Gazale Salame

Acht Jahre lang hat der Unterstützerkreis gemeinsam mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen, unterstützt von den Kirchen, zahlreichen Organisationen und Prominenten, für die Zusammenführung der durch die Abschiebung zerrissenen Familie von Gazale Salame und Ahmed Siala gekämpft. Am Sonntag war es endlich so weit: Gazale konnte ihre ohne sie groß gewordenen Töchter in die Arme schließen, Ahmed die beiden jüngeren Kinder.

„Es ist schön, wieder zu Hause zu sein. Ich will nur Frieden.“ Froh und erschöpft wirkt Gazale nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen in der Nacht vom 2. auf den 3. März in Hannover. Man sieht ihr an, dass die Schmerzen und Qualen der vergangenen Jahre nicht so einfach überwunden werden können. Gazales Mann Ahmed war nach der Abschiebung seiner damals schwangeren Frau und der jüngsten Tochter allein mit zwei älteren Töchtern in Deutschland zurückgeblieben. Amina (16) und Nura (14) wuchsen ohne ihre Mutter zu Teenagern heran. Jetzt traf Ahmed seine Frau, seine Tochter Schams (9), die ihm einjährig entrissen worden war, endlich wieder. Seinen 7-jährigen Sohn Gazi sah er zum ersten Mal.

Die Abschiebung der schwangeren Gazale mit ihrer einjährigen Tochter ohne ihren Mann und die beiden anderen Kinder war zum Sinnbild der schwarz-gelben Abschiebungspolitik in Niedersachsen unter Innenminister Schünemann (CDU) geworden.
Am Sonntag wurden Gazale, Schams und Gazi vom neuen niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD), der mitten in der Nacht eigens zum Flughafen gereist war, empfangen: „Ich hoffe, dass es mir gelingt, solche Fälle in Zukunft auszuschließen. Jeder, der solche Entscheidungen fällt, sollte diese Bilder vor Augen haben.“ Wir werden ihn beim Wort nehmen.

Ein kurzer subjektiver Rückblick auf die Ereignisse mag die Orientierung in diesem komplizierten Fall ebenso beförden wie die bereits vor zwei Jahren erstellte Geschichte einer Flüchtlingsfamilie. Ergänzend dokumentieren wir eine kurze Stellungnahme von Ahmed Siala vom Sonntag.

Medienberichte:

STERN, Sueddeutsche, DIE ZEIT, spiegel-online, die tageszeitung, Hildesheimer Allgemeine Zeitung, Hannoversche Allgemeine Zeitung, ARD Tagesthemen, ZDF Heute Journal, NDR Hallo Niedersachsen, TAZ, BILD, Braunschweiger Zeitung, Hamburger Abendblatt, Landeskirche Hannover, Evangelische Zeitung Niedersachsen

Wir sagen Danke!

Aus datenschutzrechtlichen Gründen können wir an dieser Stelle nicht alle Menschen erwähnen, die sich nicht selbst auch öffentlich geäußert bzw. einer Veröffentlichung ihres Namens zugestimmt haben. Wer in der nachfolgenden Liste nicht erwähnt ist, möge dies insofern nicht als mangelnde Anerkennung werten und sich ggfs. bei uns melden. Wir danken folgenden Personen und Gruppen, die in den letzten acht Jahren mit uns mutig und beharrlich für die Rückkehr von Gazale, Schams und Gazi gekämpft haben:

