[Gazale-Salame] GRIBS-Preis für Unterstützerkreis Gazale Salame
kai weber
kai.weber at nds-fluerat.org
Mit Nov 14 12:48:15 CET 2007
HAZ 14.11.2007
„Drastisches Beispiel für inhumane Flüchtlingspolitik“ aus Hildesheim
Grüne verleihen Preis im Landtag
/ Grußwort von Herbert Schmalstieg
Hildesheim/Hannover (am/r). Die Landtagsgrünen haben gestern den
Unterstützerkreis Gazale Salame des Niedersächsischen Flüchtlingsrats
mit dem Preis „Grüne investieren in Bürgerengagement und Solidarität“
(GriBS-Preis) ausgezeichnet. „Der Fall der kurdischen Familie aus
Hildesheim, die durch die Abschiebung der Mutter und ihres jüngsten
Kindes getrennt wurde, ist ein besonders drastisches Beispiel für die
inhumane Flüchtlingspolitik des Landes Niedersachen“, sagte der
Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel bei der Verleihung des mit 2500 Euro
dotierten Hauptpreises.
Gazale Salame ist am 10. Februar 2005 schwanger und mit ihrer Tochter
Shams in die Türkei abgeschoben worden. Ihr Ehemann Ahmed Siala und die
gemeinsamen Töchter Nura (8) und Amina (10) leben im Landkreis Hildesheim.
Der unermüdliche Einsatz des Unterstützerkreises trage dazu bei, dass
das Schicksal der Familie nicht in Vergessenheit gerät. Der Grünen-Chef
forderte von der Landesregierung, dass die restriktiven
Zugangsregelungen für die Härtefallkommission abgeschafft werden. „Dann
hätte auch diese Familie bessere Chancen, in Deutschland leben zu können.“
Auf Einladung der Grünen sprach Herbert Schmalstieg, langjähriger
Oberbürgermeister der Stadt Hannover, als Mitglied der
Härtefallkommission ein Grußwort. Seiner Ansicht nach seien die
Zugangsvoraussetzungen für die Härtefallkommission zu hoch. Er sei schon
viel herumgekommen, doch Schmalstieg kenne kein Gremium, das für ein
positives Votum eine Dreiviertelmehrheit der Mitglieder (acht) benötige.
Klaus Schäfer, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen im Kreistag, begrüßt
die Verleihung des Preises an die Hildesheimer Gruppe. „Der
Unterstützerkreis ist ein wichtiges politisches Signal im Einsatz um
eine humanere Flüchtlingspolitik im Landkreis Hildesheim“, so Schäfer.
Seine Fraktion will die Initiative in der kommenden Woche zu einem
Gespräch ins Kreishaus einladen. Dabei soll es um die Möglichkeiten der
Wiedereinreise von Gazale Salame gehen.
Zwei weitere Preise dotiert mit je 1000 Euro überreichte die
Fraktionsvizechefin Ursula Helmhold an die Bürgerinitiative „Wir für
soziale Gerechtigkeit“, die mit Spendengeldern aus Veranstaltungen und
Solidaritätsläufen einen Sozialfonds an einer Lindhorster Grundschule
eingerichtet hat, und an die Initiative „Langer Tisch“ der
Kirchengemeinde Jade. Das an die Idee der „Tafeln“ angelehnte Projekt
unterstützt bedürftige Menschen mit Lebensmitteln, organisiert
Freitzeitaktivitäten für Jugendliche und Kinder und berät und betreut
Menschen, die aufgrund ihrer Lage selbst wenig oder keine
Eigeninitiative entwickeln können.
Bereits zum neunten Mal zeichnen die Landtagsgrünen mit dem Geld aus den
Diätenerhöhungen Projekte und Initiativen aus, die sich als „Vorbilder
für Zivilcourage“ für diejenigen einsetzen, die „an den Rand unserer
Gesellschaft gedrängt sind“.
