Wer wir sind

Nachfolgend finden Sie einige ausführlichere Hinweise zu unserer Arbeit und zu unserem Selbstverständnis:

Wer sind wir?

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen ist ein landesweiter Zusammenschluss von niedersächsischen Initiativen, Organisationen und Einzelpersonen, die für den Schutz und eine menschenwürdige Lebensperspektive von Flüchtlingen und Migrant_innen mit prekärem Aufenthaltsrecht eintreten. Dabei haben wir ein besonderes Augenmerk auf minderjährige Flüchtlinge und andere vulnerable Gruppen (z.B. Traumatisierte, Gewaltopfer pp.). Wir sind davon überzeugt, dass sich die demokratische Verfasstheit eines Landes auch an seinem Umgang mit Flüchtlingen zeigt. Daher unterstützen wir alle Flüchtlinge unabhängig von ihrem Status und kämpfen gemeinsam mit ihnen für die Rechtsansprüche, die sich aus dem deutschen und dem internationalen Flüchtlings- und Völkerrecht für sie ergeben.

Anspruch auf eine Prüfung der Fluchtgründe

Ein Teil der Asylsuchenden erhält nicht einmal die Chance auf ein Asylverfahren und wird unter Bezugnahme auf die Dublin III – Verordnung in andere europäische Länder abgeschoben. Diesen europäischen Verschiebebahnhof lehnt der Flüchtlingsrat ab, zumal in vielen Länder ein faires Asylverfahren nicht gewährleistet ist sowie oftmals problematische Aufnahmebedingungen und menschenunwürdige Lebensbedingungen für Flüchtlinge herrschen. Daher unterstützen wir Flüchtlinge, die sich gegen eine Abschiebung wehren. Wenn keine Rechtsmittel dagegen möglich oder aussichtsreich sind, zeigen wir Perspektiven auf und vermitteln Kontakte, unabhängig vom rechtlichen Status.

Ringen um Anerkennung

Auch wer zum Asylverfahren zugelassen wird, hat es nicht leicht, Schutz zu finden: Nur ein Teil aller Flüchtlinge wird als Flüchtling anerkannt oder erhält sonstigen Schutz. Mit ablehnenden Entscheidungen, die das „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ als zuständige Behörde trifft, sind viele Flüchtlinge nicht einverstanden und versuchen vor Gericht, ihre Anerkennung zu erreichen. Dabei unterstützt sie der Flüchtlingsrat, denn staatliche Hilfen vor Gericht gibt es für Flüchtlinge nur im Ausnahmefall.

Schutz vor einer zweiten Vertreibung

Nach jahrelangem Asylverfahren und geduldetem Aufenthalt ist eine Rückkehr ins Herkunftsland oft nicht mehr zumutbar. Im Laufe der Zeit gehen die Flüchtlinge Beziehungen ein: Sie besuchen die Schule, beginnen eine Ausbildung und Arbeit und schließen Freundschaften. Der Flüchtlingsrat kämpft für ein Bleiberecht aller Flüchtlinge, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland gefunden haben.

Die Abschreckungspolitik gegenüber Flüchtlingen überwinden!

Asylsuchende und geduldete Flüchtlinge dürfen sich ihren Wohnsitz nicht aussuchen, sondern müssen in ihnen zugewiesenen Unterkünften leben. In den ersten Monaten unterliegen sie einem Arbeitsverbot, für 15 Monate erheblichen Einschränkungen beim Arbeitsmarktzugang. Vielen Flüchtlingen bleiben Partizipationsangebote und Hilfen verschlossen, die anderen Migrant_innen angeboten werden. Das wollen wir ändern.

Integration und Teilhabe auch für Flüchtlinge

Der Flüchtlingsrat macht sich dafür stark, dass alle Flüchtlinge möglichst von Beginn an Bildungschancen und Teilhabemöglichkeiten erhalten und sozialrechtlich mit EU-Bürger_innen gleichgestellt werden. In der politischen Lobbyarbeit auf kommunaler, Landes- und Bundesebene setzen wir uns gemeinsam mit anderen Initiativen für gesetzliche und administrative Verbesserungen ein. Unabhängig vom Ausgang des Asylverfahrens müssen Flüchtlinge die Chance haben, ihre Kompetenzen einbringen zu können, zu erweitern und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Was macht der Flüchtlingsrat konkret?