  • Unterstützerkreis für Gazale, eine Initiative aus Hildesheim, die acht Jahre lang unermüdlich für die Rückkehr der Familie kämpft. Zu der Initiative gehören u.a. : Regina Stolte, Dr. Lore Auerbach, Gerjet und Luise Harms, Hannah von Grönheim, Hedwig Mehring, Jutta Rübke, Beate Uhlmann, Familie Lassalle, Michael Huffer, Achim Degen, Kai Weber. Eine „Chronik der Aktivitäten“ findet sich in den Presseberichten.
  • Heiko Kauffmann, PRO ASYL, der mit einem Appell an den Ministerpräsidenten McAllister auf die Verletzung des verfassungsmäßig verankerten Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes und des Familienschutzes verwies und deutlich machte, dass die fortgesetzte Familientrennung gegen die Europäische Menschenrechtskonvention und die UN-Kinderrechtskonventionverstieß. Heiko Kauffmann überzeugte eine Vielzahl von Prominenten, sich öffentlich für eine Rückkehr von Gazale, Schams und Gazi stark zu machen, und trat auch in Hildesheim als Redner auf Demonstrationen auf.
  • Rainer Kruse, Referent von Brot für die Welt i.R., der, aufgeschreckt durch den Artikel von Wolfgang Uchatius in der „Zeit“, internationale Kampagnen für die Rückkehr von Gazale in verschiedenen europäischen Staaten sowie in Südafrika, Indien, auf dem Balkan, in Tunesien organisierte und gemeinsam mit Heiko Kauffmann und Prof. Dr. Lothar Krappmann die Verletzung der Kinderrechte anprangerte.
  • Dr. Gisela Penteker, Ärztin und Vorstandsmitglied des Flüchtlingsrats, die intensiven Kontakt mit Gazale gehalten, sie ärztlich versorgt und mindestens einmal im Jahr besucht hat.
  • Monika Bergen, Aktivistin im Flüchtlingerat Berlin und Vertraute von Gazale, die in immer neuen Briefen und Eingaben an die politisch Verantwortlichen eine humanitäre Lösung fordert, engen Kontakt mit Gazale hält und sie auch in der Türkei besucht.
  • Aktivist_innen des AK Asyl Göttingen, die Gazale in der türkei besuchen und einen ersten reisebericht schreiben.
  • Vanessa Zoom, die Gazale in der Türkei besucht und ihre Bachelorarbeit dem Thema widmet.
  • Wolfgang Voges und Domkapitular Osthaus sowie Superintendent Helmut Aßmann, die als Vertreter der katholischen und der evangelischen Kirche immer für uns ansprechbar waren, an vielen Demonstrationen teil nahmen, öffentliche Appelle formulierten und mit dem Innenministerium Verhandlungen führten.
  • Dr. Hans-Jürgen Marcus und Hedwig Mehring vom DICV Hildesheim, die in enger Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsrats und dem Unterstützerkreis den Fall in verschiedenen Gremien vertreten und immer wieder auch öffentlich Stellung nehmen.
  • Dr. Coughlan (Caritasverband für Stadt und LK Hildesheim), der sich auf öffentlichen veranstaltungen für die rückkehr von Gazale einsetzt.
  • Der Hildesheimer Bischof Trelle, der mehrfach auch öffentlich in deutlichen Worten sein Unverständnis über die Weigerung der Landesregierung zum Ausdruck brachte, in diesem Fall eine humaitäre Lösung herbeizuführen.
  • Bischöfin Käßmann vermeidet öffentliche Mahnungen, setzt sich aber hinter den Kulissen für die Familien ein.
  • Thomas Vogler, Jazzbar München, der eine Petition für Gazale in den Bundestag mit über 2000 UnterstützerInnen einbrachte und ein Konzert zur Unterstützung der Familie organisierte.
  • Lars Wätzold, Improshow Göttingen, der mit einem Benefizessen für Schünemannopfer sowie einem Benefizkonzert für Schünemannopfer nicht nur für Unterhaltung und Schlagzeilen, sondern auch für Geld für die Unterstützung von Gazale sorgt.
  • Die Landtagsabgeordneten Jutta Rübke (SPD), Fritz Güntzler (CDU), Filiz Polat (Grüne), Pia Zimmermann (Linke), und Jan-Christoph Oetjen(FDP), die im Innenausschuss zusammen finden und gemeinsam dafür arbeiten, jenseits von Parteiinteressen und Wahlkampfgetöse eine pragmatische Lösung für die Familienzusammenführung zu finden.
  • Die Campact-Kampagne sammelt 7.500 Unterschriften, produziert einen Film und begleitet uns am „Tag der Niedersachsen“ 2008, wo wir den Innenminister vor laufender Kamera stellen.
  • Der frühere OB Hannovers Herbert Schmalstieg, Mitglied der Härtefallkommission, kritisiert öffentlich die Landesregierung für ihre Härte im Fall der Gazale.
  • Brigitte Pothmer (MdB Grüne), die immer wieder auch eigene Initiativen ergreift, um auf das der Familie angetane Unrecht öffentlich hinzuweisen und eine Lösung zu fordern.
  • Die kommunalen Politiker Klaus Bruer (SPD), Ottmar von Holtz (Grüne), Richard Bruns (Grüne) und Doris Ließmann-Heckerott (LINKE), mischen sich ein, vermitteln im Konflikt mit dem Landrat und setzen die Verabschiedung einer Resolution des Landkreistags für eine Familienzusammenführung durch.
  • Das „Trillke-Orchester“, später umbenannt in „Schwarzer Hahn“, eine Straßenmusikergruppe aus Hildesheim, die auf nahezu jeder Demonstration und Kundgebung für Gazale kostenlos auftritt und mitreißende Musik macht.
  • Benefizkonzert für Gazale am 19. Mai 2007 mit Yallency Brown, Great Dust, Etage 2, Juli Kapelle, Machine.
  • Hildesheim rockt gegen rechts – Rockkonzert für Gazale am 31.07.2009, mit Hildesheimer DJ-Größen und Rockgruppen, unterstützt von der Kulturfabrik
  • Ameis Buchladen feiert Geburtstag und ruft öffentlich zu Spenden für die angeschobenen Familien auf.
  • Unzählige regionale Gruppen und Arbeitskreise wie z.B. der Ökumenische AK Asyl Rotenburg melden sich zu Wort und protestieren gegen den Umgang mit den Flüchtlingen, dazu etliche Einzelpersonen, z.B. Hannelore Geyer, Annelie Tietze, Inge Klapproth, Eva Klippenstein, Monika Schlonski, Frau Gömann, Wilhelm Wortmann, Mitschüler_innen von Anuar Naso, …
  • Journalist_innen und Medien: Aus einer Vielzahl von bemerkenswerten Autor_innen seien exemplarisch genannt: Wolfgang Uchatius (Zeit), Michael Berger (HAZ), Stefan Klein (SZ), Jan Starkebaum (NDR), Lothar Veith (Kehrwieder), Stefan Buchen (Panorama), …