HAZ 13.11.2007
Hauptpreis für Gazales Unterstützer
Mit 2500 Euro wird Familie in der Türkei unterstützt /
Anwaltskosten in Deutschland beglichen
*Kreis Hildesheim** (am). Der Unterstützerkreis Gazale Salame im
Niedersächsischen Flüchtlingsrat erhält heute den Preis „Grüne
investieren in Bürgerengagement und Solidarität“. Im Niedersächsischen
Landtag werden die Preisträger und ihre Projekte vorgestellt.
*Mehr als 20 Bewerbungen lagen der Grünen Landtagsfraktion für den Preis
„Grüne investieren in Bürgerengagement und Solidarität“ (GriBS) vor. Das
Preisgeld, insgesamt 4500 Euro, stamme aus den von der Fraktion
abgelehnten Diätenerhöhungen, heißt es in einer Pressemitteilung. Diese
Summe teilen sich nun die drei Preisträger. Der Hauptpreis (2500 Euro)
geht nach Hildesheim an den Unterstützerkreis Gazale Salame beim
Niedersächischen Flüchtlingsrat. Die beiden zweiten Preise bekommen die
Bürgerinitiativen „Wir für soziale Gerechtigkeit“ aus Lindhorst und der
„Lange Tisch“ der Kirchengemeinde Jade.
Das Preisgeld ist in Hildesheim sehr willkommen. „Ein Teil des Geldes
bekommt Gazale Salame für ihren Lebensunterhalt in der Türkei, mit dem
Rest werden offene Anwaltskosten beglichen“, sagt Kai Weber,
Geschäftsführer des Flüchtlingsrates. Gazale Salame dürfe in der Türkei
nicht arbeiten, und daher benötige sie für sich und ihre zwei bei ihr
lebenden Kinder Geld. „Sicher können wir ihr mit dieser Summe keine
Lebensperspektive geben“, weiß Weber.
Aber er hofft, dass der Familie auch anders zu helfen ist. So hat der
Flüchtlingsrat beim Landkreis Hildesheim den Antrag gestellt, dass
Salames Mann Ahmed Siala und die zwei in Deutschland lebenden Töchter
einen besonderen Pass bekommen, der ihnen die Reise in die Türkei, aber
auch die Wiedereinreise nach Deutschland ermöglicht. So könnte die
Familie das erste Mal seit zwei Jahren gemeinsam Weihnachten feiern. Und
Ahmed Siala würde erstmals seinen kleinen Sohn Ghazi sehen. Seine Frau
war mit Ghazi schwanger, als sie abgeschoben wurde. „Wir hoffen auf eine
humanitäre Reaktion des Kreises“, so Weber. Desweiteren hoffe er, dass
der Landkreis die Wiedereinreisesperre für Gazale Salame aufhebt. Dafür
setzt er sogar auf ein Druckmittel. Eigentlich hatte sich der
Flüchtlingsrat bereit erklärt, die Ahmed Siala in Rechnung gestellten
Abschiebekosten zu begleichen. 2500 Euro sind bereits an den Landkreis
überwiesen. 1500 Euro für die Bundespolizei hält die Organisation noch
zurück.
Das Geld ist auch beim Niedersächsischen Flüchtlingsrat knapp. Die zehn
Mitarbeiter machen sich stets Sorgen um ihre Zukunft und die des
Flüchtlingsrates. Seit drei Jahren überlebt der Rat ohne Landesgelder.
„Wir finanzieren uns durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und EU-Mittel“,
erläutert Weber. Der Grund, warum seine Einrichtung kein Geld mehr vom
Land bekommt, liegt für ihn auf der Hand. Offensichtlich habe die Kritik
an Innenminister Uwe Schünemann dazu beigetragen. „Schade“, findet
Weber. Denn in anderen Bundesländern, zum Beispiel Schleswig-Holstein,
werde der Flüchtlingsrat vom Land unterstützt. „Aber, wir werden uns
nicht unterkriegen lassen“, sagt Weber optimistisch und findet gleich
wieder den Bogen zu Gazale Salame: „Wenn es uns gelingt, den
öffentlichen Druck beizubehalten, bin ich guten Mutes für die Familie.“