechtlich ist alles geklärt, menschlich ist alles falsch"

Rund 250 Demonstranten zogen am Samstag friedlich durch die Hildesheimer 
Innenstadt.

(lv) Hildesheim. Die Unterstützung aus ihrer Heimat Hildesheim könnte 
Gazale Salame noch einmal Trost spenden. Sie hat ihn bitter nötig: Am 
Mittwoch ist sie im türkischen Izmir, wohin sie heute auf den Tag genau 
vor drei Jahren abgeschoben wurde, zusammengebrochen und musste ins 
Krankenhaus eingeliefert werden. Zeitweise war sie nicht bei 
Bewusstsein. "Inzwischen geht es ihr besser", sagt ihr Ehemann Ahmed 
Siala dem KEHRWIEDER. Sie habe sich auf eigenen Wunsch aus der Klinik 
entlassen, um bei ihren Kindern zu sein.
Neben seinem Kampf um ein dauerhaftes Bleiberecht hofft Siala nun, dass 
er seine kranke und labile Frau und die beiden Kinder wenigstens für 
eine Woche besuchen darf, ohne gleich ganz in der Türkei bleiben zu 
müssen. Oder dass sie nach Deutschland zurückkommen darf, bis die 
Gerichte endgültig entschieden haben. Als nächste Instanz ist das 
Bundesverwaltungsgericht in Leipzig am Zuge, es dürfte sich noch 
mindestens ein Jahr hinziehen.
Um gegen die andauernde Trennung der Familie zu protestieren, trafen 
sich gestern ab 11 Uhr rund 250 Unterstützer der Familie vor dem 
Kreishaus. Mit dabei viele Vertreter der Grünen, darunter 
Bundestagsabgeordnete Brigitte Pothmer, und der Linken. Dr. Lore 
Auerbach (SPD) geht als erste ans Mikrofon und spricht von "schallendem 
Unrecht", das der Familie Salame/Siala widerfahren ist. Der Fall sei 
zwar in der Tat ausländerrechtlich kompliziert, aber es gehe um einen 
Rechtsverstoß der Eltern: "Es ist grotesk, dass diese jetzt das 
Bleiberecht besitzen, die Tochter Gazale aber abgeschoben wurde."
Die grüne Landtagsabgeordnete Filiz Polat kritisiert, dass Ahmed Siala 
von den Behörden ständig Steine in den Weg gelegt bekommen habe, etwa 
bei seinem Versuch, sich selbstständig zu machen. "Das ist 
Diskriminierung", so Polat. Ende des vergangenen Jahres habe sie Landrat 
Reiner Wegner um ein Gespräch gebeten, erzählt sie später während der 
Abschlusskundgebung auf der Lilie dem KEHRWIEDER. Es wurde ihr mit 
Hinweis auf das laufende Verfahren verweigert. "Mit anderen Ämtern habe 
ich auch während laufender Verfahren sprechen können", empört sich die 
Abgeordnete.
Mit einer Petition an den Landtag hatten sich kurz vor Weihnachten die 
beiden christlichen Kirchen in den Fall eingemischt. Jetzt ist der 
evangelische Superintendent Helmut Aßmann gekommen, um seine Position 
darzulegen. "Rechtlich ist alles geklärt, menschlich ist alles falsch", 
sagt der Kirchenmann. Mit der Abschiebung im Februar 2005 sei ein 
menschliches Desaster entstanden, aus dem kein Rechtsmittel heraushelfe. 
Das schwächste Glied in dieser Kette sei Gazale Salame. "Eine schwangere 
Frau mit einem Kind abzuschieben, heißt eines der elementaren 
Rechtsgüter unserer Gesellschaft anzutasten."
Die Verantwortlichen sollten sich jetzt phantasievoll mit der Rechtslage 
beschäftigen und einen humanitären Ausweg aus dem Dilemma finden. Bei 
einem Gottesdienst am heutigen Sonntag ab 18 Uhr in der Andreaskirche 
wolle er alle Beteiligten noch einmal sprichwörtlich "ins Gebet nehmen".
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