Eine Vielzahl von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich in Briefen und Stellungnahmen für eine Lösung einsetzen, u.a.

  • 1) Politiker/innen:
    • Prof. Dr. Rita Süßmuth
    • Heiner Geißler
    • Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin
    • Tom Koenigs
    • Dr. Reinald Eichholz
    • Lioba Meyer
    • Heidi Merk und Herbert Schmalstieg

    2) Verfassungsrichter:

    • Prof. Dr. Ernst Gottfried Mahrenholz, ehem. Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts

    3) Führende Vertreter der Freien Wohlfahrtspflege

    • Rudolf Seiters, Präsident des DRK, ehem. Bundesinnenminister
    • Wilhelm Schmidt, Präsident des Bundesverbandes der Arbeiterwohlfahrt e.V. und Präsident des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V.
    • Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des deutschen Caritasverbandes
    • Pater Martin Stark SJ, Direktor Jesuiten-Flüchtlingsdienst

    4) Vertreter/innen von nationalen Menschenrechtsorganisationen und Verbänden:

    • Prof. Dr. Fanny-Michaela Reisin, Präsidentin der Internationalen Liga für Menschenrechte
    • Ursula Führer, stellv. Vorsitzende Erich Maria Remarque Gesellschaft e.V.
    • Brigitte Erler, Ehem. Generalsekretärin von amnesty international, Gründerin der Antirassismusorganisation Aktion Courage
    • Torsten Jäger , Geschäftsführer Interkultureller Rat in Deutschland e.V.
    • Dr. Hans-Martin Große-Oetringhaus, Referent für Globales Lernen bei terre des hommes
    • Danuta Sacher, Geschäftsführerin terre des hommes – Hilfe für Kinder in Not
    • Peter Herrmann, Vorstand Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge e.V.
    • Albert Riedelsheimer, Generalsekretär Separated Children Deutschland e.V.
    • Sanem Kleff, Vorstandsvorsitzende Aktion Courage e.V.
    • Tina Terschmitten, Vorstand Aachener Friedenspreis e.V.
    • Paula Honkanen-Schoberth, Bundesgeschäftsführerin Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband
    • Dr. Sabine Farrouh, Vorstand IPPNW – Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges/ Ärzte in sozialer Verantwortung
    • Annelie Buntenbach, Bundesvorstandsmitglied des DGB
    • Siegfried Steiger, 1. Vorsitzende Deutsche Korczak-Gesellschaft e.V., Günzburg, 03.02.2012
    • Dr. Jürgen Stahn , Hamburg und Wolfgang Mai, Schliersee, Abtl. Brot für die Welt
    • Mike Corsa von der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend in Deutschland
    • Rupert Neudeck, Gründer der Organisation Cap Anamur, Journalist
    • Fanny Dethloff, Bundesvorsitzende der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirch e.V.