A) Vernetzung

Das Rückgrat der Flüchtlingsarbeit in Niedersachsen bildet die Basisarbeit vor Ort. Uns ist der regelmäßige Austausch wichtig, um Strukturen zu schaffen, Aktionen und Strategien zu entwickeln und umzusetzen. Wir wollen Multiplikator_innen und andere Flüchtlingsinitiativen unterstützen und stärken. Darüber hinaus arbeiten wir landes- und bundesweit sowie transnational vernetzt in Bündnissen mit anderen Menschenrechtsorganisationen zusammen in der Flüchtlingssolidarität und im Bereich des antirassistischen Engagements.

B) Qualifikation und fachliche Beratung

Wir führen regelmäßig Fortbildungsveranstalten durch und gewährleisten eine Fachberatung in schwierigen Rechtsfragen oder bei politischem Handlungsbedarf über die Geschäftsstelle des Flüchtlingsrats. Der Flüchtlingsrat arbeitet empowerment- und multiplikatorenorientiert bei der Unterstützung und Schulung von landesweit in Bildung, Flüchtlingssolidaritätsarbeit, Migrationsberatung oder Selbstorganisation engagierten Personen und Organisationen. Über Mailingliste, Homepage und Printmedien werden Mitglieder und Unterstützer_innen über aktuelle Entwicklungen informiert.

C) Politische Lobbyarbeit

Wir reden mit den politischen Gremien und nehmen auch öffentlich Stellung, wenn aus unserer Sicht die Dinge in die falsche Richtung laufen und die Menschenwürde von Flüchtlingen verletzt wird. Darüber hinaus bemühen wir uns, durch Vorschläge und Anregungen die behördlichen Abläufe bei der Aufnahme und Einbeziehung von Flüchtlingen in das gesellschaftliche Leben zu verbessern.

D) Projekte

Durch gezielte Projekte versucht der Flüchtlingsrat, die Lebenssituation von Flüchtlingen in Niedersachsen zu verbessern. Wir wollen Diskriminierungen abbauen, Aufnahmebedingungen erleichtern, Beschäftigung und Qualifizierung ermöglichen und dafür sorgen, dass Flüchtlinge in Niedersachsen eine Zukunft haben.

Projektarbeit ist immer zeitlich begrenzt und deshalb Änderungen unterworfen. Aktuelle Schwerpunktthemen der Projektarbeit sind z. B.:

  • Unterbringungskonzepte
  • Kinderflüchtlinge
  • Arbeitsmarktzugang
  • Bleiberecht für Geduldete
  • Vernetzung der Flüchtlingshilfe

E) Einzelfallbezogene Unterstützung

Die Einzelfallbezogene Unterstützungsarbeit erfolgt vor allem durch die dem Flüchtlingsrat angeschlossenen lokalen Initiativen und Mitglieder. Wo vor Ort keine qualifizierte Beratung angeboten wird oder Besonderheiten des Einzelfalls eine gezielte Unterstützung erfordern, mischt sich aber auch die Geschäftsstelle direkt ein. Dies gilt zum Beispiel für Härtefälle, vulnerable Gruppen und Fälle einer aus menschenrechtlicher Sicht problematischen Abschiebung oder fragwürdigen sozialen Ausgrenzung. Einmal in der Woche bietet der Flüchtlingsrat eine offene Teestube an. Eine individuelle Beratung per Mail und Telefon ist für alle gewährleistet.


Der Flüchtlingsrat Niedersachsen ist für seine Arbeit auf Spenden angewiesen. Unterstützen Sie uns: - Konto 4030 460 700 - GLS Gemeinschaftsbank eG - BLZ 430 609 67 - IBAN DE28 4306 0967 4030 4607 00 - BIC GENODEM1GLS - Zweck: Spende, oder werden Sie Fördermitglied im Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V.! Spenden an den Flüchtlingsrat sind steuerlich absetzbar.


Vom 24.12.2016 bis zum 1.1.2017 sind wir in den Betriebsferien.