    5) Vertreter/innen aus Kultur und Wissenschaft

    • Prof. Dr. Klaus J. Bade, Vorsitzender Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR)
    • Volker Ludwig, Autor und Geschäftsführer GRIPS Theater GmbH, Berlin, 26.01.2012
    • Dr. Jobst Paul, Dr. Margrete Jäger, Prof. Dr. Siegfried Jäger, Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS)
    • Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Geschäftsführender Direktor Stiftung Universität Hildesheim, sowie weitere Professor/innen des Fachbereiches ”Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation”
    • Prof. Dr. Andreas Buro, Friedensforscher
    • Prof. Mohsen Masserat, Friedensforscher
    • Dr. Doreen Müller, Politikwissenschaftlerin UNI Göttingen
    • Peter Grohmann, Kabaretist, Gründer der ANSTIFTER in Stuttgart
    • Prof. Heiner Bielefeld, Institut für Menschenrechte Uni Erlangen.
    • Prof. Wolfgang Ehrhardt, HAW Hamburg
    • Günther Grass, Literaturnobelpreisträger und Schriftsteller
    • Sabine Gerhardus und Ludwig Schmidinger, Bischöflicher beauftragter für KZ-Gedenkstättenarbeit in München und Freising

    6) Vertreter/innen von internationalen Organisationen

    • Stefan Berglund, UNHCR Deutschland a.D.
    • Kailash Satyarthi, Präsident des Global March Against Child Labour, Indien
    • Prof. Hiroshi Oda, Japan
    • Jean Zermatten, Vorsitzender des Kinderrechtsausschusses der Vereinten Nationen
    • Prof. Dr. Lothar Krappmann, Langjähriges Mitglied des Ausschusses der Vereinten Nationen für die Rechte des Kindes
    • Corinne Kumar, El Tallert , Tunesien. Internationale Initiatorin von Frauentribunalen. Mobilisierteinternational ca 40 Frauengruppen und Aktivistinnen zum Schreiben von Protestbriefen an deutsche Politiker
    • Edith Rubinstein, Belgien, mobilisierte Women in Black Organistionen in Europa für Briefaktionen und machte Übersetzungen in französisch.
    • SIEDS, Frauen Collective in Bangalore, mobilisierte ca 20 indische Frauengruppen
    • Build in Bombay Gemeinschaftscampagne mit etlichen indischen NGO´s
    • IMSE, Calcutta, Mr. Biplab Halim Mobilisierung von Gruppen in Nordindien und Nachbarländern
    • Bishop George Ninan, New York
    • Theresa Achary Joseph , Andhra Pradesh, Südindien
    • Biljana Zamir Mobilisierung von Briefen aus dem Balkan.
    • Brian Ashley, Alternative Information Südafrika
    • Peoples Reporter, Monatszeitung in Indien

Eine Vielzahl von weiteren Personen hat sich öffentlich oder privat mit Briefen zu Wort gemeldet. Besonderer Dank gilt auch allen Spenderinnen und Spendern, die mit ihren finanziellen beihilfen dafür gesorgt haben, dass Prozesse finanziert und Gazale über viele Jahre in der Türkei unterstützt werden konnte.  Ihnen allen sage ich herzlichen Dank!

gez. Kai Weber

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Gazale kommt wieder nach Hause! Dank an alle, die uns geholfen haben!

Erleichtert und glücklich können wir feststellen, dass nach der Landtagssitzung am 07.12.2012, an dem alle im Landtag vertretenen Parteien sich eindeutig und einstimmig für eine Rückkehr von Gazale, Schams und Gazi nach Hildesheim ausgesprochen haben, kein Zweifel mehr besteht: Gazale kommt in Kürze wieder nach Hause! Wir danken Ihnen allen, die Sie in den vergangenen acht Jahren mit uns für die Rückkehr von Gazale gestritten haben. Hunderte, wenn nicht Tausende von Menschen haben Solidarität mit der durch Abschiebung getrennten Familie geübt und Briefe und Eingaben geschrieben, sich an Kundgebungen und Demonstrationen beteiligt, Gazale besucht und getröstet, Berichte verfasst, hinter den Kulissen Gespräche geführt, Protestaktionen durchgeführt, Artikel geschrieben, Pakete gepackt und Spenden überwiesen. Es sind so viele, dass wir an dieser Stelle unmöglich alle namentlich erwähnen können. Wenn Gazale und die Kinder wieder zurück sind, werden wir ein Fest feiern und Sie alle einladen!

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Namentlich danken wir wir an dieser Stelle aber der Allparteienkoalition bestehend aus den Abgeordneten Jutta Rübke (SPD),  Fritz Güntzler (CDU), Jan-Christoph Oetjen (FDP), Filiz Polat (Grüne) und Pia Zimmermann (Linke), die auf den letzten Metern einen für alle akzeptablen und gangbaren Weg fanden, eine humanitäre Lösung unter Hintanstellung von Parteiräson und Wahlkampftaktik in die Tat umzusetzen.

Der weitere Weg sieht wie folgt aus: Die Personalausweise (Nüfüs) für Amina und Nura befinden sich auf dem Weg aus der Türkei nach Deutschland. Sobald sie eintreffen, wird Familienvater Ahmed Siala bei der türkischen Botschaft Pässe für die Mädchen beantragen und bekommen. Erst wenn diese Pässe ausgestellt sind, kann für Amina und Nura eine Aufenthaltserlaubnis beim Landkreis Hildesheim gestellt werden. Erst wenn die Aufenthaltserlaubnis für Amina vorliegt, kann für Gazale ein Visum bei der deutschen Botschaft in Izmir beantragt werden. Hierbei hat uns die Landesregierung ihre Unterstützung zugesagt.

Neue Berichte und Meldungen finden Sie hier.

Herzliche Grüße!

Kai Weber
Geschäftsführer

PS: Ihre Unterstützung stärkt unseren Einsatz für die Menschenrechte von Flüchtlingen. Dafür bedanken wir uns bei Ihnen ganz herzlich! Um diese Arbeit vernünftig, wirkungsvoll und vor allem unabhängig gewährleisten können, sind wir auch weiterhin auf Ihre Solidarität und auf Ihre finanzielle Unterstützung angewiesen. Helfen Sie uns dabei: Hier finden Sie Spendenhinweise. Wenn Sie ausdrücklich für die Familie Siala/Salame spenden wollen, vermerken Sie dies bitte auf Ihrer Überweisung mit dem Stichwort “Gazale”.

Es existiert eine Mailingliste für Gazale Salame. Diese können Sie hier hier abonnieren.

Eine ausführliche Darstellung des Falls und seiner Entwicklung finden Sie hier:
Gazale Salame – Die Geschichte einer Flüchtlingsfamilie

Hintergrund: Kurze Zusammenfassung der vergangenen Ereignisse

Am 10. Februar 2005 wurde Gazale zusammen mit der jüngsten Tochter Schamps im dritten Monat schwanger von der Polizei abgeholt und in die Türkei abgeschoben, während ihr Mann Ahmed die beiden größeren Mädchen in die Schule brachte. Gazale ist im Alter von sieben Jahren mit ihren Eltern aus dem Libanon geflohen und in Deutschland aufgewachsen. Hier hat sie zusammen mit ihrem Mann Ahmed Siala eine Familie begründet. Die Familie hat vier Kinder. Weil Gazale, die zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern im Jahr 1990 aufgrund des Bürgerkriegs im Libanon ein Bleiberecht erhielt, zwar aus dem Libanon stammt, aber als kleines Mädchen in den 80er Jahren zeitweise auch in der Türkei gelebt hat, entzog ihr der Landkreis Hildesheim nach 17-jährigem Aufenthalt in Deutschland die Aufenthaltsgenehmigung und schob sie in die Türkei ab.
Zwar gewann ihr Mann am 21. Juni 2006 das Verfahren um ein Aufenthaltsrecht der Familie vor dem Verwaltungsgericht Hannover, aber das niedersächsische Innenministerium verpflichtete die Ausländerbehörde des Landkreises, dagegen vor dem Oberverwaltungsgericht zu klagen.  Das OVG hob mit Urteil vom 27.09.2007 die Entscheidung der Verwaltungsgerichts auf und erklärte die Verweigerung einer Aufenthaltserlaubnis an Ahmed Siala für rechtmäßig, weil Ahmed türkische Vorfahren habe. Auch ein Bleiberecht käme nicht in Frage, weil Ahmet wegen Schlachtens ohne Hinzuziehung eines Veterinärs in der Vergangenheit zu einer Strafe von 100 Tagessätzen verurteilt wurde und nicht einsehen wolle, dass er Türke sei. Dagegen legte die Anwältin Silke Schäfer Revision beim Bundesverwaltungsgericht ein.
Im Juli 2008 befristete der Landkreis Hildesheim die Wiedereinreisesperre für Gazale Salame auf vier Jahre bis zum 10.02.2009. Das bedeutet, dass Gazale seit dem 10.02.2009 ein Visum beantragen kann. Entsprechende Anträge wurden jedoch bereits zweimal abgelehnt: Es beständen Zweifel, so die (vom Außenministerium bestätigte) Begründung der deutschen Botschaft, dass Gazale nach einem auf höchstens drei Monate befristeten Besuch ihrer Familie in Deutschland wieder in die Türkei zurückkehre. Ein Visum für einen längeren Aufenthalt zum Zweck der Familienzusammenführung werde erst erteilt, wenn Ahmet wieder eine Aufenthaltserlaubnis besitze.

Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht fand am 27.01.2009 statt. In der mündlichen Verhandlung  drängte die Vorsitzende, Gerichtspräsidentin  Frau Eckertz-Höfer, darauf, Ahmed Siala nach den eindeutigen Vorgaben der Europäischen Menschenrechtskonvention zum Schutz des Privatlebens (Art. 8 EMRK) und der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte die erstrebte Aufenthaltserlaubnis zu erteilen, um weitere jahrelange Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden. „Der Fall schreit geradezu nach einer Lösung im Wege des Vergleichs“, so die oberste Verwaltungsrichterin. Wer seit 24 Jahren im Bundesgebiet lebe und sein Herkunftsland gar nicht kenne, habe ein nachvollziehbares Interesse daran, im Lande zu bleiben. Angesichts des langjährigen Aufenthalts, darunter zehn Jahre im Besitz von Aufenthaltstiteln, dürfe die Ahmed Sialas Eltern vorgeworfene „Täuschung“ über eine angebliche türkische Staatsangehörigkeit nicht herangezogen werden, um dem Sohn die Aufenthaltserlaubnis zu verweigern. Es könne und dürfe nicht sein, dass eine gut integrierte Person durch alle Maschen des humanitären Aufenthaltsrechts falle.

Mit diesen deutlichen Worten spielte das Bundesverwaltungsgericht den Ball wieder ins Feld der Politik zurück: Der Landkreis Hildesheim und Innenminister Schünemann waren gefordert, über ihren Schatten zu springen und endlich eine Bleiberechtsentscheidung zu fällen. Lange Zeit sprangen sie nicht. jetzt hat endlich der Landtag mit seinem Beschluss vom 07.12.2012 eine Bleiberechtsperspektive eröffnet.

Gazale und Ahmed sind in Deutschland groß geworden. Die beiden gehören hierher und nicht in ein ihnen fremdes Land, dessen Sprache sie nicht sprechen und in dem sie keine Perspektiven haben. Der Vorwurf der „Identitätstäuschung“ ist infam und unhaltbar. Es gibt keine Rechtfertigung für weitere Gerichtsverfahren,  jeder weitere Tag der Trennung ist für die Familie einer zuviel. Schon der Kinder wegen war eine Lösung überfällig!

Unseren Beitrag für eine humanitäre Lösung haben wir geleistet: Allein für die Abschiebungskosten haben die Unterstützer/innen 2007 eine Summe in Höhe von 4.363,51 Euro aufgebracht und an die Behörden überwiesen. Wir unterstützen die Familie seit Jahren mit Spenden für Gazale und für Gerichtskosten und werden dafür bürgen, dass die Familie auch im Jahr nach der Rückkehr von Gazale und den Kindern keine öffentlichen mittel in Anspruch nehmen muss.

Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin!


Der Flüchtlingsrat Niedersachsen ist für seine Arbeit auf Spenden angewiesen. Unterstützen Sie uns: - Konto 4030 460 700 - GLS Gemeinschaftsbank eG - BLZ 430 609 67 - IBAN DE28 4306 0967 4030 4607 00 - BIC GENODEM1GLS - Zweck: Spende, oder werden Sie Fördermitglied im Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.! Spenden an den Flüchtlingsrat sind steuerlich absetzbar.